Unser täglich Spam gib uns heute…

Warning, Girls Too Hot!Hello arash3207w! You’re a Winner!arbs, it’s proven, it worksVon: Personalabteilung, Betreff: Fristlose Kündigung – Spam, ursprünglich (und heute auch immer noch) amerikanisches Frühstücksfleisch in Dosen, dann durch einen Sketch der Komikertruppe Monthy Python’s Flying Circus zu einem Synonym für ungewollte Reizüberflutung geadelt, ist heute der etablierte Begriff für unverlangt zugesandte Massen- und Werbe-e.Mails. Diese haben inzwischen unerträgliche Ausmaße angenommen.

Versender von UBE und UCE, so der offiziellere Titel desselben Phänomens, lassen sich immer weitere Wege einfallen, um durch die Titelzeile den Empfänger zu motivieren, die e.Mail zu öffnen, wie die eingangs zitierten Beispiele zeigen. Durch die „Personalisierung“ der Betreffzeile wollen sie nicht nur höhere Anspracheraten erreichen, sondern glauben auch, die juristische Hürde des B für Bulk, also Massen-e.Mails zu umschiffen – das ist natürlich Unsinn, was die Absender auch nicht sonderlich interessiert, denn sie betreiben ihr Geschäft aus dem sicheren Hafen der Anonymität heraus. Daß die personalisierte Ansprache zudem an zwei Punkten scheitert, stört sie genauso wenig: Wenn ihre Software Gruppen zusammenfaßt, wird nur der erste aus der Gruppe korrekt angesprochen („arash3207w“), und außerdem, wie viele Leute haben schon ihren Realnamen als e.Mail-Adresse? (OK, ich…)

War früher der Spam fast ausschließlich englisch, kommen jetzt zwei neue Probleme hinzu: gänzlich unbrauchbarer Spam, also z. B. solcher in fernöstlichen Sprachen, deren Zeichensätze auf unseren PCs gar nicht installiert sind, und im Gegenteil mehr oder minder erkennbar eingedeutschter Spam („Eine Person, die Du kennst, findet Dich sehr reizvoll“, aber auch „Re unser Date morgen“). Zum Schutz vor Ersterem helfen einige wenige Filterregeln: Anscheinend haben die meisten Mailer den Anstand, den Zeichensatz anzukündigen (vielleicht geht es nicht anders…), also tut es ein Satz von ca. vier Regeln à la Nach Erhalt einer Nachricht, mit ISO-2022-KR in der Nachrichtenkopfzeile, diese endgültig löschen. Das letztere Problem ist größer: Die pseudo-unverfänglich daherkommenden Ansprachen werden immer konziser, immer öfter ist man nicht sicher, ob man diese oder jene Nachricht wirklich bedenkenlos ungelesen löschen kann.

Und ungelesen muß der Spam unbedingt bleiben. Es geht um vieles: einerseits reale Gefahren wie Vieren und 0190-Dialer, vor denen man sich nur bedingt durch Ausschalten des Vorschaufensters, Aktualisieren des e.Mail-Programms, Antivierenprogramme und Personal Firewalls schützen kann. Andererseits ist es ein Kampf der IQs: Es verletzt den Glauben an das Vorhandensein einer Grundintelligenz im Menschen, daß es a) Leute gibt, die so dumm sind, zu glauben, daß es Leute gibt, die so dumm sind, solche e.Mails zu lesen und gar darauf reinzufallen, und b) daß es Leute, die so dumm sind, solche e.Mails zu lesen und gar darauf reinzufallen, womöglich wirklich gibt. Und es ist schwer zu sagen, was trauriger wäre.

Uns bleibt also einstweilen nur, uns maßlos zu ärgern, unseren Posteingang mit einem immer mächtiger werdenden Regelwerk zu schützen, das nicht verhindern kann, daß wir die Nachrichten zuvor herunterladen mußten, oder aber IMAP oder einen eigenen Mailserver mit Spamfiter zu verwenden, und unsere wenige echte e.Mail aus dem großen Topf von Spam herauszufischen.

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