Siena/Corsigniano

Durch Erfahrung klug geworden, suchen wir schon am Morgen neues Quartier. Wir entscheiden uns abermals für die vorgestrige Casa, immerhin waren wir dort gut gefahren. Dann geht es wiederum nach Siena.Dort wollen am heutigen Abend die Siegesfeier der Contrade delle Istrize erleben: Zweimal jährlich findet seit dem 16. Jahrhundert in Siena auf der zentralen Piazza del Campo der Palio statt, ein Wettstreit der Stadtteile in der Form einer Art Pferderennen, dessen Etappen aber nur ca. 20 Sekunden dauern, da der Platz nicht sehr groß ist. Dieses Volksfest gigantischen Ausmaßes hatten wir natürlich nicht miterlebt, dafür aber zufällig erfahren, daß jetzt eben der Sieg gefeiert werden solle. Deshalb hatten wir uns zu einem dritten Tag in Siena entschlossen, und wir sollten diese Entscheidung nicht bereuen.

Zuvor jedoch gab es ein Naturschauspiel, das wir nicht bestellt hatten: Auf der Piazza angekommen, entlud sich ein Gewitter über uns. Diese Piazza ist, ähnlich wie ein römisches Amphitheater, halbrund und abschüssig in einen Talkessel hineingebaut. Sternförmige Gassen führen herab. Touristen sitzen entspannt auf dem Pflaster. Als jetzt ein Regenschauer ungeahnten Ausmaßes herabstürzte, war es vorbei mit der Entspannung, und eine Massenflucht in die umliegenden Torbögen und Andenkenläden erfolgte. Eine halbe Stunde lang goß es aus großen Eimern, und das Wasser aus den Straßen schoß in die Piazza wie ein Sturzbach. Als wenn das beeindruckende Schauspiel nicht schon schön genug wäre, schaltete sich anschließend auf Knopfdruck die Sonne wieder ein.

Leider waren einige der wunderschönen Kulissen, die die Einwohner des Stadtteils der Stachelschweine seit Tagen aus Sperrholz, Styropor und Pappmaché errichtet hatten, vom Regen in Mitleidenschaft gezogen, doch unermüdlich wurde wieder aufgebaut, und am Abend ging es dann los: Völlig vom Verkehr abgetrennt, feierte der Stadtteil mit über tausend Kostümierten aus Märchen, Mythologie und Science Fiction (sic) seinen „sagenhaften“ Sieg. In der ohnehin schon mittelalterlichen Kulisse der Stadt machen sich Schwertkämpfer und Rittersleute bei Fackelschein hervorragend, ältere Männer mit blauen Haaren und Schlafanzügen mit Logo auf der Brust eher merkwürdig. Rustikales Essen, Musik und Tanz und generell eine Feier, die eben nicht speziell für uns Touristen abgehalten wurde (die Touristinformation im Zentrum wußte nur wenig davon) waren unvergeßlich.

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