Erfahrungsbericht

In drei Wochen haben wir uns tausend Kilometer weit durch Südschweden bewegt. Damit wird deutlich, daß wir uns in eher gemessenem Tempo bewegt haben, nicht dem von Profi-Rennfahrern. Wir haben aber doch einiges geschafft. Wir haben gesehen, daß auch ein Paar von untrainierten Mausschubsern einen gesunden Urlaub machen kann. Vieles danken wir guter Ausrüstung, deren Anschaffungskosten freilich einen Teil des kostengünstigen Urlaubs selbst wegzehren, doch sind sie auf viele Jahre zu betrachten.Den uns Nachreisenden wollen wir kurz etwas über unsere Vorbereitung, unsere Ausrüstung usw. mitgeben. Es soll nur als grober Anhalt dienen – jeder solle selbst sehen, wie er es macht. Gegenbeispiele sind angeführt.

Etappentabelle

Nur so zum Spaß.

Tag Start – Ziel km Ø vmax Zeit
1. Tag (So., 15. Juni) Hamburg – Rostock – Trelleborg 15
2. Tag (Mo., 16. Juni) Trelleborg – Ystad 50 19,2 46,8
3. Tag (Di., 17. Juni) Ystad – Yngsjö 102 19,3
4. Tag (Mi., 18. Juni) Yngsjö – Karlshamn (Asarum) 83
5. Tag (Do., 19. Juni) Karlshamn – Bräkne-Hoby 31
6. Tag (Fr., 20. Juni) Bräkne-Hoby – Karlskrona 71
8. Tag (So., 22. Juni) Karlskrona – Kalmar 85
9. Tag (Mo., 23. Juni) Kalmar – Mörbylånga (Öland) 30
10. Tag (Di., 24. Juni) Mörbylånga – Stenåsa 80
11. Tag (Mi., 25. Juni) Stenåsa – Kalmar 36
13. Tag (Fr., 27. Juni) Kalmar – Nybro 48 18,3 34,6 2:38
14. Tag (Sa., 28. Juni) Nybro – Tingsryd 82 20,6 44,1 4:00
15. Tag (So., 29. Juni) Tingsryd – Torne 40 19,1 44,3 2:05
16. Tag (Mo., 30. Juni) Torne – Älmhult 54 19,4 48,3 2:48
17. Tag (Di., 1. Juli) Älmhult – Vinslöv 66 20,7 35,4 3:12
18. Tag (Mi., 2. Juli) Vinslöv – Hässleholm – (Malmö) 43 17,2 44,4 2:31
19. Tag (Do., 3. Juli) Malmö – Trelleborg 57 17,3 33,0 3:15
20. Tag (Fr., 4. Juli) Rostock – Hamburg 15
total 988 19,0 48,3

Räder

Unser größter Investitionsposten; man muß ihn allerdings unter dem Aspekt sehen, daß wir gleichzeitig unser Auto verabschiedet und die Räder auch als alltägliche Fortbewegungsmittel vorgesehen haben. Schweden ist nicht völlig eben – wir waren zeitweilig bis auf ca. 250 m Höhe -, aber der südliche Bereich ist auch nur sanft hügelig, nicht hochgebirgig. Das eher stärkere Problem war im offenen Terrain das „friesische Bergland“, der Wind. Reto und Katja fuhren mit 0 bzw. 4 Gängen, aber sie waren auch regelmäßig am Ende ihrer Kräfte. Wir fuhren mit 24 bzw. 27 Gängen, aber die waren sicher überdimensioniert. Eine vernüftige Schaltung wird sicher nicht schaden. Unsere Räder waren wie neu, das ist natürlich kein Muß, doch sollte man ein älteres Rad sorgfältig durchsehen, wenn man sich das zutraut, oder die Fahrradwerkstatt des Vertrauens befragen, wenn man an den eigenen Fähigkeiten zweifelt. Schaltung und Bremse sollten sauber eingestellt sein. Abgefahrene Decken oder Achten in den Felgen läßt man besser zu Hause. Das Licht sollte auch im Land der Mitternachtssonne funzen (mehr für den Stadtverkehr denn den Schwedenreisenden: Die Investition in einen Nabendynamo lohnt!).

Ersatzteile/Werkzeug

Glaubt man Kettler oder der vorerwähnten Fahrradwerkstatt des Vertrauens, kann man gar nicht zuviel mitnehmen. Die Antwort „stimmt nicht, wir hatten gar keine Pannen!“ darf sicher auch nicht gelten. Wir hatten das übliche Flickzeug, eine gute Pumpe, Reserveschlauch und Reservezüge für Schaltung und Bremse mit, das wiegt und kostet alles nicht viel. Decken und Bremsbeläge waren in unserem Fall natürlich neuwertig. Was so aussieht als hielte es nicht mehr lang, sollte man am besten gleich zu Hause lassen – in der schwedischen Natur ist die nächste Fahrradwerkstatt nicht immer um die Ecke, und auf die Fahrradecke eines ICA-Supermarkts möchte ich mich nicht verlassen müssen…

Ausrüstung

Wir haben jedes mitgenommene Teil unter dem Gesichtspunkt des Gewichts betrachtet und uns so eine leidlich leichte Sammlung angelegt. Das Gesamtgewicht haben wir dann aber witzigerweise nie ermittelt… und ein paar Dosen Bier waren auch oft noch drin. Hinweise im Einzelnen:

Packtaschen – auf Ortlieb lassen wir nix kommen! Die BikePacker Classic kosten 100,- € das Paar, bei McTrek kriegten wir sie erheblich billiger. Obwohl sie natürlich pottdicht sind, kommt alles in viele kleine Plastiktüten, denn ein Malheur ist schnell passiert, und außerdem findet man seinen Kram dann leichter wieder.

Zelt – das Aldi-Zelt ist ja nicht schlecht, aber für den Radler mit fast 6 kg entschieden zu schwer. Auch hier half der Outdoor-Schotte mit einem Schnäppchenzelt unter 3 kg. Und weil es nur hier einigermaßen reinpaßt, bitte nicht überlesen: Ein Muß ist die schwedische Campingcard! Bei der schwedischen Campingorganisation bestellt man sie rechtzeitig vor der Reise kostenlos, dann bringt sie schon auf der Fähre 10 % Rabatt, und am ersten Campingplatz sind die 90 SEK (ca. 10,- €) Jahresgebühr schon verdient.

Kombüse – wir führten den guten alten Bleuet-Kocher von CampingGaz, ein leichtes Alu-Topfset und Plastikgeschirr mit. Der Kocher ist kein Muß, außer für Wildcamper; praktisch alle Campingplätze hatten kleine Küchen, den Topf muß man aber schon selbst mitbringen. Die hervorragende Versorgung mit Lebensmitteln in schwedischen ICA-Supermärkten (einräumend, daß Frischgemüse und Fleisch teuer sind, bleibt dennoch genug an Speisekartenauswahl) bedeutet, daß man kaum jemals mehr als einen Tagesproviant zu tragen braucht. Ausnahmen: Müsliriegel und Studentenfutter, unsere Tagesnahrung, waren unbekannt. Ein kleines Gewürzset und eine kleine Flasche Öl zum Braten sind nützlich. Und jede freie Stelle am Rahmen wird mit Wasserflaschen vollgehängt (Tip unter Schwedenreisenden: An jedem Friedhof kann man diese nachfüllen, das scheint zwar pietätlos, funktioniert aber wunderbar…).

Schlafsäcke und Isomatte – ein anständiger Schlafsack ist heute kein Problem mehr, auch wenn meiner nicht so toll war wie der daunene von Barbara, war er eindeutig gut genug. Die selbstaufblasenden Isomatten der Kaufhof-Hausmarke High Peak waren dagegen unser einziger echter Flop: Nach wenigen Tagen löste sich die Beschichtung vom Schaumstoff und riesige Blasen machten uns zu ihren Spielbällen. Anständigerweise nahm Kaufhof sie nach dem Urlaub zurück. Das nächste Mal wird „Therm-A-Rest“ ausprobiert, hoffentlich sind die besser…

Kleidung – als Segler kannte ich früher nur die gute, schwere Baumwolle. Ich bin jedoch konvertiert und schwöre auf Microfaser, die ist leicht und schnell wieder trocken. Als Sport-Funktionskleidung unverzichtbar. Dem Gelegenheitssportler darf es durchaus Aldi-Ware sein; auf der privaten Website meines Freunds Matthias Kövér sieht man, wann man sie das nächste Mal kriegt: Sport-T-Shirts, Radler-T-Shirts, Sportsocken, Radlerhosen (muß nicht unbedingt sein, nichts schlägt beim Morgens-kühl-mittags-heiß-abends-kühl-Wechselspiel die gute, abzippbare Outdoorhose), Radlerunterhosen (hatten wir als einzige nicht, aber auch baumwollene Unterhöschen bleiben nächstes Mal zu Hause, und vielleicht ist es mit einem Gelpolster unter dem leidenden Hintern ja wirklich noch etwas angenehmer). Wird es abends kühler als kühl, hilft ein guter Fleece. Mit Rei in der Tube wird alle paar Tage gewaschen, somit braucht man nicht zu viele Wäschesätze.

Regenschutz – eine gute Regenjacke muß schon sein. Sie, die Schuhe und der Fleece gehören zu den Teilen, an denen ich lieber nicht spare (mein Hoflieferant „The North Face“ ist empfehlenswert, aber sicher nicht die einzige Alternative). Eine Fahrradregenhose gibt es dann wieder bei Aldi oder Tchibo, sie brauchten wir nur kurz an ein oder zwei Tagen.

Schuhe – festes Schuhwerk ist unabdingbar für Wanderungen, schlechtes Wetter usw. Nur wer Click-Pedale hat, braucht spezielle Fahrradschuhe. Für gutes Wetter und alle Lebenslagen schätzen wir unsere Teva-Sandalen, aber die sind natürlich Geschmackssache.

Literatur

Zwei Bücher trugen wir mit uns herum, und drei Karten:

Ob das ein Muß ist, ist nicht sicher. Die Bücher helfen dem, der gar keine Ahnung hat, was auf ihn zukommt. Echte Empfehlungen sind sie aber beide nicht. Die Karten sind gut, aber wahrscheinlich kommt man mit den kostenlosen Karten, die man bei jeder Tourist Information und an Campingplätzen erhält, auch schon recht weit. Und: Wir sind nicht über den Nordrand von Karte 1 hinausgekommen…

Links

Was Google noch so hergegeben hat…

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