Google – steht der Fall einer Weltmacht bevor?

Wer sich eine Zeitlang mit dem Internet befaßt hat, erinnert sich vielleicht noch: Als man noch glaubte, Netscape sei der einzige Browser, schien es noch, als sei AltaVista die einzige Suchmaschine. Seit dem Ende des letzten Jahrtausends änderte sich das: Mit Google betrat ein neuer Player die Bühne, und er rollte das Feld in kurzer Zeit von hinten auf. Mancher an Dienstjahren jüngere Internetbenutzer mag heute glauben, Google sei die einzige Suchmaschine.

Das spiegelt sich im Bemühen der Suchmaschinenoptimierer wider: Weil mehr als 90% der Besucher über Google zu einer Website kommen, optimiert man eine Site am scheinbar besten nur für das Finden in dieser Maschine – so, wie mancher lange Zeit seinen HTML-Quellcode nur für die Betrachtung im Internet Explorer optimiert hat. Beim einen wie beim anderen scheinen auch alle Tricks erlaubt, wenn sie nur immer zielführend für das eine Ziel sind.

Den Suchmaschinenoptimierern geht es dabei wie manchem Radikalkapitalisten: Dafür, seinen Umsatz jetzt und hier zu maximieren, nimmt er in Kauf, die Kuh zu schlachten, die er doch melken wollte. So wie der Kaffeeanbauer das Ökosystem des Regenwalds zerstört, so daß dort alsbald kein Kaffee mehr wächst, so interessiert es den Spammer nicht, daß alsbald kein Internetnutzer mehr seine E-Mails liest, und den Suchmaschinenoptimierer, daß die immer schlechter werdenden Google-Ergebnisse die Nutzer vergraulen.

Die aber lassen nicht etwa das ganze Internet links liegen, sie suchen nur anderswo: Wie Technology Review beobachtet, beginnen andere Suchmaschinen wie MetaGer oder Ask.com das mit Google zu machen, was diese einst mit AltaVista taten. Weltreiche wie das der Römer oder der Sowjets stehen bereit zu bezeugen, daß das problemlos möglich ist.

Der Chronist fügt allerdings hinzu, daß die beiden im Artikel hochgelobten Alternativsuchmaschinen für eine entsprechend ungünstige Suche vom Start weg genauso zugespammt sind wie der alte Gigant. Eine Produktsuche nach einem Regenverdeck für einen Kinderwagen bringt in keinem der drei Fälle das Gesuchte. Schau’n mer mal:

  • MetaGer: „Metager 2… analysiert, ob [der Inhalt der empfohlenen Seiten] überhaupt relevant ist“, brüstet sich der immerhin 18jährige Erfinder. Nun, bei einer Titelzeile „befundene auszureißendem kundigen Home Baby Kinderwagen Sportwagen & Buggys Chicco:“ weiß der Mensch vor der Maschine ohne hinzugehen sicher, daß das eben nicht der Fall ist, sondern er einer eBay-Weiterleite-Seite aufsitzt.
  • Ask.com: Hier hebt der Journalist von TR die Fähigkeit hervor, einen Screenshot der Zielseite vorab anzuschauen. Schade nur, daß von den 18 von 51 Suchergebnissen (die restlichen bleiben mysteriöserweise ganz unaufrufbar) ganze 2 dieses Feature aufweisen – bei denen genügt dann in der Tat ein Blick auf das klägliche Seitenlayout, um zu erkennen, daß es Linkfarmen sind.
  • Schließlich Google selbst: Auch hier sind kaum qualifizerte Suchergebnisse zu erkennen. eBay-Spam allenthalben, man beginnt sich zu fragen, ob es nicht – zumindest bei Produkten – eBay ist, das die Suchmaschinen verdorben hat. Selbst Googles eigener Produktendienst Froogle versagt und zeigt nichts an. Noch die qualifiziertesten Ergebnisse bietet hier die Liste der AdWords-Inserenten rechts, darunter sind zumindest alle namhaften Onlineversender von Babyausstattung vertreten.

Dabei ist dem qualifizierten Suchenden eigentlich klar, daß er Produkte auch bei eBay erhalten könnte. Von den Suchmaschinen wollte er etwas anderes hören.

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