Literaturzensur in Düsseldorf

Der Düsseldorfer OB und mein (Stadtteil-)Nachbar Joachim E. ist für seine umgängliche Art bekannt in Stadt und Land (berühmt der ins Lächerliche abgleitende Versuch, das Düssel-Dorf als Olympia-2012-Austragungsort zu etablieren oder der Versuch, einer Bürgermeisterin der Konkurrenzpartei nach den Wahlen ein Büro am anderen Ende der Stadt zuzuweisen, aber auch seine Abschiedsworte an den wegziehenden Konzern Thyssen-Krupp „keine Steuern bezahlen können die auch anderswo, die sind so wichtig wie eine Pommesbude“ sind bezeichnend für den gpflegten Tonfall). Zu den „Chefsachen“ in seinem Rathaus gehört seit einiger Zeit auch das Kulturdezernat.

In dieser Rolle nun stört er sich an der Kurzgeschichte „Wege zum Ruhm“ des Düsseldorfer Krimiautors Horst Eckert (erschienen in der Sammlung „Blutgrätsche„), in der ein ach so fiktiver OB Probleme mit seiner Arena kriegt – Düsseldorfern wird’s was sagen. Deswegen wurde gestern eine lange genehmigte Lesung des Autors in der Stadtbibliothek kurzfristig abgesagt.

Nun ist das die Art von PR, von der eigentlich jeder Anfänger weiß, daß sie nach hinten losgeht: Ich hätte von der Geschichte kaum je gehört geschweige denn sie gelesen, wenn nicht heute Lokalradio und alle Medien voll davon wären. Es ist abzusehen, daß dem Autor Lesungsstätten allenthalben angeboten werden (im Lokalradio bot live Manes Meckenstock sein „Haus der Freude“ an, wir werden gern unseren Kirchgemeindesaal herausrücken, und jede Buchhandlung der Stadt dürfte sich die Finger danach lecken) und er generell eine Bekanntheit erreicht, die er sich kaum hätte erträumen dürfen.

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