Webmacher – was bin ich?

Eine alte Frage, neu aufgewärmt: Wie nennen wir uns, wie definieren wir uns eigentlich? Ein Tischler sagt, „hey, ich bin Tischler“, und fertig ist er. Ein Friseur wird vielleicht einmal sagen „Coiffeur“, wenn er möchte, daß es etwas toller klingt, und es ist schon fast zynisch von „Raumkosmetikerinnen“ gesprochen worden, wenn die Eimerbrigade gemeint ist.

Wir könnten uns einfach „Webdesigner“ nennen, weil das derjenige Begriff ist, mit dem die meisten Kunden unsere Arbeit verbinden. Aber da gibt es zwei Probleme:

  1. Bin ich ein Webdesigner, oder mache ich etwas ganz anderes? Was macht ein Webdesigner? Designt er Webseiten? Oder Websites? Oder das Web? Macht er das Design selbst, oder nach Vorgaben? Und die Funktionalität, macht die ein anderer? – Einige finden das Layout, also die graphische Ausarbeitung unserer Websites eher hausbacken und unspektakulär. Es ist eben nicht unsere Priorität. Wir glauben daran, daß es wichtiger ist, daß ein Seitenbesucher die Inhalte findet, die er erwartet hatte. Ist das also kein gutes Webdesign? Dafür „designen“ – entwickeln – wir selbstverständlich selbst die Funktionalität unserer Websites. Das nennen andere schon Anwendungsentwicklung oder – gern genommen – Programmierung.
  2. Will ich ein Webdesigner sein? Innerhalb der Branche hat das Wort einen ähnlich abwertenden Klang wie die vorerwähnte Raumkosmetikerin. Weil ein Webdesigner eben scheinbar nur HTML erstellt, weil es keinen Qualitätsstandard gibt und sich deshalb manch‘ schlechter Ungelernter so nennen darf, will jeder lieber was Besseres sein als ein Webdesigner.

Bill Gates nannte sich zuletzt „Chief Software Architect“, die Chefin des Mozilla-Projekts „Chief Lizard Wrangler“, WordPress-Erfinder Matt Mullenweg „Head of Bug Creation“. Es scheint, als habe jeder von ihnen Schwierigkeiten, sich zu definieren, CEO beschreibt es eben auch nicht richtig, erst recht in einem Zwei-Mann-Unternehmen („ich führe ein recht erfolgreiches kleines Familienunternehmen“), wo der Entwickler eben auch der Chef-Kaffeekocher ist.

Wir machen Websites. Wir machen sie aus dem Nichts, manchmal mit nichts weiter als einem Texteditor und einem FTP-Tool. Wir designen sie, wie Merz seine Steuerreform auf einem Bierdeckel designte. Wir nehmen eine Idee, ein paar Bytes aus der großen Kiste unter dem Schreibtisch, und setzen sie um. Bis sie läuft, und weiter.

Wir sind wohl Webdesigner, schätze ich.

Ein Gedanke zu „Webmacher – was bin ich?“

  1. Da setze ich mir selbst noch einen drauf, nämlich ein kürzliches Gespräch mit unserem Hausmeister: “Webdesigner? Wollte ich auch mal machen. Ich hatte mir schon alles gekauft, Grafiktablett und so, aber das Arbeitsamt hat die Förderung nicht bewilligt, ich sei zu alt.” – Ich schlucke. Ich habe kein Grafiktablett, hatte keine Förderung vom Arbeitsamt, und ich bin ungefähr so alt wie unser Hausmeister. Also noch mal, bin ich ein Webdesigner?

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