Kirchenbuchportal

Einer Pressemeldung des epd entnehme ich, daß die evangelische Kirche plant, ihren Bestand an Kirchenbüchern als Kirchenbuchportal durchsuchbar ins Internet zu stellen. Das ist gut – es ist sogar phantastisch, wie viele Familienforscher, in Deutschland, Amerika oder anderswo bestätigen werden.

Der Pressemeldung darf man aber auch entnehmen, daß dieser Dienst kostenpflichtig sein wird. Und das ist schlecht, wie dieselben Familienforscher, allesamt Amateure, anmerken dürften.

Warum ist das schlecht? Nun, wem gehören diese Daten, wer darf sie also vermarkten? Es handelt sich um Kirchenbucheinträge, die die Kirche im Laufe der Jahrhunderte angehäuft hat. Die Rechte der Personen, allesamt längst verstorben, sind wohl erloschen. Also gehören die Kirchenbücher, und damit ihre Daten, wohl der Kirche? Ja, aber: Was wird denn wohl online gestellt werden? Die Kirchenbücher als Ganzes, sorgsam transkribiert von Kräften der kirchlichen Archive? Kaum, denn diese Transkriptionen gibt es nicht. Die Kirche selbst hat nämlich kein Interesse daran. Oder vielmehr diejenigen Teile der Kirchenbücher, zu denen es bereits Transkriptionen gibt? Und wer hat die angefertigt? Richtig, die uneigennützig und ehrenamtlich arbeitenden Familienforscher selbst. Hat die Kirche für diese Transkriptionen bezahlt? Ich wage die Behauptung: nein.

Ich möchte klarstellen: Ich bin selbst Presbyter einer Kirchengemeinde und weiß, wie klamm man bei Kirchens ist, und wie verzweifelt mancher Finanzkirchmeister nach einer Einnahmequelle forscht, und wie er glauben muß, eine Bonanza gefunden zu haben, wenn er entdeckt, daß es da draußen Menschen gibt, die bereit wären, für seine Kirchenbücher, die in der untersten Schublade des Gemeindetresors oder einem Keller der Kirche Staub ziehen, Geld auszugeben. Und ich bin selbst Familienforscher, und ich wäre sofort und dankbar bereit, für eine konkrete Information, die meine Forschung voranbringt, Geld z. B. in Form einer Spende auszugeben. Aber ich würde es erheblich eleganter und integrer finden, wenn man anstelle einer Gebühr um eine solche Spende bitten würde.

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