Harry Potter and the Deathly Hallows

Wie schon beim letzten Mal waren wir im Urlaub, diesmal mit den Fahrrädern in Holland, als der neue Harry-Potter-Band „Harry Potter and the Deathly Hallows“ erschien. Natürlich kann man ihn überall kaufen, auch dort, und hat so die Gelegenheit, ihn sofort zu lesen.

Und ich muß sagen, ich war eher enttäuscht.

Zum ersten hat das „Meisterwerk mit Ansage“ erhebliche Längen: Schon früher war es so, daß Rowling, die sich ja selbst gezwungen hat, ihre Episoden auf genau ein Jahr zu dehnen, mit dieser Bedingung Schwierigkeiten hatte. In diesem Band nun, in dem Harry ja bekanntlich eben nicht in Hogwarts ist, sondern durch die Welt zieht, um Horkruxe zu suchen, behält sie diese Streckung bei, obwohl es doch nicht unbedingt nötig gewesen wäre. So erlebt Harry etwas, zieht dann frierend durch den Winter und wehmütig über Weihnachten, erlebt wieder etwas anderes, sieht Frühjahrsblüten aus dem Waldboden sprießen, und es kommt prompt zum Showdown… laaang…

Zweitens, natürlich, das Ende. Nach all‘ dem suspense, das aufgebaut wurde, konnte es ja nicht an die Erwartungen heranreichen – und das tut es auch nicht. Soll Harry sterben oder leben? In dem Bemühen, es allen recht zu machen, wartet Rowling mit einer Lösung auf, die auch in der Welt der Magie das Wort „unwahrscheinlich“ klein und bescheiden aussehen läßt, um sie sodann zwei Seiten lang zu erklären in einer Weise, die nun wirklich auch den hartgesottensten Fan kopfschüttelnd zurückläßt.

Drittens habe ich ein persönliches Problem mit einigem, was englische Autoren über die Nazizeit glauben in ihre Geschichten einflechten zu müssen. Man muß kein neuer Rechter sein, um sich zu fragen, ob Anspielungen wie „Dumbledores berühmtes Duell gegen den bösen Zauberer Grindelwald in 1945“, dessen Einkerkerung im Gefängnis von Nurmengard (Nürnberg, Kriegsverbrecherprozesse, get it?), komplett mit Slogan über dem Tor analog zu „Arbeit macht frei“, und überhaupt die ganze Analogie der Machtergreifung Lord Voldemorts und der Muggleinternierung in etwas, was einmal ein Kinderbuch war, wirklich sein müssen. Es bleibt mir beim Lesen ein schaler Geschmack zurück.

Ach ja, und das letzte Wort ist auch nicht, wie versprochen, scar. Aber egal, Joanne K. Rowling und mir ist natürlich klar, daß sich eh‘ niemand, der die ersten sechs Bände gelesen hat, davon abhalten läßt, diesen zu lesen.

0 Gedanken zu „Harry Potter and the Deathly Hallows“

  1. Witzig finde ich, wie JKR Rückblicke und Hintergründe einflechtet.
    Witzig fand ich auch das allerletzte Ende; der letzte Satz hat mir besonders gut gefallen. Ein religiöses Bekenntnis, vielleicht?

    Störend und unglaubwürdig finde ich vor allem Diskussionen zwischen Lebenden und Toten.

    Ansonsten kann ich mich den Ausführungen über die Längen („erstens“) anschließen.

    Beim Ende hatte JKR das Problem, eine unmögliche Möglichkeit zu entwerfen. Neither can live, neither could survive. Überall waren literarische Mauern; da einen Weg zu finden … ich war die ganze Zeit (seit Band 4/5) gespannt, wie dieser Weg aussehen würde.

    Jetzt weiß ich’s, und kann wieder ruhig schlafen. Gewissheit, gute oder schlechte, lässt einen relaxen, Ungewissheit aufgewühlt sein.

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