Nicht alles, was quakt,ist eine Ente: Im Notfall

Unsere große deutsche Zeitung berichtet unter der Überschrift „So hilft das Handy im Notfall“ von einer Initiative, die jedermann auffordert, den Namen seiner Liebsten im Handy unter IN 1 Ehefrau (o. ä.) abzuspeichern, so daß Retter im besagten Notfall im Handy rasch rausfinden, wen sie verständigen sollen.

So weit, so einfach. Es gibt auch eine hübsche Website dazu: imnotfall.de – aber ist das Ganze deswegen sinnvoll? Als erstes fällt mir auf, daß für den Artikel Wolfram Goertz zeichnet, der sich normalerweise eher als Musikredakteur einen Namen macht. Als zweites, daß die o. a. Website nicht etwa von Rettungsdiensten, sondern der virtuellen Feder einer Privatperson entstammt. Bestärkt wird sie durch einen Wikipedia-Artikel, der aber verdächtig danach aussieht, nur aus derselben Quelle zu kommen. Offiziell aussehen kann im Internet jeder. Also: Die Frage, ob das Sinn macht, hängt eng mit der Frage zusammen, wer sich dafür stark macht. Und da taucht nach kurzer Recherche das österreichische Rote Kreuz auf, das von Irakli West, dem Verfasser der Notfallsite, gern als prominenter Unterstützer genannt wird.

Das aber sagt nicht wirklich mehr als „macht nur, schad’t ja nix“. Das Argument aus Goertz‘ Artikel, der fiktive Ehemann, der beim Joggen umkippt und ein wichtiges Medikament benötigt, könne gerettet werden, wenn seine holde Isolde den Rettern diese Notwendigkeit nur schnell genug mitteile, wird hier sofort widerlegt: der Rettungsdienst, stellt das Rote Kreuz klar, ruft während seiner Erstversorgung schon mal nicht an, IN oder kein IN. Eher hilft es hinterher dem Krankenhauspfarrer, wenn der Jogger sein Medikament eben nicht bekommen hat, und der Notfallkontakt zum Hinterbliebenen wird…

Die Autoren selbst geben zu, daß es noch an jeder standardisierten Bemühung mangelt, und für sie derzeit das Wichtigste ist, die Idee publik zu machen – und dabei hat die RP natürlich geholfen. Denn solange die meisten Menschen eben keine IN-Nummern im Handy haben, und zudem die meisten Retter auch noch nichts davon wissen, ist ein „schad’t ja nix“ wirklich das beste Prädikat. Und sobald es sich wirklich verbreitet, ist die Gefahr groß, daß dann doch noch ein Standard nachgeschoben wird, und alle Pioniere, die sich vorher schon bemüht haben, in die falsche Richtung vorausgelaufen sind.

Schlußfolgerung: Mach‘ ich das jetzt, und rate zur Nachahmung? Ja – schad’t ja nix…

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