Opfer zu Tätern

Äußerst berührt sind wir hier in der Region vom Tod des 9-jährigen Marc, der beim Spielen auf einer ungesicherten Baustelle von einer halbtonnenschweren Betonröhre erschlagen wurde (Bericht auf RP-Online). Tage nach dem Unglück schieben sich alle Parteien den schwarzen Peter zu, wer für die Sicherung der Baustelle, wer für die Aufsicht über die Sicherung usw. verantwortlich gewesen wäre. Im Ringen um die Schuldfrage wird jetzt das Opfer zum Täter: „Wer sich mutwillig unbefugt Zutritt zu einer Baustelle verschafft…“ beginnt einer der verschwurbelten Sätze aus den Amtsstuben.

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Wir erinnern uns: Da werden diese Betonröhren am Straßenrand aufgestapelt, alle schön ordentlich gegeneinander versetzt – bis auf den letzten Stapel, man sieht das in dem bekannten Luftbild erschütternd deutlich, in dem letzten Stapel zeigen alle Röhren zur Straße hin, und dann liegt eine einzelne Röhre oben drauf. Das Ganze umgibt man dann mit keinem Zaun und wartet mehrere Wochen. Das ist so grob fahrlässig, daß es schon an Vorsatz grenzt. Eine Booby-Trap, eine Sprengfalle nennt man so einen Aufbau, oder mit einem weiteren Anglizismus „an accident waiting to happen“. Und dann kommen – natürlich – Kinder und spielen auf dieser Baustelle. Es kommt zum schrecklichen Unfall. Und jetzt dieser Satz, der impliziert, daß es die Kinder waren, die sich mutwillig und unbefugt an den Röhren zu schaffen machten, Täter also. Und daß es ja klar ist, wie es weiter geht, braucht man ja gar nicht auszusprechen: „Eltern haften für ihre Kinder“ steht immer auf den Schildern an den Bauzäunen. Daß es hier eben keinen Bauzaun gab, nur ein dummes Detail, das nichts an der Rechtslage ändert?

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