Premiere: „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ im Streit’s

„When in Hamburg…“ nicht wie es die Hamburger tun, taten wir’s, sondern wir nutzten die seltene Gelegenheit, daß ein Kinofilm „hier!“ schrie, einmal wieder in einem dunklen Raum zu sitzen und auf einen silbernen Schirm zu gucken. Wir sahen „Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“, am Premierentag, in seiner Originalfassung, im Streit’s. Natürlich im Streit’s, sagen jetzt alle Hamburger, denn da gibt es ja die Originalfassungen. Normalerweise aber in der Sonntagsmatinee, jedenfalls früher normalerweise. Wie es zuletzt war, weiß ich ja gar nicht, aber ab jetzt ist es jedenfalls so, daß das Streit’s, um nicht unterzugehen, seine Lücke darin sieht, durch die Bank Originalfassungen zu zeigen.

Seit heute. Das wußten wir arglosen Touristen gar nicht vorher, es war denn aber nicht zu übersehen, als mehrere Sitzreihen für Journalisten gesperrt waren, der Einlaß verspätet begann und dann zu allem Überfluß erst ein Kerl, wohl der Chef, eine Rede hielt und dann auch noch eine Frau, angeblich eine namhafte Musicalsängerin, uns mitzureißen versuchte. „Come on!“ „Give us a hand!“ „Show us your style!“ – sie versuchte es tapfer, ca. ein Drittel des Kinos standen auch auf und gingen mit, wir anderen weigerten uns recht demonstrativ: wir waren gekommen, uns berieseln zu lassen, wenn wir mitswingen wollen, gehen wir in ein Konzert, da sind auch keine Stühle. Noch die originellste Fußnote ihres Vortrags war die Anmerkung, es gebe in Deutschland keinen farbigen Synchronsprecher (sie selbst war auch schwarz), so daß auch Stars wie Denzel Washington oder Eddie Murphy von Weißen synchronisiert würden; das stimmt und gibt nachzudenken.

Hier fängt endlich der Film an! Und es war inzwischen recht spät… Dafür ging es jetzt ohne Werbung los mit dem Mann mit dem Hut im Rentenalter. Daß ich den sehen mußte, wußte ich sofort. Denn wenn irgendeine Filmreihe mein Leben maßgeblich beeinflußt hat, dann wäre da, mal sehen, Star Wars (die alten Filme), La Boum (ehrlich!), und Indiana Jones. Und wir wissen, wie es weiterging: Episode One war noch ganz lustig, die letzen Sternenkriege habe ich nie gesehen, nicht einmal im sog. „Free TV“. Auf die „Feten“ folgte Die Studentin, wir waren alle so scharf darauf, Sophie Marceau halbnackt zu sehen, daß wir dem Fehlen einer Handlung keine Beachtung schenkten.

Jetzt also tritt Harrison Ford noch einmal an, sein Brusttoupet mit grauen Haaren zu kombinieren, das Erstere hat er kurz darauf zugunsten einer Umweltorganisation öffentlich entfernen lassen, die Letzteren weigerte er sich wegtönen zu lassen. Die Nazis („I hate those guys“) sind abgetreten, statt dessen ist der Kalte Krieg in vollem Gange, der Feind sitzt im Osten. Dr. Henry Jones ist Experte für die CIA, so tief ist er gesunken, und in dieser Funktion 1947 sogar in der Area 51 gewesen. Jetzt, 1957, steht er vor einem Hangar 51, glücklicherweise wie zufällig im Lederjacke/Hut/Peitsche-Outfit, schlecht, wenn er seinen grauen Wollanzug getragen hätte, wie eine Big-Jim-Actionfigur hat er ja nur genau diese zwei Ausstattungen.

Kurz gesagt, die Gags, überwiegend Reminiszenzen an sich selbst, sind hübsch, handwerklich gut gemacht, genau was wir erwartet hätten. Harrison Ford ist erstklassig, er spielt den vergreisten Abklatsch seiner selbst mit süffisanter Perfektion („we were younger“ – „we had guns!“ oder „damn, I tought that was closer“). Die Spezialeffekte sind atemberaubend, da hatten wir von Lucas/Spielberg aber auch gefälligst nicht weniger erwartet. Es war toll, das alles mal wiedergesehen zu haben, einem Fünfzehnjährigen kann es sicher nicht erklären, was uns damals fasziniert hat. Ein Rat an Lucas/Spielberg/Ford? Verfallt nicht der Idee, jetzt noch eine Fortsetzung machen zu müssen. Und bitte, versucht auch nicht, den Sohn als Fortsetzungsstar zu etablieren.

Ein Gedanke zu „Premiere: „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ im Streit’s“

  1. Sah ich doch die Tage einen ganz anderen Film, „Der Cascadeur“ im Vierten. So ein deutscher Fernsehfilm von 1998 – und was macht der Held? Er versteckt sich vor einer Bombenexplosion in einem Kühlschrank. Na? Na? Woran erinnert uns das? Oder, schwieriger: Hat George Lucas den Film gesehen, oder von ihm gehört…?

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