Robert Harris – Ghost

Robert Harris "Ghost"Robert Harris „Ghost“ ist zunächst einmal kein gespenstischer Geist, sondern im deutschen besser bekannt als Ghostwriter, ein Autor, der es gewohnt ist, im Hintergrund zu bleiben und berühmten, aber entweder verbal oder zeitlich beeinträchtigten Menschen beim Schreiben ihrer Werke zu helfen. Bei Harris mischt sich stets geschichtliches Fakt mit Fiktion, anfangs in der Nazizeit („Vaterland“ und „Enigma“), zuletzt im alten Rom („Pompeji“, „Imperium“, demnächst „Conspiracy“), und so ist es auch hier, diesmal Zeitgeschichte, nämlich der „War on Terror“ und die Verstrickungen des letzten britischen Premierministers.

Tony Blair, Entschuldigung, Adam Lang hat sich aus diesem Amt verabschiedet und will jetzt seine Autobiographie abliefern, als sein langjähriger Redenschreiber und eben letzter Ghostwriter unter unklaren Umständen von der irdischen Bühne abtritt. In der Form des Ich-Erzählers tritt ein neuer Ghostwriter an, um zusammen mit dem Ex-Premier dessen Vergangenheit abzuwickeln, als ihn dieselbe einholt und ihn in der Gegenwart zu überrollen droht. Eine Reise nach Den Haag droht, wo Carla Del Ponte (Entschuldigung, diese Tessinerin wurde durch eine namenlose Spanierin ersetzt) mit einer Anklage wegen Verschleppung von britischen Staatsbürgern aus Pakistan und dazugehörigen CIA-Foltervorwürfen wartet. Der Autor wird zum unfreiwilligen Ermittler und deckt eine Weltverschwörung ungeheuren Ausmaßes auf, von der doch jeder Pub-Besucher der letzten Jahre gesagte hätte „I told you!“

Man muß schon recht gut informiert sein, um hier die verwischenden Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu erkennen, so geschickt arbeitet Harris mit tatsächlich passierten Nachrichtenbildern und solchen, die genau so aussehen wie die ersteren. OK, die Bettszene mit Cherie Blair hätte nicht sein müssen, aber ansonsten ein brillantes Buch.

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