Datenkrake oder Ich werde doch Tischler

Es gibt so Augenblicke, in denen ich ernsthaft daran zweifle, ob die blauäugige Technikgläubigkeit, die mein IT-affiner Beruf mir ja fast vorschreibt, so ganz der rechte Pfad der Erleuchtung ist. Zwar blogge ich hier im Wesentlichen nichts, was ich meinem Nachbarn nicht auch über den Zaun erzählen würde, und halte mich für recht vorsichtig, was Gefahren des Phshing und Onlinebanking betrifft, aber wer Daten konsolidiert, kann doch viel über mich herausbringen.

Eine Reihe von sog. „Personen-Suchmaschinen“ hat sich in letzter Zeit etabliert, die einem das sehr deutlich vor Augen führen kann. Wer sich selbst bei Google sucht, sieht die vielen einzelnen Fundstellen, aber wer bei Yasni, Spock, 123People oder Pipl nach sich selbst guckt, der mag schlucken, was er im Laufe der Zeit so alles geschrieben hat. Und das Netz vergißt eben nichts.

Was ein Datenkrake (damit meint man gern Google, aber Payback, Amazon… sind nur einige weitere Beispiele) damit dann alles anfangen kann, wenn er auf revealed preference mit targeted ads antwortet, ist zu großen Teilen noch Spekulation. Der Comic UserFriendly hat das mal karikiert als „ich weiß dies über dich und jenes und sonstiges, und biete dir dann doch eine Anzeige für Viagra an„. Deshalb kriegte ich einen rechten Schreck, als mich gestern bei Technorati dieses Banner ansprang:

Zur Erläuterung: Albert-Schweitzer-Schule 1988 ist nicht ganz richtig, aber verd… nah an der Wahrheit. Bei Technorati bin ich mit meinem richtigen Namen eingeloggt. Entweder hat hier ein Banner-Generator eine Reihe von Daten verknüpft und eine zielgerichtete Anzeige eingeblendet, oder er hat ausgesprochen gut geraten.

In jedem Fall finde ich es beängstigend. Das sind die Augenblicke, in denen ich den Computer am liebsten gleich ganz weit wegwerfen würde und etwas würde, was greifbarere Ergebnisse zeitigt, etwa Tischler.

Ein Gedanke zu „Datenkrake oder Ich werde doch Tischler“

  1. Nachtrag: Heute sagt das gleiche Banner: „Meine Schulzeit: Düsseldorf 1988“, und könnte damit ja nun bei mir Hamburger Jung falscher nicht liegen. Da habe ich mich wohl doch vergebens aufgeregt.

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