Gebrauchspoesie – Fiftyfifty von Edward

Düsseldorfern ist sie ein Begriff: fiftyfifty, das Straßenmagazin der Obdachlosen. Einige mögen auch Edward kennen: Edward ist Verkäufer mit Stammplatz am Nordende der Kö, und er schreibt jeden Monat ein Gedicht für seine Leser, das er mit in die verkaufte Zeitung einlegt. Das ist Gebrauchspoesie, getippt mit der Schreibmaschine, aber in verblüffend fehlerarmer Orthographie: der Leser möge keine hohe Kunst erwarten, aber ich finde jedenfalls, daß es eine sympathische Geste ist – ein Alleinstellungsmerkmal, sagt der Marketer – und kaufe meine Zeitung bewußt speziell bei Edward.

Ich denke, an dieser mittelhohen Kunst darf jeder teilhaben. Deshalb werde ich Edwards Gedichte veröffentlichen. Am Ende des Artikels ist ein Paypal-Spenden-Link. Wer also Lust hat – „Ey, haste mal nen Euro?“ Jeder Betrag zählt, und ich verspreche, es an Edward auszuzahlen. Ich weiß, wo sein Stammplatz ist.

Lieber fifty fifty Leser,

so einfach zwischendurch möchte ich Ihnen mal was nettes sagen,
denn ohne ein paar schöne Worte ist es möglich schnell zu verzagen. 
Ein kleiner Plausch versetzt in Rausch und ist recht praktisch,
eventuell kann ich beantworten auch ein paar kleine Fragen.
Das heisst, Sie müssen nicht stets eine fifty fifty käuflich erfragen,
sondern etwas Nettigkeit ist ebenfalls gut für den Magen.

Ich erlaube mir zu warnen, Ihre Taschen und Geldbeutel immer gut zu tarnen,
denn ein Diebstahl auf hiesigen Strassen sorgt schnell für Unbehagen.

Zu guter Letzt möchte ich mich nicht beklagen,
aber ein Job wie Einkaufshilfe oder etwas Tragen
bringt mich vielleicht in bessere Lagen.

Auf ein gemeinsames Wiedersehen freue ich mich und sage bis bald,
womit ist gesorgt für eine herrliches Wohlbehagen.

Ihr

E d w a r d

Na, und jetzt den lockeren Euro bitte in den Klingelbeutel:




3 Gedanken zu „Gebrauchspoesie – Fiftyfifty von Edward“

  1. Es hat mich ehrlich gefreut, daß tatsächlich etwas für Edward zusammengekommen ist. Etwas geärgert hat mich, daß PayPal eine recht happige Gebühr auf empfangene Zahlungen einbehält. Ich weiß schon, warum ich dieses System bei eBay normalerweise nicht verwende. Egal, hier ist es für einen guten Zweck, und ich schieße die Gebühr aus eigener Tasche ein.

    Heute war ich in der Stadt und wollte es ihm auszahlen – und Edward war nicht an seinem Stammplatz! Das ist mir noch nie passiert.

    Naja, sicher ist es zu früh, sich Sorgen zu machen. Er wird sein Geld schon bekommen. Weiterspenden…

  2. Mit einem ganzen Monat Verspätung, weil ich ihn zwischendurch immer wieder verpaßte, habe ich Edward seine Spenden ausgezahlt. Inzwischen legt schon das nächste Gedicht vor mir und wird veröffentlicht werden. Es wird wieder einen „Spenden“-Button haben.

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