Thrillerniveau: Dan Brown vs. Frederick Forsyth

Dan Brown "Diabolus"Da „The Solomon Key“ von Dan Brown ja noch immer nicht erschienen ist – anscheinend kämpft der berühmte Autor mit Schreibblockaden* – vertrieb ich mir die Zeit mit der Lektüre seines Erstlingswerks: Dan Browns „Diabolus“. Die rund zehn Jahre alte Geschichte über einen unknackbaren Verschlüsselungsalgorithmus ist fiktiv genug um auch heute noch glaubhaft zu wirken, denn faktisch hat sich in der asymmetrischen Verschlüsselung, die durch PGP jedermann zugänglich wurde, gar nicht mehr viel getan. Dan Browns Story-Idee: die NSA hat einen massiv-parallelen Supercomputer, von dem die Welt nichts weiß, und kann deshalb alle verschlüsselten E-Mails mitlesen. Ein neuer, unknackbarer Code würde diesen Informationsvorsprung bedrohen und macht die Agentur damit erpressbar.

Das Problem mit Büchern von Dan Brown wurde mir kurze Zeit später bewußt, als ich ein anderes Buch las: Frederick Forsyths „Der Afghane“. In diesem Thriller geht es um den Kampf der „freien Welt“ gegen die Bedrohungen von Al-Qaida. (Ja, Forsyth weiß es, Osama Bin Laden lebt…!) Ein Doppelgänger soll in das Netzwerk der Terrororganisation eingeschmuggelt werden, um deren neuestes Großprojekt zu verhindern, von dem die freie Welt leider nichts weiß, außer daß es groß wird…

Frederick Forsyth "Der Afghane"Kurz gesagt: Dan Brown hat phantastische Ideen für seine Romane. Und auch Altmeister Forsyth hat mit „Plotholes“ zu kämpfen, in denen ein ganzer LKW versinken könnte wie in den Schlaglöchern einer irischen Landstraße. Aber neben diesen Handlungsproblemen, die man einem Autor mehr oder weniger gern nachsieht, es ist ja immer „Fiction“, die man da liest, bleibt ein Grundproblem des Lesers: Dan Brown fehlt es einfach am routinierten Schreibstil eines lesenswerten Bestsellerautors. Irgend 50 Seiten Brown verglichen mit irgend 50 Seiten Forsyth, oder auch Robert Harris (denn „Diabolus“ läßt sich auch an „Enigma“ messen, nicht nur das Thema, auch die Vita des Autors als literarischer Seiteneinsteiger mit wissenschaftlichem Hintergrund) sind einfach freudloser zu lesen, zäher, obwohl dies sicher nicht an Handlungsarmut auf seiten Browns liegt. Und auch nicht am Übersetzer: ich lese diese Autoren im englischen Original. Dagegen fühle ich mich, wenn ich Forsyth lese, angesprochener, gepackter, lese lieber weiter.

*Update: Ein Jahr später, am 15. Oktober 2009, soll es jetzt erscheinen: Dan Brown: Das verlorene Symbol. Optimisten können vorbestellen.

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