Nur noch gute Nachrichten?

Daß ich das noch erleben darf: „Ab heute: Mehr gute Nachrichten“ titelt meine Zeitung. Im großen Artikel auf der Titelseite, von Chef Sven Gösmann persönlich, heißt es, in der Krise, von der er nicht nichts mehr hören wolle,  bräuchten wir mehr gute Nachrichten, und die werde man jetzt bringen. Zum Start eine Titelseite, die nur gute Nachrichten enthält. (Nun gut: im Kasten unten rechts heißt es „CDU/FDP-Koalition in Hessen perfekt“ – ob das eine gute Nachricht ist, mag diskutiert werden, aber zu erwarten war es ja.)

Dazu muß man wissen, daß meine Zeitung die zitronenausquetschende Fähigkeit hat, auch noch der letzten Nachricht einen pessimistischen Anstrich zu geben, gerade die Überschriften, die anscheinend vom Setzer gemacht werden und oft in keinem Zusammenhang mit dem Artikel stehen, stehen in diesem Ruf. Die Bahnreisezentren führen Nummernautomaten ein – meine Zeitung schreibt „Bahnreisende müssen Nummer ziehen“, nicht dürfen. Zu jeder Lage ließen sich solche Beispiele finden. Und diese Zeitung soll jetzt eine totale Kehrtwende vollziehen? Nun, machen wir einmal die Probe aufs Exempel und schauen in die Online-Ausgabe: „Bad-Bank-Pläne verschlingen offenbar 200 Milliarden Euro“, „Bürger verzocken 100 Millionen Euro“, „Jetzt werden Neuwagen teurer“. Na also, geht doch…

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