Statische Animateure bei der RP

Schon seit langem, wiederholt und beharrlich gefällt sich unsere Zeitung in ihren Bildunterschriften darin, computergenerierte Grafiken als „Animationen“ oder „Computeranimationen“ zu bezeichnen. Bevorzugt handelt es sich dabei um Architektenentwürfe von noch nicht bestehenden Bauten, Balken- und Tortendiagramme zu Wahl- und Kriminalitätsstatistik werden dagegen meist schlichter als „Grafik“ bezeichnet. Das, worauf es im Wort Animation ankommt, die Frage nämlich, ob sich etwas bewegt (was strikt gesprochen bei einer Zeitung ja gar nicht geht, doch würde ich eine Grafik, die einen Ablauf schrittweise verdeutlicht, ja fast noch gelten lassen), ist den Journalisten egal.

Faßt man den Blick weiter, fällt diese Beobachtung mit einer anderen zusammen: Es will generell scheinen, daß Überschriften und Bildunterschriften bei dieser Zeitung vom Volontär oder gar Druckereilehrling erstellt werden, oder von einem eigens dafür angestellten Analphabeten (der vielleicht das Aufbauseminar „reißerische Aufmacher ohne Sachzusammenhang“ besucht hat), jedenfalls nicht von dem Redakteur, der den Artikel geschrieben hat, und der weiß, worum es darin geht. Denn es ist die Regel, nicht die Ausnahme, daß eine Bildunterschrift dem Hauptartikel ganz widerspricht, neue, im Artikel nicht belegte Behauptungen aufstellt oder zumindest einen Namen falsch schreibt (die seltene Ausnahme zu dieser Regel ist allenfalls, daß ein im Artikel falsch geschriebener Name in der Bildunterschrift richtig geschrieben wird). Die Überschrift wiederum behauptet gern das Ende der Welt herbei, damit man den Artikel nur ja lese, und sei es, um festzustellen, daß das besagte Ende auf unbestimmte Zeit verschoben ist.

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