Müsli

Der Widerschein des Blaulichts schien noch an den Fassaden zu kleben, obwohl der Notarztwagen und die meisten Polizeifahrzeuge schon wieder abgerückt waren. Die Rendsburger Fußgängerzone lag wieder still im Dunkel der Nacht, nur der Kombi von Hauptkommissar Arbs stand noch vor dem Haus, in dem die Lichter heute nacht nicht ausgehen würden.

Oben stakste der Kommissar durch die Wohnung, vorbei an den zahllosen Markierungen, die die Frauen und Männer von der Spurensicherung aus Schleswig hinterlassen hatten. „Seine“ Tote war bereits abgefahren worden, sie würde die Nacht in einer gekühlten Schublade verbringen. Er schaute sich um. Musikinstrumente, Noten und eine umfassende Sammlung klassischer – und gleichzeitig altmodisch wirkender – Schallplatten bestätigten ihm, was er schon wußte: eine junge Musikerin hatte hier gelebt. Ein Silent-Piano, ein Instrument, mit dem man üben kann, ohne Anstoß bei den Nachbarn zu erregen, war der herausragendste Beweis.

Doch das war nur die eine Hälfte des Lebens der jungen Frau. Der Kommissar sah auch den noch eingeschalteten Laptop auf der Küchentischkante, einen teuren Apple, im Webbrowser waren eine Vielzahl von Seiten sozialer Netzwerke geöffnet. Daneben lag ein Polaroid, es zeigte eine Flasche Bier und eine Schale Müsli, stumme Boten einer Henkersmahlzeit, die dort vorhin noch gestanden hatten. Natürlich hatten die Kollegen diese Lebensmittel fotografiert und dann mit ins Labor genommen.

Denn es war wohl entweder ein perfider Mord oder eine banale Lebensmittelvergiftung gewesen, die die Musikerin vom Küchentisch auf den Stahltisch der Gerichtsmedizin gebracht hatte, nachdem ihre vernetzten, „virtuellen“ Freunde den Notruf alarmiert hatten. Es hatte eine Weile gedauert, der Anrufer kam aus Düsseldorf und wußte zunächst gar nicht, wo sich seine Gesprächspartnerin in Gefahr befand, aber daß sie sich in Gefahr befand, hatte er mitbekommen. Am Ende kam der Arzt zu spät.

Es ist mal wieder so weit, der Autor sattelt sein Pferd und versucht, dem Leben des Rendsburger Hauptkommissars neuen Schwung zu geben. Die letzte Story ist irgendwie versandet, sie hatte leider auch noch nie ein Ende, auch nicht in meinem Kopf, das war eins der großen Probleme. Diese hat eins, ich verdanke es einer befreundeten Bloggerin. Ich denke übrigens über eine Hörspieladaption nach, denn das ist bei ihr gerade Thema.

Ein Gedanke zu „Müsli“

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