Pandemie und Japantag – zwischen Paranoia und Selbstschutz

Am Wochenende wird in Düsseldorf der Japantag stattfinden, ein schönes Fest, das unsere Mitbürger der japanischen Gemeinde für uns ausrichten. Inzwischen ist in der japanischen Schule die Zahl der gemeldeten Fälle von Schweinegrippe während zwei Tagen auf 46 angestiegen. Damit sind 60 der deutschlandweit gemeldeten 100 Fälle in Düsseldorf angesiedelt. Die Weltgesundheitsorganisation hat aufgrund des Virus die höchste Gefahrenstufe, die einer weltweiten Pandemie, ausgerufen – zum ersten Mal seit 41 Jahren, genau so alt wie die Hongkong-Grippe von 1968 bin auch ich.

Ursächlich für diese Heraufstufung waren allerdings nicht die Vorfälle in Düsseldorf, sondern die Verbreitung in Australien, gerade am entgegengesetzten Ende der Welt. Und alle in Deutschland aufgetretenen Fälle verlaufen bislang unproblematisch, es gab hier keine Todesfälle – der Präsident des Robert-Koch-Instituts stimmte uns aber schon einmal darauf ein, daß das nicht so bleiben werde.

Gestern haben wir Freunde aus Berlin am Düsseldorfer Flughafen empfangen. Am Flughafen war alles wie immer, wir haben bei einem Bäcker etwas gegessen, sind Skytrain gefahren, Fahrstuhl gefahren, haben die Toiletten benutzt. Morgen planen wir auf den Japantag zu gehen. Da kommt man schon ins Nachdenken. Genau jetzt finden wir uns an der Entscheidungsschwelle: Normal leben, Flagge zeigen für unsere japanischen Nachbarn, oder sich eher aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, in eine Mischung aus Paranoia und Selbstschutz verfallen, das gilt es abzuwägen. „Nicht in Panik, aber besorgt“ ist die Äußerung von Gesundheitsministerin Schmidt.

Wir sind in einer Verantwortung für kleine Kinder, aber genau die sind auch unsere stärksten Schnittstellen nach außen: Gingen wir nicht mehr in die Innenstadt, müßten wir sie eigentlich auch vorübergehend aus dem Kindergarten nehmen, denn da kommen sie jeden Tag mit 60 anderen Kindern in engsten Kontakt. Das würde wirklich unseren gesamten Alltag umkrempeln, wie es natürlich auch spätestens ein Erkrankungsfall würde – häusliche Quarantäne mit zwei Würmern bedeutet, daß uns massiv die Decke auf den Kopf fallen würde. Aber massiver Selbstschutz bedeutet letztlich auch häusliche Quarantäne, im Grunde muß man sich also nur überlegen, ob man die Lästigkeiten mit gewisser, geringer Wahrscheinlichkeit oder mit selbstgewählter Sicherheit hinnehmen will.

Und so werden wir die Entscheidung, ob wir morgen zum Japantag gehen, morgen am Ende von der selben Frage abhängig machen wie jedes Jahr – wie ist denn das Wetter?

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