Schwedenreise – Zwischenbilanz

Falun, ein wunderschöner Campingplatz über dem See (Främby Udde) mit einer gründerzeitlichen Holzvilla als Restaurant, die alles überblickt – hier sitze ich jetzt, am Freitagabend mit einem Mariestads Export in der Hand. Zum ersten Mal seit zwei Wochen habe ich wieder WLAN. Zeit, einen kurzen Zwischenstand wiederzugeben. (Ups, eine Mücke weniger. Sehr gut.)

Rückwärtserzählend spielen Mücken übrigens erst seit gestern abend, seit Gävle, eine Rolle, obwohl man sie doch immer mit dem schwedischen Sommer assoziiert – erst hier, nördlich von Stockholm, haben wir sie überhaupt angetroffen. Jetzt dafür aber umso mehr. Nur ein ziemlich fieses Mittel, dessen Gebrauch Schwangeren und kleinen Kindern nicht angeraten wird, hält sie in Schach. Doch typischerweise erzählt man vorwärts, also:

Etwas abenteuerlich ging es von Düsseldorf nach Sierksdorf, darüber wird im ausführlichen Bericht später mehr zu lesen sein. Dort bestiegen wir am Abend des Samstag, 25.7., die Fähre „Nils Holgersson“ Travemünde-Trelleborg, wo wir am Morgen leidlich ausgeruht ankamen. Die Fahrt ging über Ystad nach Osby, bekannt für die Korbmacher Gebrüder Ivarsson (klingelt’s? Brödarna Ivarsson, Osby, sind BRIO, Erbauer der berühmten Holz-Spielzeugeisenbahn) und deren Hausmuseum, das die Kinder natürlich sehr genossen.

Weiter nach Mariannelund bei Vimmerby, im Herzen von Astrid Lindgrens Småland liegt nicht nur ein sehr schöner und familienfreundlicher Campingplatz, sondern auch Astrid Lindgrens Värld, ein riesiger Freizeitpark, der nur ein Thema kennt: Pippi. Und Michel. Und Madita. Und Bullerbü. Und und und… Klar, daß wir hier volle 5 Tage verbrachten, und zweimal in den Park gingen. Hier gab es übrigens auch den ersten und bisher einzigen Regen, die Schauer dauerten jeweils nur ein paar Stunden, aber dennoch wäre unser Zelt beinahe weggeschwommen; es hielt aber, wie immer, dicht. Außerhalb des Parks kann man auch viele Originalschauplätze besichtigen und verstehen, aus welchem Leben heraus Astrid Lindgren ihre Inspiration bezog.

Next stop, Stockholm. Die Hauptstadt sollte ebenfalls mehrere Tage lang besichtigt werden, doch wechselten wir dabei einmal den Campingplatz: Flottsbro war zwar sehr neu und schick, doch irgendwie seelenlos und von lernresistenten Menschen betrieben: Ein Kurzschluß in einem Kocher legte gleich das ganze Servicegebäude elektrisch lahm, und ohne Strom ging wg. der elektrischen Ventile keine Dusche, unter der mein Schatz, eingeseift, eine volle Viertelstunde ausharren mußte… so etwas sollte einem nicht im dritten Jahr des Betriebs passieren, sondern allenfalls in der ersten Saison. Also fuhren wir nach Ängby, von dem uns Freunde eigentlich abgeraten hatten. Hier ist es etwas schmuddeliger, abgewohnter, hat aber internationales Flair, wie ein Londoner Hostel, Esten, Letten, Niederländer und Italiener sitzen nebeneinander, und auch nach 22:00 Uhr kann man schon mal ein jazziges Saxophon – live selbstverständlich – wehklagen hören. WC und Dusche könnten etwas sauberer sein, im  Grunde ist aber alles in Ordnung, und die größte Entschädigung ist ein Schärenwaldstück, in dem man sein Zelt völlig ungestört aufbauen und sein Frühstück auf einer Felsplatte verzehren kann. Außerdem direkter Anschluß an die Tunnelbana, die U-Bahn, die man am besten mit einer Stockholm-Card benutzt: Für 3 Tage muß man dann an gar nichts denken, U-Bahn, Schiffe, Museen stehen einem offen. Vasa-Museum, Junibakken (ja, schon wieder Astrid Lindgren, aber eben nicht nur), IKEA-Ausstellung usw. wurden genossen.

Am Ende hatten wir dann trotzdem den Großstadt-Koller und wollten wieder raus ins Unberührte, nahmen aber noch eine Erfahrung mit: eine Live-Elch-Beschau, übermittelt durch Mundpropaganda. Und so geht’s: Man begebe sich gegen 20:00 Uhr auf der 261 nach Drottningholm, passiere das Schloß, wenn man dann links einen einzelnen Turm sieht, fahre man an der nächsten Ampel links ab. Man kommt in eine kleine Siedlung von wunderschönen alten Einfamilienhäusern, sie stehen angeblich Bediensteten der Königin zur Verfügung, das Wohnrecht muß unbezahlbar sein, dann an eine einzelne alte Scheune (exakte Geokoordinaten: N59°19.07 E17°52.382). Dort parke man. Unsicher, ob man aussteigen und vor oder hinter das Gebäude treten soll? Egal, wie sich herausstellt. Gegen 20:15 Uhr kommt majestätisch und völlig ungestört von linker Hand ein riesiger Elchbulle keine 30m entfernt aus dem Wäldchen, passiert gemächlich Auto und Scheune in nächster Nähe, weidet dann vor der Scheune, am Rand der Wiese sind in einiger Entfernung auch zwei Elchkühe auszumachen. Ein Paradies für Tierfotografen, eine Misere für meine Knipse, totale Begeisterung bei den Kindern.

So, jetzt aber weiter. IKEA Kungens Kurva steht für uns Fans am Weiterreisetag noch auf dem Programm, mit 5 Ebenen angeblich der größte der Welt. Gewaltiger Spaß. Dann gestern Gävle an der Ostseeküste, wir schauen uns mehrere Campingplätze an und landen unversehens rechtsseits der E4 auch gleich auf Schotterstraßen. Bad in der Ostsee ist Pflichtprogramm, aber eben auch Mücken-Schutzmaßnahmen, s. o.

Jetzt schließt sich der Kreis. Heute abend badeten wir wieder, in einem See diesmal, bei Falun. Lisa schwimmt immer besser. Villa, Mariestads, ja, da war ich. Verrückt übrigens, wie jedes Land seinen „blinden Fleck“ hat: Schweden, mit hartnäckigen 110 km/h Tempolimit auf den Autobahnen, kennt kein generelles Tempolimit auf dem Wasser, und so rasen die testosterongeschwängerten Jugendlichen eben mit ihren PS-gewaltigen Speedbooten über den See wie bei uns die Mantafahrer, daß man auch gegen 22:00 Uhr brüllen muß, um die gewaltigen V8-Motoren zu übertönen. Jetzt werfen sie mich hier heraus, vor zwei Absätzen haben sie „last orders“ verkündet. Hoffentlich schaltet keiner das WLAN aus, bevor ich veröffentlicht habe…

Ein Gedanke zu „Schwedenreise – Zwischenbilanz“

  1. oooooh! mit nils holgersson sind wir früher auch immer nach schweden gefahren. :)) würde gerne mal wieder da hin. 🙂 *seufz*
    wünsche euch noch eine schöne zeit!

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