Schwedenreise, zweite Hälfte

Es sieht eher so aus, als würde es dieses Jahr kein komplettes Tag-für-Tag Reisetagebuch geben, also schließe ich an die „Zwischenbilanz“ an mit einer Zusammenfassung der zweiten Urlaubshälfte.

Falun, der schöne Campingplatz war uns ja so empfohlen worden. Schön war er auch, aber er hatte zwei Mängel, einen grundsätzlichen und einen nur für uns: Grundsätzlich ist für Zeltcamper vorgesehene Fläche, anderswo „Zeltwiese“ genannt, viel zu klein, fast nonexistent. Nur weil wir auch gerade nur drei Zelte waren, gab es keine Probleme, ansonsten ist der Campingplatz sehr an Wohnwagen und -mobile adressiert. Wahrscheinlich half, daß es weiter nach Norden massentourismusfreier wird und die schwedische Ferienzeit („Semester“) jetzt vorbei war. Für uns wenige war es natürlich schön, wir standen direkt am Seeufer. Und speziell an diesem Wochenende, an dem wir hier waren, war in Falun ein großes Speedbootfestival! Was wir am Samstag tagsüber schon sahen, nämlich daß man über die röhrenden Boote „über den See gehen“ konnte, uferte am Abend in einem Rockkonzert in einem Festzelt oben bei dem Restaurant aus. So saß ich dann um Mitternacht mit einem weinenden Dreijährigen im Arm, Schallschutz einer Zeltwand natürlich null, während es oben wummerte. Schließlich ging ich protestieren, wurde aber beschieden, die Veranstaltung sei angemeldet, da könne man nichts machen. Als wir am nächsten Morgen hohläugig beim Campingwart auftauchten und monierten, er habe uns doch zumindest warnen müssen, sagte er, das habe auch er nicht erwartet. Zumindest die eine Nacht erstattete er uns anständigerweise.

Dalarnapferde
Dalarnapferde

Jedenfalls ging es weiter, nach Mora wollten wir noch, um Dalarnapferden dabei zuzusehen, geschnitzt zu werden, das sollte unser nördlichster Punkt werden. Nusnäs am Siljansee gilt als Wiege dieser Schnitzkunst. Inzwischen begann es sich zu bewölken, die Zeit des schönen Wetters würde langsam enden. Aber die Schnitzereien sind wirklich schön anzusehen, wenn auch drum herum viel Kitsch verkauft wird, lohnt sich der Abstecher. (Zudem werden nördlicher die Straßen knapper, und für unser Ziel, Oslo, empfiehlt sich ohnenhin die Route über Mora.) Mora selbst streiften wir aber ohne Aufenthalt, unser geographisch nördlichster Punkt war eine Umgehungsstraße und wurde ohne Pomp abgehakt, es wurde später Nachmittag und es war Zeit, einen Campingplatz für die Nacht zu finden. Es gibt hier oben durch aus einige, die nicht verzeichnet sind, z. B. Johannisholm, aber wir wollten noch etwas Meilen machen und fuhren bis Malung, inzwischen hatte auch ganz leichter Nieselregen eingesetzt. Malung ist ein ansprechender Platz, schöne Wiesen am See, alle Einrichtungen, aber schlagartig war es Nachsaison, nur ganz wenige Zelte, zusammen mit gelegentlichem Nieseln wirkte das trostlos, wir blieben nur über Nacht.

Am nächsten Morgen setzen wir die Fahrt über – hinter Torsby – kleiner werdende Straßen und die „grüne Grenze“ fort. Nicht einmal ein Schild oder Grenzpfosten sagt uns, daß wir jetzt eine Außengrenze der EU passieren (allerdings trotzdem eine Schengen-Grenze), erst die anders aussehenden Verkehrsschilder vor Kongsvinger machen uns klar, wir sind bereits in Norwegen. Es regnet, und Kongsvinger lädt zu nichts Besonderem ein, so sind wir eher schneller als erwartet in Oslo. Dort campieren wir auf einem der beiden großen Stadtcampingplätze, Ekeberg. Großstadtcamping ist immer Glückssache, und auch Ekeberg ist nicht eben eine Empfehlung wert: großflächige Hangwiesen ohne Strukturen überlassen es dem Einzelnen, ein schönes Plätzchen zu finden oder in einer Matschpfütze zu landen, die Sanitäranlagen sind akzeptabel, aber auch nicht mehr als das. Der Kinderspielplatz ist in unwürdigem Zustand, der Preis horrend: aus irgendeinem Grund zahlt die Kombination PKW/Zelt hier genausoviel wie ein Wohnwagengespann. Ob der zweite große Platz, Bogstad, besser ist, erforschen wir aber nicht.

Schotten im Vigelandpark
Schotten im Vigelandpark

Der Regen ist wieder vorbei, und wir haben bis zur gebuchten Fähre jetzt mehrere Tage Zeit, uns Oslo anzusehen. Da uns hier überwiegend der Vigelandpark mit seinen Skulpturen interessiert, nehmen wir statt einer Touristenkarte wie in Stockholm nur eine Mehrfahrtenkarte für den Nahverkehr, und lassen uns einfach ein bißchen treiben. Originell: Das WM-Qualifikationsspiel Schottland-Norwegen steht ins Haus (die Schotten verloren es nach unserer Abreise 0:4), und die Stadt ist voll mit kilttragenden Schotten. Sie hat einiges Schönes zu bieten, das Auto läßt man, wie eigentlich bei jeder Großstadt, besser draußen: Hier wird eine Citymaut kassiert. Und ein teures Pflaster ist Norwegen: nicht nur sind die meisten Einzelpreise höher als in Schweden, die NOK hat sogar noch einen schlechteren Kurs zum Euro als die SEK.

Jeweils abends ereilt uns ein Gewitter, die Tage können wir aber noch schön genießen. Dann geht es zur Abfahrt auf die „Stena Saga“ nach Frederikshavn, wie schon auf der Hinfahrt wollen wir in einer Kabine die Nacht verbringen. Doch ach! die Überfahrt über das Skagerrak zur dänischen Nordspitze hält eine unschöne Überraschung für uns bereit: in recht schwerer See rollt die „Saga“ heftig, und Mami und Papi werden entsetzlich seekrank. Die Kinder dagegen verschlafen alles, Papi muß sich reuig von dem einen am Abend noch genossenen Bier verabschieden.

In Dänemark angekommen, quälen wir uns leidend von der Fähre. Unserer ausgeschlafenen und gutgelaunten Kinder können wir unmöglich Herr werden, der jetzt noch geplante Tag im Legoland Billund wird abgesagt. Die Kinder sind bemerkenswert gefaßt. Das Versprochene wird nachgeholt werden, das ist sicher. Jetzt aber fährt Papi – und er weiß nicht genau zu berichten, wie – nonstop nach Hamburg und fällt dort ins Bett. Glücklicherweise haben wir dort großelterliche Babysitter… denen übergeben wir auch den Wagen wieder und fahren am letzten Samstag mit der Bahn zurück nach Düsseldorf – kaum anderthalb Stunden verbringen wir auf einem toten Gleis bei Bremen wg. eines Notarzteinsatzes auf den Gleisen, manchmal hat man das Gefühl, Bahnfahren muß immer so sein.

Aber hey, trotz dieses üblen Abschlusses war es ein toller Urlaub, einer an den man gern zurückdenkt!

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