unfreiwilliger Review: Landal Parks vs. Sunparks

Ich schreibe gern Erfahrungsberichte, das führt manchmal dazu, daß sich dies Blog zu einem reinen Review-Portal mausert… seit neuem gibt es hier sogar Reviews, die bezahlt sind (das sind die, die mit „Trigami“ klar gekennzeichnet sind) – wobei ich aber nur solche annehme, die ich unabhängig gestalten darf.

Heute nun ein Erfahrungsbericht, den ich nicht von Anfang an als Vergleichstest geplant hatte, der sich aber zu einem mauserte: der von unserem Urlaub an der Nordsee letzte Woche.

Seit einigen Jahren machen wir so im November einen einwöchigen Nachsaison-Urlaub in einem Ferienpark in den Niederlanden. Die sind allgemein kindgerecht, in der Nachsaison sehr bezahlbar, und mit Spaßbädern usw. auch ein bißchen wetterunabhängig. Dabei waren wir jetzt 2x im „Landal Het Vennenbos“, dieses Jahr nun im „Sunpark Zandvoort aan Zee“. Beide sind ehemalige Center Parcs, in Stil und Qualität also vergleichbar. Vergleichbar heißt aber nicht unbedingt gleich. Zwei Sichtweisen:

Die schöne Seite der Medaille: Ein schöner Urlaubsort

Weil sich bei Landal in diesem Jahr kein geeignetes „Last Minute“-Angebot fand, und wir Veränderung auch immer aufgeschlossen gegenüberstehen, ging es diesmal an die Nordseeküste, nach Zandvoort aan Zee, in einen Sunpark. Originell fanden wir die Aufteilung in drei Kategorien: Standard, Select und Exclusive wurden geboten. Die drei muß man erst einmal auseinanderdröseln, denn es zeigt sich schnell, daß es sich letztlich um die gleichen Grund-Haustypen handelt. Standard soll einfach möbliert sein, den Fotos nach sah das aber ganz vergleichbar aus – aber es sind natürlich auch immer nur Referenzfotos, die immer phantastisch aussehen. Select scheint dem zu entsprechen, was bei Landal „renoviert“ heißt, also mit Farbe aufgehübscht und neu möbliert. Exclusive zeichnet sich durch zwei Merkmale aus: Flachbildfernseher (wer’s wichtig findet…) und Geschirrspüler (und das ist natürlich ein echter Vorteil). Außerdem sind bestimmte Extras, wie Bettwäsche und Handtücher, im Preis schon mit drin, und da beobachteten wir ein echtes Kuriosum: im Last-Minute-Bereich war nach Einbeziehung der Extras das Exclusive-Haus etwa 2,50 € teurer als das Select. Jawoll, zweifuffzich für den Geschirrspüler. Klar, daß wir Exklusivkunden wurden…

An der Nordsee angekommen, fanden wir nach einem schnellen Check-In ein sauberes, aber nicht vorgeheiztes Haus mit bezogenen Betten und leichtem Rauchgeruch vom Vormieter vor. Die Einrichtung ist ansprechend, auch die Schlafzimmer im 1. Stock sind hübsch möbliert und einigermaßen geräumig, in den Landal-Parks sind die oberen Räume wirklich winzige Schlafstätten. Der Flachfernseher bietet HDMI und ist an Kabel (fast nur holländische Programme, ARD, CNN, BBC) und eine Stereoanlage mit DVD-Spieler angeschlossen. Nett. Die Küche ist überkomplett mit Filterkaffeemaschine, Senseomaschine, Mikrowelle, vorerwähntem Geschirrspüler, elektrischer Zitronenpresse (ehrlich!), aber das Brotmesser ist zerbrochen (ein neues Brotmesser und ein defektes Licht im Bad werden vom Park-Facility-Management ratz-fatz ersetzt). Das Bad ist groß, aber ein separates WC wäre bei 6 Personen schon hilfreich. Die Massagedusche und der Design-Waschtisch von Villeroy&Boch sind kleine Highlights, aber die Kinder können sich dort nicht mal die Hände waschen, und einen Hocker (wie IKEA ihn für 4,95 bietet) gibt es nicht.

Wir erforschen den Park: künstliche Dünen schaffen Trennung zwischen den Häuserblocks, ein See bildet den Mittelpunkt (es gibt Häuser mit Seeterrasse, das sieht aus, als wolle man das in der Draußensitzsaison haben). Ein Spielplatz ist direkt gegenüber vom Haus, es gibt noch einen größeren, außerdem einen Kinderbauernhof und eine brandneue, spannend aussehende Piraten-Minigolf-Anlage. Außerhalb ist der Nordseestrand wirklich nah, und Zandvoort ist fußläufig, eine nette kleine Stadt, ein Vorteil gegenüber Landal, wo der Park auf die „Grüne Wiese“ gebaut ist. Ein Fahrradverleih bietet alles, auch Kinderfahrräder und sogar Kinder-Anhänger, wie wir zu Hause einen benutzen. Der überdachte Bereich („Park Plaza“) bietet Gewohntes, Supermarkt, ein paar Restaurants, eine zentrale Showbühne, den Schwimmbadzugang. Landal hat hier noch ein Kinderparadies, Sunpark wirbt mit der „Beach Factory“, aber die liegt etwas außerhalb. Das Spaßbad ist sehr ansprechend, großes Wellenbad, Riesenrutsche, Babybecken, Whirlpools (der Whirlpool bei Landal war im letzten Jahr ersatzlos einer Blumenrabatte gewichen…), Außenbecken, „Aqua Romana“, was ein Warmwasserbereich mit Bahnenziehbecken und einem wirklich guten Kinderbecken ist. Volle Punktzahl hierfür.

Die Kehrseite der Medaille: Ein Park, an dem man vieles anders machen könnte

Daß es eine Kehrseite gibt, daß man immer zwei Reviews schreiben kann, einen guten und einen schlechten, ist normal. Welche man herausstellt, hängt letztlich oft von der Stimmung ab, in der man den Urlaub beendet. Und daß unsere Stimmung etwas in die Schieflage geriet, daß wir sogar einen Tag früher abreisten, lag überwiegend an Gründen, für die der Park nichts kann. Mami hatte nämlich keinen Urlaub bekommen, Papi war mit den Kindern und den Schwiegereltern allein, und Lisa bekam Heimweh – kein Parkmanager, aber eben auch kein Papi und keine Nonna, kann das heilen. Aber: Auf dem Weg dorthin stießen wir auf ein paar Stolpersteine, die man nicht alle am ersten Tag sehen konnte. Sie hatten überwiegend mit den Stichworten „kindgerecht“ und „Nebensaison“ zu tun.

  • Fangen wir im Haus an. Das Bad ist einfach nicht kindgerecht, das erwähnte ich schon. Das geht irgendwie gar nicht, in solchen Parks ist jedes Haus ein Familienhaus, Hochstuhl und Kinderbett ist überall vorhanden. Am Fernseh‘ hängt ein DVD-Player, der 100% meiner selbstgebrannten CDs und DVDs, aber auch 75% meiner „richtigen“ CDs und DVDs nicht hören bzw. sehen konnte. Das Kinder-Abendprogramm gewährleisteten wir über ein Notebook. Überall fehlen Ablageflächen, im Bad ist nix, null, nada, um einen Kulturbeutel loszuwerden, die Handtuchstange im Naßbereich der Dusche, wir stellten Gartenstühle rein. Schön, aber nicht ausgereift. Und insgesamt läßt die hohe Vergleichbarkeit von Exclusive mit dem Einheitsstandard von Landal (bis auf eben den Geschirrspüler) die Frage aufkommen, wie dann wohl die anderen Kategorien aussehen.
  • Die Umgebung bietet Gutes und Schlechtes: In einer Stadt zu sein, ist schon nett, aber man merkt auch was davon. Genau genommen merkt man vor allem was vom Motodrom, das direkt neben dem Park liegt. Dort fegen die Sportwagen röhrend über die Rennbahn.
  • Die Landalparks setzen den Standard mit einem Kinderparadies, mit Kletterlandschaft mit Rutsche, Bällchenbad usw. An einem Regentag „wirft“ man die Kinder da rein und setzt sich mit einem Buch ein paar Stunden daneben. Der Sunpark setzt dagegen eine „Beach Factory“ – aber außer einer Hüpfburg ist das in Wahrheit eine Münzhölle, wo man für Elektroautos, Minigolf, Wii-Spiele alles bezahlen muß. Das ist schwerlich das gleiche!
  • Kinderprogramm. Oder besser: dessen Abwesenheit. Vom Landal waren wir auch hier gewohnt, daß jeden Tag ein betreuter Programmpunkt geboten wird, etwas Basteln, Kinderbingo, eine Pferdekutschfahrt… Gern legt man dafür auch kleines Geld hin. In Zandvoort kennt man das auch, es gibt einen „Kids Klub“, aber: dort ist die Tür nur samstags und sonntags geöffnet. In der Woche herrscht Sparprogramm, also: keins. Selbst das ersatzlose Fehlen von Puk en Pelle, den beiden Charakteren des Landalparks, nimmt man dann wahr.
  • Nebensaisonsparprogramm ist allgemein ein Schlüsselwort, dem man in Landal nicht so begegnete wie hier: der Supermarkt schließt um 17:00 Uhr, Restaurants verkaufen nur außer Haus, das „Aqua Romana“ ist nur drei Stunden am Tag geöffnet, und es sind jeden Tag andere Stunden. Daß November ist, wissen wir, aber es uns so wissen lassen…

Fazit: Lisa sagte klar: „Mami, nach Zandvoort fahren wir aber nicht wieder, ja?“ Unser differenzierteres Fazit lautet sicher nicht „der Sunpark ist kein schöner Park“, es lautet vielleicht noch nicht mal „Landal Parks sind schöner als Sunparks“. Es lautet aber sicher „für eine Familie mit kleinen Kindern in der Nebensaison bietet der Landal Park mehr“.

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