Blindkarten

Früher im Erdkundeunterricht gehörten sie zu meinen liebsten Aufgaben: Blindkarten. Da erhielten wir einen Matrizenabzug (kennt ihr die noch? Eine Art primitive Fotokopie, lila Linien auf blaßgelbem Papier mit einem Alkoholgeruch, der der heutigen Verbraucherschutzministerin die Tränen in die Augen treiben würde?) mit der Kontur eines Landes, und sollten alle Details eintragen, die uns einfielen, Städte, Berge, Flüsse… Ich war ganz gut darin, denn im Atlas zu schmökern war immer mein Hobby.

Heute gibt es Google Earth, und mit dessen API spielend, hatte jemand (nämlich Marek Luthardt) eine wirklich gute Idee: Beim Kartenquiz sieht der Spieler Google Earth in der Ansicht „Satellit“ mit allen geographischen Details – aber ohne Städte, Grenzen, Straßen, die Kartendetails der Ansicht „Hybrid“. Da sieht die Erde ganz schön nackig aus, von weitem genauso wie von nahem, denn rein- und rauszoomen darf man. Rechts ist der Aufgabenblock: Zehn Orte sind benannt, und die soll man jetzt in der „Blindkarte“ anklicken, so genau wie möglich. Das können zehn Orte weltweit sein, oder zehn in der Schweiz, die ist ja nicht so groß, aber: ihre Grenzen sind natürlich auch unsichtbar, da landet ein Punkt schon mal in Italien…

Die Entfernung zwischen gezieltem und tatsächlichem Ort beschreibt die Güte des Treffers, sie wird über die zehn Orte summiert. Der High Score, das beste je gespielte Spiel, liegt bei 2 km. Das schlechteste Spiel hat 195.408 km und wurde vermutlich mit Absicht als Antipodenspiel gespielt, denn 10x halber Erdumfang = 200.000 km, viel „mehr Irrtum“ geht es also nicht mehr. Ein Klick auf die Ortsnamen gibt eine gewisse Hilfe: Land und Provinz/Staat/Bundesland grenzen den Wurf ein. Nur: wo liegt noch gleich Thüringen oder Illinois auf einer Karte ohne Landesgrenzen?

Man kann andere Spieler herausfordern, in den Top 10 der Website selbst, oder indem man sein eigenes Ergebnis per E-Mail an Freunde verschickt. Und wer mag, kann vorausgewählte Spiele spielen: „Olympiastädte der Neuzeit“, „Deutschlands meistbesuchte Einkaufsmeilen“, „bekannte Opernhäuser“. Der Autor hat sich wirklich Mühe gegeben.

Einzige unaufdringliche Werbung: „Bei WhatsYourPlace.de kannst Du Deinen Lieblingsplatz in Peschawar oder einer anderen Stadt in Pakistan kaufen.“ Ah ja.

Fazit: Macht Laune, und ruft auch noch eine Erinnerung an Alkoholaroma wach…

Ein Gedanke zu „Blindkarten“

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