Wir haben keine Angst!

Dieser Tage stehen an den Ecken schwer bewaffnete Polizisten, wie ich es vor 15 Jahren in Ägypten sah. Mit schußsicheren Westen und Schnellfeuerwaffen patrouillieren sie durch unsere Flughäfen, um den Bundestag, aber auch über die Bahnhöfe und durch die Züge. Wenn’s dicke kommt, werden wir sie womöglich auf dem Weihnachtsmarkt treffen.

Schon mal gesehen? Nun, auch in meiner Kindheit kannten wir Terror. Die RAF hatte ihre Hochzeit. Die Olympischen Spiele in München, sie sollen da ja jetzt wieder hin, sind für mich immer mit jenen Olympischen Spielen verbunden. In Irland war es eigentlich immer heiß, Urlaub in London war durchaus mit realer Gefahr verbunden. (Sehr lesenswert: dieser englische Artikel über Flug-Terrorismus in den 80ern.) Aber nichts davon kam uns so nah, daß wir darüber unser tägliches Leben aus den Augen verloren hätten. Seit „Nine-Eleven“, seit zwei schwarzen Innenministern, Schily und Schäuble, hat in vorauseilendem Gehorsam unser freies und selbstbestimmtes Leben einen erheblichen Knacks bekommen.

Wieso sind wir heute bereit, unsere freiheitlichen Grundrechte aufzugeben, im Angesicht von Terroristen, die seit dem – zugegeben dramatischen – Einzelereignis „Nine-Eleven“ eigentlich keinen weiteren Fuß mehr auf den Boden bekommen haben? (Al-Qaida selbst ist sich des Erfolgs, massive Verunsicherung ganz ohne Anschläge zu erreichen, jedenfalls bewußt.) Nur aufgrund einer realen oder von Medien und Politik suggerierten grundsätzlichen Gefahr, daß noch was Weiteres kommen könnte? Was ist mit der vollkommen realen Gefahr, auf dem Weg zur Arbeit Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, oder durch die Folgen falscher Ernährung das Rentenalter nicht mehr zu erleben?

Mario Sixtus hat eine Gegenbewegung gestartet, „Wir haben keine Angst!„, einen Aufruf an alle, wieder auf den Boden zu kommen und nicht zuzulassen, daß wir unsere Freiheit lieber opfern, als sie uns rauben zu lassen (was natürlich ein Paradoxon ist, weil man Freiheit weder aufsparen noch übertragen kann, bei jedem Ausgang hätte sie am Ende keiner).

Ein Gedanke zu „Wir haben keine Angst!“

  1. Im Nachgang kann ich lachen: Jeder herrenlose Koffer um diesen 22. November war eine ausführliche Zeitungsmeldung wert. Als über Weihnachtsreisen und Winterwetter der öffentliche Verkehr praktisch zusammenbrach (richtig, vom 23.-26 Dezember, genau in der Zeit, die ich als Terrorist ins Auge fassen würde), liefen auf Bahnhöfen und konkret z. B. dem Frankfurter Flughafen hunderte herrenlose Gepäckstücke auf. Machten die Sicherheitskräfte dasselbe Gewese wie einen Monat vorher? Nein, sie hätten überhaupt nicht die Ressourcen gehabt, sie hatten andere Sorgen. War das schlecht, sprich, kam es zu einem Anschlag? Mit der – besserwisserischen – Klugheit der Rückschau können wir sagen: Nein.

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