Skifahren Saas-Fee

[Trigami-Review]

Ich bin als in die Schweiz eingeheiratetes Nordlicht ja inzwischen schon in ein paar Schweizer Skigebieten gewesen, Grächen im Wallis, Adelboden im Berner Oberland, Airolo im Tessin, und habe ein paar Skilehrer „verschlissen“, und dank deren Hilfe so langsam wirklich Spaß am Skilaufen gewonnen. Aber jetzt Skifahren Saas-Fee, das ist schon noch etwas Besonderes. Eine Kulisse von Gletschern und Viereinhalbtausendern, ein Drehrestaurant und eine Abfahrt auf Dreitausendfünfhundert, Schneegarantie, ein autofreies Dorf, da wird dem staunenden Flachländer etwas geboten. Und während man dort leicht mal glaubt, von den „Schönen und Reichen“ umgeben zu sein, liegt direkt nebenan in Saas-Almagell, nicht mehr als zwölf Postautominuten entfernt, ein preiswertes Familienskigebiet, auch attraktiv.

Eben dort in Saas-Almagell fanden wir unser Hotel, das „Kristall„, ein solides Dreistern mit drei Zimmerkategorien, von denen zwei gerade erst modernisiert und wirklich ein Genuß sind, mit geschmackvoller Kaminbar, Sauna und Whirlwannen und einer sehr guten Küche.

Angeschlossen ist auch ein Appartementhaus für die Familien, die den Rahmen eines Hotelzimmers sprengen oder lieber etwas für sich sein wollen, auf Wunsch aber trotzdem den Hotelservice und die Halbpension in Anspruch nehmen wollen. Die Familie Anthamatten hat dort seit mehreren Generationen das Ruder fest in der Hand, und Familien sind auch die Hauptzielgruppe.

Bleibt man in diesem Skigebiet, findet man dort immerhin eine Skischule, Lifte und rote Pisten bis 2.400m und alle nötige Infrastruktur vor (und wer am richtigen Ort sucht, findet im Schnee meine Videokamera, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andernmal erzählt werden). Der Hotelskibus fährt den Gast direkt dorthin, und der Skipaß kostet kaum zwei Drittel von dem von Saas-Fee. In der Nebensaison bietet Saas-Almagell ein Schmankerl-Angebot an, vor dem man den Hut ziehen muß: Familie mit zwei Kindern bis 9 Jahre im Appartement, Skipässe, Kinder-Skischule und -Skimiete für unter tausend Schweizer Franken die Woche!

Mit dem Postauto ist man unter einer Viertelstunde in Saas-Fee, dort sollte man den Rechenschieber aber zu Hause lassen, der Skipaß fürs gesamte Saastal kostet über 70 Stutz am Tag (andere Posten wie Skischule oder Restaurantmenüs sind dafür sogar preiswerter als anderswo). Dafür beginnt jetzt ernsthaft der Spaß: Mit dem Alpinexpress und der „Metro“, der höchsten unterirdischen Standseilbahn der Welt, geht es auf den Allalin rauf auf 3.500m, und vom dortigen Drehrestaurant ist der Ausblick wirklich phänomenal, während man sich eine „Stange“ (ein kleines Bier) lang dreht. Unter strahlend blauem Himmel reiht sich Gipfel an Gipfel, blickt man dazwischen durch, sieht man auf die nächste Gipfelkette. Eine abwechslungsreiche Überraschung steht hier noch bereit: im „Eispavillon“, einer Gletschergrotte, kann man Märchenhaftes genießen, tief im ewigen Eis, 6-10m unter der Oberfläche. Sogar eine Kapelle hat es dort. Dann die Skier angeschnallt – die Abfahrt ist rot, die Holde verspricht: „die roten Pisten von Saas-Fee sind wie die blauen von Adelboden“ – und tatsächlich, der mutige Ski-Eleve kommt unbeschadet 700 Höhenmeter herab bis zur Mittelstation und fühlt sich unbeschreiblich cool. Selbst mir blieb sogar Zeit und Muße, den feinen Pulverschnee, den Ausblick und den Sonnenschein zu genießen. Wer mehr Ski läuft als ich, findet in Saas-Fee Freeriden, Freestyle & Funparks, wer weniger auf den Brettern steht, interessiert sich vielleicht für Winterwandern, Schneeschuhlaufen oder Nacht-Schlittenfahren.

Der direkte Sonnenschein ist unterhalb der Mittelstation aber erst mal weg. Schattig ist es dort, die Sonne kratzt an des Allalingipfels rechtem Rand und suggeriert, daß es hier ab Februar sonnig sein dürfte, nicht aber in den Weihnachtsferien. Macht nix, das Restaurant serviert auch im Schatten ein gutes Mittagessen.

Im Tal machen wir noch ein wenig Après Ski. Saas-Fee ist ein schönes Dorf, es bietet eine eigentümliche Kulisse, trendige Pistenbars reihen sich an Walliser Heuschober aus uralt verwittertem Holz, gebaut auf einer ganz eigenen Steinkonstruktion aus Pfosten und Platten, die den Ratten das Hinaufklettern unmöglich machen sollen. Weil statt Autos nur ein paar Elektrokarren herumkurven – wie überhaupt das ganze Saastal erst 1950 an die Autostraßen angeschlossen wurde – ist es gemütlich und wieder familienfreundlich.

Nach zwei Tagen Scouten für die Saison 2011 ziehen wir ein Fazit: Saas-Fee ist eine Reise wert, ein toller Ort, der mehr hat, als man vermuten würde, ohne daß man Angst haben muß, er könne einem „zu groß“ sein. Jetzt Ski-Urlaub buchen!

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