Strom: Alles neu für die Umwelt?

“Du kennst dich doch mit Ökostrom aus…” werde ich im Freundeskreis inzwischen schon angesprochen. Nun, sicher nicht so sehr wie die Umweltengel vom Büro für erforderliche Maßnahmen, aber ein bißchen habe ich mich schon mit dem Thema befaßt. Ökologisch und ökonomisch sinnvolle Stromanbieterverträge, Energiesparleuchten, das heiße Thema “verschenkter Strom in der Standbyfalle“, und am Wochenende habe ich mich mal wieder gefragt: macht es eigentlich Sinn, alle (größeren) Elektrogeräte wegzuwerfen und zu erneuern?

Genauer gesagt geht es dabei um Kühlschrank, Geschirrspüler, Waschmaschine und Wäschetrockner. Sie wurden alle zwischen 2004 und 2006 beschafft, und wir haben schon nach damaligem Stand der Technik auf sinnvolle Verbrauchswerte geachtet. So haben Waschmaschine und Geschirrspüler Energieeffizienzklasse A, der Kühlschrank ein A+, der Trockner aber nur ein C (damals war auch schon ein A-Gerät im Markt, sein Preis aber jenseits von Gut und Böse, und auch heute noch kostet ein Trockner mit Wärmepumpe ca. 700€).

Das Beispiel der Kühlschränke zeigt es: Die Skala ist völlig überholt, ein A heute nichts Besonderes sondern das absolute Minimum, man ist da inzwischen bei A+++ angekommen. Ja, tripleplusgood. Geschirrspüler werden schon mal mit einem etwas wolkigen “30% besser als A” angepriesen. Trockner sind immer noch Energiefresser Nr. 1, es gibt mehrere A-Geräte, aber sie spielen in einer eigenen Preisklasse, der “Standard” ist inzwischen immerhin B. Schlägt man die ganz normale Technikmarkt-Werbebeilage der Tageszeitung auf, sieht man noch immer gern das Bild, daß ein A beworben wird, ein Gerät mit schlechteren Werten aber einfach totgeschwiegen. Die Nennung ist eben noch nicht vorgeschrieben, würde man es bei Zigaretten so machen, würde der Nikotinwert nur bei Light-Zigaretten dranstehen, bei den anderen gar nichts. Und die Verbraucher sind sich der Wichtigkeit noch nicht so bewußt und fragen nicht danach.

Dabei geht es natürlich auch hier wieder um den Spagat zwischen Geld und Umwelt. Weniger Stromverbrauch heißt weniger CO2, wenn man einen konventionellen Stromvertrag hat (Ökostromer können am Strom kein CO2 mehr sparen, das ist die Ironie), und weniger Geld für alle. Dafür sind die Geräte im allgemeinen teurer, je sparsamer sie sind. Das ist aber natürlich nicht alles, ein teureres Gerät ist meist auch wertiger und auf eine längere Lebensdauer ausgelegt (es gab einen Test für Waschmaschinen, die billigste ist den Testern ungelogen geradezu um die Ohren geflogen).

Am anderen Ende der Lebensdauer kommt man dann in die Falle, in der wir gerade stecken: war es früher eine tolle Idee, daß eine “Miele Miele sagte Tante, die alle Waschmaschinen kannte” auf mehr als 20 Jahre Lebenserwartung ausgelegt ist, so entwickelt sich heute die Spartechnologie so rasant weiter, daß man dann nach zehn Jahren eine völlig heile Maschine guten Gewissens nicht mehr weiter betreiben kann. Unsere Geräte sind jetzt erst bis zu sieben Jahre alt, und schon könnten wir mehr als 100€ im Jahr einsparen – wenn wir sie alle ersetzten.

Den größten Brocken stellt der Trockner dar, gegenüber einem Spitzengerät könnte er 65€/Jahr an Strom sparen, aber das Spitzengerät kostet eben auch 700-800€. Also ergibt es offensichtlich gerade keinen Sinn, ein Gerät vor einer mittleren Lebenserwartung von zehn Jahren wegzuwerfen, nur um Strom zu sparen. Eher überrascht hat mich, daß das zweite Gerät auf der Liste der Kühlschrank wäre, der war damals das Tollste, was der Markt hergab, aber anscheinend gibt der Markt seitdem sehr viel mehr her.

Wäsche-
trockner
Wasch-
maschine
Geschirr-
spüler
Kühl-
schrank
Hersteller Bosch Electrolux Electrolux Liebherr
Energie-
effizienz
C A A A+
Anschaffungs-
jahr
2004 2006 2004 2005
Einspar-
potential
65€ 10€ 13€ 15€

Bei Waschmaschine und Geschirrspüler ist obendrein verblüffend, wie wenig Wasser sie heute verbrauchen – schreibt man die Skala fort, werden sie am Ende 7kg Wäsche mit einer Tasse Wasser sauber kriegen… Bloß ist es in unserer Nordwesthälfte Europas gar nicht besonders nötig, Wasser zu sparen, denn es ist hier einfach nicht knapp. Vielmehr klagen Wasserwerke schon jetzt, daß die Leitungen sich zusetzen, weil sie zu wenig ausgelastet werden.

Viele solche Werte kann man bei der DENA unter “StromEffizienz” vergleichen und sich herstellerunabhängige Tips holen. Unser Fazit war, daß es sich ökonomisch nicht rechnet, die Geräte vor einem Alter von ca. zehn Jahren zu ersetzen, wenn sie schon sinnvoll angeschafft wurden. Ökologisch können wir Ökostromer mit dem Strom auch aasen, wir stoßen trotzdem kein CO2 aus… Das nächste Gerät, das ich noch prüfen werde, ist der Durchlauferhitzer, der untersteht aber der Domäne des Vermieters.

Update: hab ich doch vergessen, eine der wichtigeren Nachrichten weiterzugeben, die ich gelernt habe: Die Energieefizienzklasse bezieht sich nur auf das “Energiesparprogramm” des Geräts, deshalb stimmen alle Überlegungen nur, wenn man genau dieses Programm auch immer benutzt! Sicher, man ahnte, daß die Hersteller dieses eine Programm optimieren, aber mir war nicht klar, daß alle anderen Programme einer “effizienten” Maschine völlig egal sind, also auch brutalst ineffizient sein können!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>