Karstadt wird Labor-Kaufhaus

Unsere Zeitung berichtet, daß Karstadt Pläne hat, die Filiale an der Schadowstraße als Testgebiet für Pilotprojekte zu nutzen. Während der Konzern, der ja gerade erst der Pleite entsprungen cist und dessen Ruder dringend herumgerissen werden müßte, zunächst noch nix zugeben will, will die Zeitung schon Details wissen: statt Küchenutensilien auf Regalen auszulegen, wolle man sie in einer richtigen Küche mit einem richtigen Koch in Praxis vorführen, lautet ein Beispiel. Man kann dann sowohl Topf und Messer kaufen als auch das Essen, das der Showkoch zubereitet hat. Im Spiel- und Sporthaus wird dem Fußball mehr Platz eingeräumt (das wird sicher nicht zu Lasten der Golfabteilung gehen. Ich rate mal, noch weniger Fahrradzubehör demnächst?), und dies zusammen mit der Fortuna präsentiert.

Ich habe auch eine Vision für das Kaufhaus der Zukunft, sie ist aber radikaler als „Erlebniswelten“ (haben wir die nicht seit den 90ern?): Das Kaufhaus der Zukunft muß sich davon lösen, vorrangig Produkte verkaufen zu wollen, es entwickelt sich zum Schauhaus.

Denn so benutzen wir heute schon das Kaufhaus: Wir informieren uns über einen Artikel, können ihn anschauen, in die Hand nehmen, mehrere Hersteller miteinander vergleichen – und fahren dann nach Hause, lesen die Hintergrundinformationen, Tests usw. im Internet nach, vergleichen da die Preise, und kaufen letztlich oft auch da. Bietet mir das Kaufhaus der Zukunft diese Beratungsleistung (und zwar besser als heute, besser als indem der Verkäufer selbst nur von der Packung abliest, was dies und jenes Gerät kann) und Präsentationsleistung, und akzeptiert, daß ich anderswo kaufe, wäre ich bereit, für diese Beratungsleistung sogar Geld zu bezahlen. Oder ich kaufe doch im Kaufhaus, oder durch dessen Vermittlung bei Amazon, z. B. an einem Terminal gleich im Laden, dann wird der Beratungspreis verrechnet.

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