Sport verliert seine Unschuld

Soeben erfahre ich von tagesschau.de, dass das Sportgerichtsverfahren Hertha ./. Fortuna nicht nur heute nicht entschieden werden könne (das ist inzwischen klar, es wurde auf Mo. vertagt), sondern es auch bis zu drei Instanzen gibt und dann noch die Zivilgerichtsbarkeit das letzte Wort haben könnte.

Es geht, das sagte derselbe Reporter denn auch prompt, hier um viel Geld, und ein Zivilprozess, in dem es um viel Geld geht, dauert. Es wäre also absolut denkbar, dass er rechtzeitig vor, ja sogar bei Beginn der nächsten Spielzeit der Bundesliga noch nicht letztinstanzlich entschieden wäre.

In diesem Moment wurde mir klar, auf welch einer Insel der Seligen wir bis zuletzt Fußball gespielt haben, und womit es jetzt vorbei sein dürfte: Wir haben ja so getan, als würde, obwohl es um viel Geld geht, was wir wussten, die Entscheidung, wer ein Spiel gewinnt, wer verliert, zwischen Spielern und dem Schiedsrichter ausgemacht, absoluten juristischen Laien also, mit einem Ball, nicht einem Plädoyer!

In Zukunft wird das anders. In Zukunft wird ohne Rechtsbeistand kein Profi mehr auflaufen können. Um die erforderliche Rechtzeitigkeit des Rechtsschutzes zu gewährleisten, werden ein Anwalt für den Schiedsrichter und mindestens je einer pro Mannschaft unmittelbar verfügbar sein müssen, mindestens am Spielfeldrand, wahrscheinlich werden sie sogar mitlaufen müssen. (Das wird körperlich qualifizierte Anwälte erfordern; bisher taxifahrende Juristen, die ihre Chancen wittern, dürften bereits jetzt mit dem Lauftraining beginnen.)

Diese neue Qualität des Sports, die den direkten Anschluss an so hochwertige Nachmittagssendungen wie „Richterin Barbara Salesch“ oder das „Königlich Bayerische Amtsgericht“ bildet, verdanken wir einer Truppe von so genannten Fußballspielern, die das Bild vom Fußball als einem Sport für Männer eintauschten gegen eins, in dem die Disziplin der „Schwalbe“ auch im Zeugenstand legitim ist, in dem gestandene Männer „Todesangst“ empfinden, wenn die Fans der Gegenseite ihre Kinder auf dem Rasen spielen lassen.

Disclaimer: Der Autor ist zwar nicht geborener, aber zugereister Düsseldorfer und hat eine gewisse Zuneigung zu den Underdogs der „Fortuna“ gefasst. Er findet auch nicht witzig, was vor drei Tagen auf dem Rasen passierte, aber noch weniger, was seitdem passiert.

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