Wieder gelesen: Die drei ???

In der Gemeindebücherei zu Konfizeiten las ich alle verfügbaren Bücher der „drei ???„, hörte die legendären Cassettenhörspiele mit Peter Pasetti und Oliver Rohrbeck. Mein Wiedersehen nach drei Jahrzehnten offenbarte mir allerlei Überraschungen.

Fangen wir mit der irgendwie logischen Erkenntnis an: Für Lisa, 8, ist meine Idee eigentlich zu früh. Als ich in der Schulbücherei entdeckt hatte, dass Ratekrimis im weiteren Sinne meinen Sohn nicht faszinierten, meine Tochter aber schon, die Mädchenserie „die drei !!!“ von ihr aber als viel zu tussihaft ausgebuht wurde, schloß ich „die drei ??? Kids“ erst mal aus, und legte ihr das Original nahe, immerhin liest sie auch schon Harry Potter. Verfrüht, wie ich bald merkte. Sie selbst war begeistert, las das erste Buch („Die drei ??? und das blaue Biest„) durch, wollte dann das Lesequiz bei Antolin machen. Doch ein rotes Quiz (zur Erklärung: blaue Antolin-Quizzes fragen nur nach Textverständnis, rote nach Inhalten über den Text hinaus) für die 6. Klasse, also solches entpuppte es sich, stellte natürlich zu hohe Ansprüche an die Allgemeinbildung. Wissen, dass Einstein kein österreichischer Geologe ist und Sumatra nicht vor der kalifornischen Küste, oder den Unterschied Egomane/Egoist herausarbeiten ist nicht Stoff der 3. Klasse.

Für mich stand natürlich der Wiedersehens-Effekt im Vordergrund. Groß geworden mit Klassikern wie „Die drei ??? und die flüsternde Mumie“, wollte ich sehen, was sich geändert hat. Und war belustigt. Waren Justus, Bob und Peter damals noch Schulkinder, die radelten oder von Morton im beim Preisausschreiben gewonnenen Rolls Royce durch die Gegend chauffiert wurden, haben sie inzwischen die 16 gestemmt und dürfen im fernen Amerika damit selbst Auto fahren. Der Hang zu High Tech manifestiert sich eher skurril: Waren es damals Walkie Talkies und Richtmikrofone, sind heute Google Street View und Smartphones selbstverständlich – und dennoch muss Archivar Bob zum Recherchieren unterwegs in ein Internetcafé einkehren. Geblieben sind die Telefonate aller drei mit zugeschaltetem Verstärker im geheimen Wohnwagen, die so herrlich an „Charlie’s Angels“ erinnern.

Vor allem aber ist nicht nur Alfred Hitchcock vollständig aus der Geschichte verschwunden, das geschah schon damals, als der Regisseur Im Richtigen Leben starb, sondern auch generell die kleinen Kästchen mit Fragen am Ende der Kapitel, die den Leser zum Mitraten und Nachdenken anregten. Die fehlen mir irgendwie.

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