Neue Kaffeekapseln aus Bremen: Zuiano

Manchmal wird man als Blogger ja mehr oder weniger subtil aufgefordert, ein neues Produkt vorzustellen. Das kann nervig sein oder spannend, und es schmeichelt auch ein wenig der Eitelkeit: Da hat jemand meine Reviews gelesen und findet sie zumindest gut genug, oder meine Blogreichweite hoch genug, um sein Produkt gern auf meiner Seite zu sehen.

Diesmal war es eher subtiler: Kaffeekapseln von einer mir bis dahin unbekannten Marke kamen im Paket mit einem handgeschriebenen Brief vom Firmeneigentümer. Das kommt schon mal anders daher als irgendein Seriendruck.

2013-04-24 10.42.26

Dazu erzählt die Firma eine interessante Geschichte. Aus Bremen kommt dieser Kaffee, wo ja immer noch der meiste Kaffee für Deutschland angelandet wird, und allerlei Großröstereien sitzen. Er wird von drei Freunden, sie nennen sich etwas pompös „Kaffeesommeliers“, hergestellt. Sie haben sich des Themas „Sustainability“ auf eine besondere Art angenommen: Statt fair gehandelten Kaffee zu verwenden, wobei ein höherer Kaffeepreis direkt den herstellenden Kaffeebauern zugute kommt, lassen sie einen Prozentsatz ihrer Einnahmen einem brasilianischen Sozialprojekt zukommen, mit dem sie direkt (über die brasilianische Ehefrau des Inhabers) verbunden sind. Das ist natürlich grundsätzlich löblich, wenn aber die Kaffeebauern weiterhin ausgebeutet werden, wird die Wohlfahrt, hier ein Waisenheim, auf deren Rücken ausgetragen. Grundsätzlich ist es effizienter, das Gute so direkt wie möglich zu tun, CO2 zu vermeiden statt Zertifikate zu kaufen, Langzeitarbeitslose einzustellen statt Steuereinnahmen in das Sozialsystem zu stecken, oder eben Armut im Herkunftsland des Kaffees entgegenzuwirken, statt sie anschließend zu bekämpfen. Organisationen wie Fairtrade oder Max Havelaar tun das, und sie genießen einen besseren Ruf als proprietäre Parallelorganisationen wie Nespressos „Ecolaboration“.

Zuiano Einzelverpackung

Aber reden wir über Kaffee. Zehn Kapseln waren in der Probierpackung, von sechs Sorten. Drei Espressos, zwei Lungos und ein Decaf, mit so dramatischen Namen wie Flash, Emperor, Happiness oder Peace. Sie sind einzeln verpackt – und übrigens ungefähr 12% billiger als Nespresso-Kapseln. Darunter sind ein paar wirklich gute Stöffchen, der Kaiser hat definitiv Kleider an, und mit dem Lungo Adventure erlebt man geschmacklich angenehme Abenteuer. Der PS-stärkste Ristretto, Flash, ist aber gar nicht mein Ding, er schmeckt eben irgendwie wie pures Koffein, unangenehm. Ich werde wohl mal eine weitere Bestellung starten, um die Schwiegereltern auch noch kosten zu lassen.

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