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Sonne und zehntausend ehrliche Irre

Den sonnigen Feiertag nutzten wir für einen Ausflug zusammen mit den Lieblingsnachbarn ins Bauernfreizeitparadies Irrland. Dort bei Kevelaer hat eine findige Person – ich stelle mir so etwas wie eine Mischung aus Landwirt, Daniel Düsentrieb und Jo Ackermann vor – seine Felder aufgegeben zugunsten eines Parks, in dem man mit Kindern einen herrlichen Tag für kleines Geld verbringen kann, wenn man einmal bereit ist, sein eigenes Zeug ganz bis hinaus an den Niederrhein zu karren.

Auf dem Gelände findet man Sandstrand, knietiefe Planschbecken, gigantische Hüpfburgen, Rutschen, frei zu nutzende Grillplätze usw., man kann all sein Picknick mitbringen – und obwohl wir ausgewürfelt haben, daß 5-10.000 Leute auf den Campus passen, ist es fast nirgendwo drängelig.

Es ist natürlich am schönsten, wenn es so supersonnig ist, aber in den großen Spielscheunen und Treibhaus-Sandstränden könnte man auch einen regnerischen Tag gut abspulen, wenn man denn dafür den Weg in Kauf nimmt.

Die vier Kinder hatten riesigen Spaß, tobten sich richtig aus. Wir grillten und chillten. Daß dort einfach alles klappt, liegt auch an so glücklichen Fügungen wie der, daß Lisas Sandalen, brandneue Bamas, am Morgen auf der Spielplatzwiese liegenblieben – und acht Stunden später brav noch an derselben Stelle lagen. Manchmal einfach nur mal nach oben gucken und „danke“ sagen, wie der Nachbar ganz richtig meinte…

War was? Weihnachten und so?

Ups, irgendwie habe ich hier länger nichts mehr geschrieben. Waren geschäftige Zeiten. Da muß ich doch mal die Kurzfassung nachliefern:

Also, wie in vielen Familien, haben wir Weihnachten gefeiert. Dieses Jahr bei uns zu Hause, und zwar so richtig „in Familie“, also mit allem, was krauchen kann. An Heiligabend und dem 1. Weihnachtstag saßen hier 9 Personen am Tisch, 7 davon schliefen auch im Haus. Das hat riesigen Spaß gemacht, es war wirklich schön, mal wieder Eltern und Schwiegereltern gleichzeitig hier zu haben. Und ja, es gab viele Geschenke, und unsäglich viele Süßigkeiten. Und ein Krippenspiel.

Weihnachtsbaum
Weihnachtsfamilie

Dann kam Silvester. Da waren die Leut‘ aber alle wieder weg. Also gab es ein Fondue chinoise mit den geschätzten Nachbarn. Es wurde viel Uno gespielt. Das war auch sehr lustig.

Dazwischen hat es viel geschneit, das dürften auch die meisten mitbekommen haben. Es gab viel Schnee zu schippen, das Radfahren machte nicht so viel Spaß. Dafür kann man im eigenen Garten super rodeln. Und davon soll es am Wochenende noch herzlich mehr geben.

veritabler Schneesturm am 20. Dezember
Rodeln am 3. Januar

Und Christian hatte seinen 4. Geburtstag, aber darüber steht was in seinem eigenen Blog, z. B. hier und hier.

Brombeeren und Sozialkompetenz

Donnerstags lernt Lisa im Lehrschwimmbecken der Janusz-Korczak-Schule schwimmen, und Papi drückt sich eine Dreiviertelstunde herum. In der Halle hält man es angezogen nur ein paar Minuten aus, es ist drückend schwülwarm. Auf dem Hof ist nicht so viel zu sehen, aber ein etwas kultiviertes Brombeergebüsch. Es hängt voller Brombeeren, wie im Schlaraffenland, und es sind Gänge hineingeschlagen, wohl vom Hausmeister, so daß man sich Brombeeren hineinschieben kann, ohne allzu sehr gegen Dornen kämpfen zu müssen, und zwar in jeder Höhe, egal ob man ein Kind wäre oder ein Erwachsener.

Und nun fallen mir zwei Beobachtungen zusammen, und ich frage mich nach der Konklusion:

  1. Diese Schule ist eine Sonderschule (Barbara meint, wenn eine Schule in Deutschland ein Lehrschwimmbecken hätte, wüßte man schon gleich, daß es eine Sonderschule sei). Sie wird also von Kindern besucht, die auf die eine oder andere Weise vom Pisa-Standard abweichen. Glaubt man einiger jüngerer Berichterstattung, z. B. im Spiegel, sind diese Sonderschüler in Deutschland chancenlos, jemals wieder auf den normalen Weg zurückzufinden, abgestempelt vom ersten Tag an. Dabei sei es egal, ob sie eine Behinderung haben oder eine Lernschwäche, oder einfach nur nicht in ein Normraster passen.
  2. Diese Schule ist wie jede Schule voller Kinder, in NRW sind die Schulferien vorbei, aber das Brombeergebüsch wird nicht abgeerntet. Es hängt jeden Donnerstag voll reifer Beeren, süß und fruchtig, und wie gesagt fast ohne brombeertypische Risiken zu erreichen.

Sind also Kinder heutzutage an Brombeeren nicht mehr interessiert? Sind Brombeeren uninteressant, weil Fruchtzwerge, Milchschnitten und Cola interessantere Geschmackserlebnisse darstellen, oder weil Kinder nicht mehr gelernt haben, daß die Natur selbst Produkte bereithält? Oder aber: sind es gerade die Sonderschüler, auf die dies zutrifft? Ist es womöglich genau dieses im Elternhaus nicht mehr Gelebte – die Brombeeren nur stellvertretend für vieles -, das manche Kinder auf einen Ast schiebt, der unter anderem auf der Sonderschule endet? Sind die Brombeeren Wirkung, oder sind sie Ursache? Ich stehe mit vollem Bauch und dunkelroten Fingern und bin ratlos.

Regen für die Tonne

Der Gärtner und der Im-Garten-Sitzer haben ja nicht immer dieselbe Meinung über Regen, und ich wünsche ihn mir eher selten, aber seit ein paar Wochen steht auf meiner Terrasse eine Regentonne, und seit vorgestern ist sie endlich auch angeschlossen – zuletzt fehlte nur noch ein winziges Stück 3/4″-Schlauch. Klar, daß der Regen heute morgen begrüßt wurde, weil er mit gurgelndem Geräusch die Tonne füllte.

Regentonne

GLÜCKW. GEBU.

Wenn man auf diese kryptische Kurznachricht lange genug geblickt hat, kommt man auf „Glückwunsch zum Geburtstag“. Warum das eine schlechte Nachricht ist:

Wer braucht noch weniger Zeichen als Twitter? Richtig, das Display einer Armbanduhr. Genauer, einer Pulsuhr. Der Pulsuhr, die ich immer beim Joggen trage. Nun, und wann hatte ich Geburtstag? Vor einem Vierteljahr! Wann war ich also das letzte Mal joggen? Eben.

Weitere Indizien, daß es allerhöchste Zeit war, das mal wieder zu tun: Die Pulsuhr stand noch auf Winterzeit. Die Jogginghose, die in der Schublade bereit lag, war fleecegefüttert. Jetzt sage ich nichts mehr…

Leverkusener Neuland-Park, Gewitter, IKEA und die Feuerwehr

Der heutige Ausflug des Familienkreises unserer Kirchengemeinde wurde eher unfreiwillig zu einem Experiment, was man alles in einen Tag mit Kindern hineinpacken kann. Und das ist schon einiges.

Als eher harmloser Ausflug in den Neuland-Park in Leverkusen war es geplant, dieses ehemalige Gartenschau-Gelände kennen wir, das sollte mit kleinen Kindern und einem Picknickrucksack ein ruhiger Selbstgänger sein, gut, denn von Papis #tfruhr2 am Donnerstag in Essen und Mamis Firmensommerfest mit Kind und Kegel am Freitag in der Ratinger Auermühle waren die Akkus schon mal nicht mehr sooo aufgeladen. Das war auch so.

Kinder mit Spaß, Gewitter im Anmarsch
Kinder mit Spaß, Gewitter im Anmarsch

Alles lief recht gut, bis ein (vorherhgesagtes) Gewitter tatsächlich eintrat, worauf des Pfarrers Sohn Polyphobie kriegte (und Pfarrers dann sowieso noch woanders hinwollten) und wir anderen uns in ein Café zurückzogen, die paar Tropfen abwetterten und danach fortfuhren, Spaß zu haben. Als wir uns dann am frühen Abend trennten, hatten die S6-Heimfahrer die Idee, noch beim Schweden vorbeizuschauen, die Kinder noch mal im Småland toben zu lassen und Kötbullar einzuwerfen.

Das gelang wiederum recht planmäßig, Barbara fand auch noch ihre ersehnte Dalarnapferdbackform, doch als es nunmehr endgültig nach Hause gehen sollte, es ging auch auf schwedischen Feierabend zu, griff der jüngste Zwerg beim Aufbruch im Restaurant noch in eine Glasscherbe. Das war immer noch nur eine kleine Havarie, eine freundliche Mitarbeiterin hatte schnell ein Pflaster zur Hand.

Feuerwehr in Schweden
Feuerwehr in Schweden

Wir wissen nicht genau, was dann geschah, jedenfalls gingen eine Minute später überall im Haus die Brandschutztüren zu und kleine Blitzlichter an, und als wir aus dem Gebäude kamen, rollte der erste Zug der Feuerwehr in das augenscheinlich nicht brennende Möbelhaus ein. Wie der Wilde bei der Sonnenfinsternis, fragten wir uns erschreckt: Waren wir das? Hat die Mitarbeiterin beim routinemäßigen Melden in der Hektik des Feierabends das Kennwort für „Kunde verletzt, Ersthelfer rufen“ mit dem für „Möbelhaus brennt, dies ist keine Übung“ verwechselt? Jedenfalls schlichen wir uns rasch und leise davon…

So muß das sein

Heute morgen konnte ich endlich wieder einmal den Rasen mähen. Jetzt kam ich also in den Genuß, für eine kurze Pause auf der Terrasse zu sitzen und einen Nespresso zu schlürfen (es gibt immer so einen lustigen braunen Fleck auf der Nase, wenn sie die Crema auf dem gegenüberliegenden Tassenrand berührt…), und den Blick über den Garten schweifen zu lassen, und mich daran zu freuen.

So muß das sein.

Nachbarschaft, wie ich sie mag :-/

Heute morgen habe ich mir zusammen mit meiner Mutter den Vorgarten vorgenommen. OK, ich gebe sofort zu, es war höchste Zeit. Aber noch vor zwei Wochen konnte man draußen nicht viel tun, weil das Wetter schlecht war, und letzte Woche war ich im Garten.

Diesmal waren es nicht die Nachbarn aus dem 1. Stock, die eine freundliche Bemerkung für mich übrig hatten, sondern ein vorbeigehender Knackerdistinguierter älterer Herr, der meinen Guten-Morgen-Gruß beantwortete mit „das wurde auch höchste Zeit. Die alte Frau M. hätte es nicht so weit kommen lassen. Aber die jungen Leute von heute interessiert das ja nicht.“

Ich freue mich ja wirklich, wenn die halbe Straße Anteil an meiner Gartenpflege hat und auch eine Meinung dazu zum Besten gibt. Aber daß man mich ins Gesicht in der dritten Person anspricht (denn „die jungen Leute“ war nicht etwa über mich zu meiner Mutter gesagt), schätze ich nun gar nicht.

Gartenarbeit und Höhenangst

In diesen Tagen ist wieder viel Unkraut zu jäten – und bei dieser überwiegend kniend verrichteten Arbeit denken die meisten sicher eher nicht an Höhenangst. Aaber: wir haben so eine schöne überdachte Terrasse, fast ein halbgeschlossener Wintergarten. Und dessen Glasdach wird von einem benachbarten Strauch halb überwuchert und entsprechend bemoost.

Es war also an der Zeit, das Glas von oben zu schrubben und den Strauch zurückzuschneiden. Nun, begehbar ist die leicht geneigte Glasfläche natürlich nicht, also, wie macht man’s? Na? Na? Vorschläge? Richtig. Ich legte jeweils eine Aluleiter auf zwei der stählernen Querholme, die ich zu recht selbst bei meinem Gewicht als tragend eingeschätzt hatte. Schrubbte und schnitt von dieser Plattform aus, und schob eine zweite auf das nächste Segment, und die erste auf das dritte. Und presto! – es klappte alles.

Glengoyne

Nun erwähnte ich eingangs die Sache mit der leichten Akrophobie, die ich als Kind noch nicht hatte, die mich aber als Erwachsener anfiel. Schlecht, wenn man mit einer Schweizerin verheiratet ist, die mit einem Klettergurt „in die Wand gehen“ würde… Ich gehe die Wände hoch bei dem Gedanken. Als im letzen Sommer meine zwei Kurzen auf dem Brienzer Rothorn bei 2.350m an der Kante ohne Geländer standen und runterblickten, sank mir das Herz in die Wanderschuhe. Als sie kurz darauf wieder unten am Brienzer See am Anleger standen und ins Wasser guckten, konnte die Schweizer Schwiegermutter nicht verstehen, daß ich, der Küstenbewohner, mindestens so unbeeindruckt war wie sie vorher oben. Wo war ich? Oben. Vielleicht auf drei, dreieinhalb Metern. Auf einer Leiter, über einer Glasscheibe, über einer Terrasse. Na, und deshalb sah ich hinterher einen dieser seltenen Anlässe, mir mal wieder einen Whisky, genauer einen feinen Schluck Glengoyne zu gönnen, als ich wieder auf festem Boden stand…