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Fasten, Vegetarisches, Methan und das Apfelbäumchen

Mein jährliches Fastenversprechen, in diesem Jahr bezogen auf Fleisch und Schokolade, bringt mir ein paar für mich, den „Fleisch-und-Kartoffeln“-Deutschen, erstaunliche Erkenntnisse.

Da wäre zunächst die schiere Tatsache, dass gemüsebasierte Gerichte tadellos lecker sind, ein bisschen in der Pfanne Zusammengeschnippeltes richtig Spaß macht und ich unter der Woche nicht das Gefühl habe, etwas zu entbehren – während ich mich zugleich am Tag des Herrn auf ein schönes Stück Fleisch auf dem Grill weiter freue. Ein Vegetarier wird also darüber nicht aus mir.

Und sicher erst recht kein Veganer. Milch und Käse, aber auch Eier sind mir dazu viel zu lecker. Womit natürlich jeder Versuch scheitert, mit dieser Ernährungsumstellung die Welt zu retten, denn eine Studie hat gerade erst endgültig bestätigt, dass Kühe mit ihrem Methanausstoß mit 9% zur globalen Erwärmung beitragen, ironischerweise umso mehr, wenn es grasernährte Biorinder sind. Schweinen bleibt von meiner Seite im Moment einiges erspart, die Kühe müssen weiter Milch geben, und den Hühnern geht es bekanntlich meist dreckig. Gerade erst wurden wieder falsch deklarierte Bio-Eier entdeckt, es scheint die alte Weisheit zu stimmen, dass man den Hühnerbauern schon persönlich kennen muss, soll es bei den Eiern mit rechten Dingen zugehen, und welcher Stadtmensch kann das schon?

Glaubt man der NASA, ist es aber ohnehin zu spät, die Welt noch zu retten. Die redlichen Bemühungen Einzelner, mit Radfahren, Naturstrom und Mülltrennung den unvermeidlichen Untergang aufzuhalten, sind wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein, und der ist schon ziemlich heiß. Ressourcen-Überverbrauch und die weiter aufklaffende Schere zwischen Arm und Reich, und das alles weltweit, machten das Schicksal des Homo sapiens unabwendbar.

Es fehlt der Studie gottseidank an einer konkreten Zeitangabe. Da halten wir es also am besten mit Luther. „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ – stammt übrigens gar nicht von ihm, macht es nicht weniger treffend.

Fastenzeit

Sieben Wochen auf etwas zu verzichten, das man schätzt, aber für entbehrlich hält, ist eine schöne Tradition. Vierzig Tage fastete Jesus in der Wüste, darauf geht es zurück. Für den „modernen Christen“ geht es selten ums reine Fasten, gern werden statt dessen Alkohol, Zigaretten oder Schokolade auf die Verzichtsliste geschrieben. Lisa sagte, sie wolle einmal darauf verzichten, ihrem Bruder wehzutun, fügte aber vorsichtig hinzu, sie wolle erst einmal ausprobieren, ob sie das so lange durchhalten werde…

Für mich soll es diesmal neben Alkohol – das fällt gar nicht so schwer – Fleisch sein, das ich von der Speisekarte streichen will. Das klingt banaler als es ist – „Germany is definitely a meat-and-potato country“ schrieb einmal ein Reiseführer, und für meine Mutter als Nachkriegskind war es der Gipfel des Etwas-erreicht-Habens, jeden Tag Fleisch auf den Tisch bringen zu können, was sie begeistert tat. Und das geht einem dann natürlich in Fleisch und Blut über: Wurst gehört für mich morgens und abends aufs Brot, und ein Fleischgericht auf den Mittagstisch, wenn es einmal ein Salat ist, dann frage ich schon „können wir nicht Speckstreifen drantun?“ Na gut, etwas relativieren läßt sich das schon, so gibt es einmal die Woche Pasta oder Pfannkuchen, und wenn die Nonna Risotto macht, lasse ich auch einen Fleischkuchen dafür stehen.

Was ißt denn ein Vegetarier so? Das fragte ich mich denn prompt und fragte welche. Gemüseaufläufe kann ich mir vorstellen, Pastagerichte, Salate – aber was kommt denn abends aufs Brot? Käse, war die eher banale Antwort, aromatisierte Frischkäse (gibt’s in tausend Variationen), Bruschetta-Aufstrich. Hmm, irgendwie hatte ich mir mehr Variation erhofft, mal sehen, was ich selbst so herausfinde. Jetzt erst mal ein lecker Salätchen.