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Zwei England-Reisen und Köln: Harry-Potter-Rundumschlag

Wir erinnern uns nicht mehr ganz genau, wie es begann. Wir waren keine „early adopters“, die schon kurz nach 1997 von Harry Potter wussten und Fans wurden. Wir wurden es eher Anfang des Jahrtausends.

Aber wir erinnern uns, wie wir 2003 unsere Fahrradreise durch Schweden so zu planen versuchten, dass wir um Mittsommer in einer größeren Stadt mit einer internationalen Buchhandlung waren, damit wir gleich am Morgen des Erscheinens den „Order of the Phoenix“ aus dem Regal reißen konnten (was in Karlskrona nicht klappte, weil an Mittsommer alle Geschäfte geschlossen haben, so dass wir erst etwas später in Kalmar erfolgreich waren), und wieder am 21.7.2007 im niederländischen Breda, als der Abschlussband „Deathly Hallows“ erschien (wir lesen die Originalfassungen). 2005 erschien das Buch nicht in unserem Urlaub…

Eine Lesegeneration später haben wir die aus Buchstaben gespeiste Fackel an unsere Kinder weitergegeben, und in unserer zehnjährigen Tochter vielleicht einen der größten Harry-Potter-Fans erzeugt. Ihr manchmal etwas ungezähmtes Haar, ihre manchmal etwas pedantische Art und ihre Liebe für Eulen, bevor diese eine allgemeine Mode wurden, machen sie zur personifizierten Hermine.

Als wir dann beschlossen, unsere Campingreisen 2013 und 2014 nach England zu verlegen, war ein Harry-Potter-Thema eine recht klare Sache. Und so sahen wir Alnwick Castle, das schöne Schloss in Northumberland, in dem die Außenaufnahmen von Hogwarts gedreht wurden, sahen und benutzten den Jacobite Train von Fort William nach Mallaig, jene Dampfeisenbahnlinie, auf der der Hogwarts Express verkehrte, sahen die Warner Brothers Studio Tour in London, die originale Filmkulissen bis ins kleinste Detail für die Besucher auferstehen lassen. Und schlossen den Kreis ganz nah am Zuhause mit der reisenden Harry Potter Exhibition, die zur Zeit in Köln gastiert.

Alnwick ist auch für sich allein ein schönes Schloss in schöner Landschaft. Aber sein typisches Museum von Innenräumen ist für Kinder wenig spannend. Der große Schlosshof ist es, in dem die Aufnahmen z. B. der Flugstunden von Harry Potter gemacht wurden, und diese Bekanntheit nutzt man aus, hier werden Shows mit Potter-inspirierten Charakteren angeboten, Besen-Flugstunden, aber auch „normale“ Ritterspiele und anderes. Ein sicherer Tagesausflug mit Picknick auf englischem Rasen. Wir profitierten von einem Gag: Jede Eintrittskarte kann kostenlos zur Jahreskarte umgewandelt werden, als wir im nächsten Sommer wiederkamen, waren erst ca. 335 Tage verstrichen, und wir konnten noch einmal schauen. Einen weiteren Ausflug im Städtchen Alwnick wert ist Barter Books, ein Second-Hand-Buchladen in einem alten Bahnhof. Wunderschön, sehens- und „lesenswert“, und ein gutes Bistro ist auch noch drin.

Fort William liegt in den landschaftlich schönen schottischen Highlands, hat mit Ben Nevis (1.344 m, ein Munro) einen Hausberg, den höchsten Großbritanniens, ist aber als Stadt nicht wirklich spannend. Wer wandern will, findet hier reichlich Gelegenheit, wer shoppen will, findet nur Trekking-Läden. Aber von hier zum Fischerdorf Mallaig, malerisch, aber noch kleiner, führt The Jacobite, eine täglich unter Dampf betriebene Strecke, an der die Szenen des Hogwarts Express gedreht wurden. Die echte 5972 Olton Hall fährt aber nicht mehr mit, bzw. fuhr dort sowieso nur für die Dreharbeiten, sie steht heute in London. Wir fuhren genauso gern mit der 44871.

Über die Londoner Studio Tour habe ich einen eigenen Blogartikel geschrieben. Sie ist allein schon fast eine Reise nach London wert. Ein kleiner Harry-Potter-Treff ist auch im Bahnhof King’s Cross, wo das Gleis 9 3/4 für Fotos nachgestellt wurde. Und wer so richtig sein Geld raushauen will, schläft anscheinend neu im Georgian House, einem Hotel mit Harry-Potter-Theme-Rooms. 460 €/Nacht im Familienzimmer, ich sage mal nichts…

Wer als Fan nicht ganz so weit reisen mag, findet im Kölner Odysseum die Wanderausstellung vor. Sie zeigt viele Kostüme, Requisiten und Teile von einzelnen Kulissen. Es ist ein „you ain’t seen nothing yet“-Erlebnis, wenn man es mit London vergleicht, und wenn der Tag noch nicht rum ist, ist das Odysseum natürlich auch schön für die Kids. Was uns aber vor allem aufstieß, ist das Geld: Das Familienticket kostet hundert! Euro!! – das ist fast schon genau so viel wie das für das Londoner Studio (93 Pfund sind ca. 115 €), für das man doch sehr viel mehr sieht, und dann geht es immer weiter so: 18 € für das Gruppenfoto, das man am Eingang machen lassen kann, 45 € für einen Zauberstab im Shop, den man bei eBay für 31 € kriegt. Praktisch alle Artikel im Shop sind teurer als ihre unverbindliche Preisempfehlung. Mein Votum: Nicht in dem Sinne schlecht, aber zu teuer.