Schlagwort-Archive: Musik

Dieter Falk & Sons in der Christuskirche

Erst war es ja nur eine Idee, um mal wieder in einem Chor singen zu können: Eine Freundin erzählte mir von dem Musical „Die zehn Gebote“, das mit einem Mammutensemble gegeben wird, u. a. mit einem Chor von 2.500 Sängern. Viele kleine Chöre könnten daran teilnehmen, so auch unserer, mit Ignacio von St. Joseph. Dieter Falk hat die Musik gemacht, und Bahar singt die weibliche Hauptrolle.

Nun sind vielleicht etliche Leserinnen und Leser geübte Fernsehzuschauer und kennen „Popstars“, seine Juroren und die Sängerinnen der Band „Monrose“. Ich bin da vollkommen unbeleckt, das sind Namen, die ich googeln musste. Aber manchmal lohnt es sich ja, zu googeln.

In einem Chor zu singen lohnt sich eigentlich immer, und so sind wir seit Februar fröhlich dabei, uns auf die Aufführung im nächsten Februar im ISS Dome vorzubereiten. Naja, und vor ein paar Wochen saß dann plötzlich Dieter Falk in unserem kleinen Probensaal. Ignacio hatte ihn am Rande des Chorleitertreffens kennengelernt. Für ein kleines Konzert suchte er einen kleinen Chor, mit dem er schon mal einen Ausblick auf das Musical geben könne. So ab hundert Sänger.

Ich habe schon früher in einem anständigen Chor gesungen, der Kantorei der Kreuzkirche von Dirk Ströter,wenn wir auftraten, dann mit ca. 60 Teilnehmern plus einem kleinen Orchester. Bei Ignacio sind wir auf dem Papier 47, proben aber fast nie gleichzeitig. Heute waren wir am Ende einhundertundfünfzig Sängerinnen und Sänger, die den Altarraum der Christuskirche völlig ausfüllten.

Dieter Falk, das weiß ich inzwischen, ist ein recht erfolgreicher Musiker und Produzent, der im Moment anscheinend vor allem eines macht: mit Leib und Seele Vater sein. Er hat seine beiden Söhne, 14 und 17, voll in sein Programm einbezogen, hat ihnen in den „zehn Geboten“ Rollen auf den Leib geschrieben, teilt sein Tonstudio mit ihnen und tritt eben auch mit ihnen auf diversen Konzerten auf. Außerdem ist er ein musikalischer Tausendsassa mit Wurzeln in der Kirchenmusik, aber auch mit viel Erfahrung als professioneller Produzent.

Foto mit freundlicher Genehmigung von Thomas E. Götz

Und er hat einen Groove, und den kann er den Menschen auch mitgeben. Wenn er seine am Flügel begleiteten Eröffnungsworte an die „Bildungsbürger, die Popstars ja nicht so schicklich finden“ richtet, dann sitzt das Publikum in den Kirchenbänken – einschließlich des OB – recht steif da. Zwei Stunden später sollen dieselben Zuschauer nicht nur ein halbes Dutzend poppige, funkige, aber dennoch unverkennbare Kirchenlieder mitgesungen haben, sondern auch stehend zu „Liebe ist das Gebot“ abrocken.

Manche Menschen hören sich gern reden, Dieter Falk, glaube ich, hört sich gern spielen. Als zwischendurch seine Söhne fast eine Stunde verschwinden (gilt der Jugendschutz? Oder durften sie für eine Weile in einem Club abfeiern? „Papa – am Samstagabend – in einer Kirche? Muss das sein?“), verbringt er die Zeit mit Improvisationen auf Kirchenlieder, auf den Zuruf von EG-Liednummern hin, und einem Quiz mit Liedgut aus der „Mundorgel“, die er großzügig verschenkt und von der er behauptet, größter Einzelabnehmer zu sein.

Bach, und ein wenig Paul Gerhard, dient ihm als Strick, an dem er sich im Programm entlanghangelt. Bei ihm wird geguckt, „was würde Bach heute machen?“ Ganz neu ist das alles nicht, in den Siebzigern hat man schon mal einiges davon wieder aufgelegt, John Miles klingt ziemlich durch, Hugo Strasser und sein Orchester fiele mir ein, und – böse gesprochen – Rondo Veneziano. Aber er beherrscht sein Metier, und seine Arrangements und Improvisationen können einen packen. Und seine Söhne gehen wirklich mit!

Wir kamen selbst erst am Ende dran, der Einmarsch durch ziemliche Enge und nur eine Probe eher ein Debakel, aber standen wir einmal, konnten wir auch etwas bringen. Und Bahar, nun ja, ich bin eben nicht so für dieses Superstarzeug zu haben. Sie ist ein nettes Mädchen mit einer guten, wenn auch heute erkälteten Stimme, wäre ohne Trara vermutlich leicht zu übersehen.

Musik wünschen und behalten – ZEEZEE – die Musikflatrate

[Trigami-Review]

Kennt ihr das noch von früher? Wenn im Radio Samstagnachmittags die Hitparade lief, saß man am Cassettenrecorder und hat sich seine Cassetten zusammengestellt, mit Musik, die aus dem Radio aufgenommen wurde. Finger auf der „Record“-Taste, und wenn man Pech hatte, sabbelte Carlo von Tiedemann in den Schluß des Liedes rein. Das war der einfache Weg, an die aktuellen Charts zu kommen, und es war legal. Die heutige Entsprechung, Musik downloaden, ist zwischendurch etwas in Verruf gekommen, nicht alles, was da z. B. über Tauschbörsen wie Napster gemacht wurde, war ganz legal. Aber man kann sich auch heute noch MP3 legal laden, denn es gibt eine ganz ähnliche Nische: Internetradios.

Es gibt natürlich ein paar Unterschiede, und zwar zum Guten: Erstens „senden“ Internetradios digital, so daß man sich die MP3 davon ohne die Qualitätsverluste der guten alten analogen Cassette holen kann. Und zweitens gibt es Tools und Dienste, die es einem abnehmen, am Samstagnachmittag persönlich vor der Kiste zu sitzen, den Finger auf der „Record“-Taste. Solche Tools laufen auf dem eigenen Rechner, Webdienste sind noch angenehmer: sie lauschen den ganzen Tag auf allen Frequenzen, und der eigene Rechner muß nicht einmal laufen. Ein solcher Dienst ist ZEEZEE. Ein Account bei ZEEZEE besteht aus einem Stückchen Cloud, also Web-Speicherplatz, und einer Musik-Wunschliste. Da wünscht man sich ein Lied oder zwei oder fünfzig, und dann läuft ZEEZEE los und lauscht. Und wenn dann irgendein Webradio das Lied spielt, hat es für uns den Finger auf der „Record“-Taste und macht uns ein sauberes MP3 davon und packt es in unseren Webspeicher. Legal. Sauber getagt, und ohne lästige DRM-Beschränkungen. Es lief ja im Radio. Wir kommen dann ein paar Stunden oder ein paar Tage später wieder und holen uns die Cassette ab / laden die MP3 runter.

Es gibt den Dienst in mehreren Geschmacksrichtungen, „Easy“ ist kostenlos, erlaubt uns aber nur den Zugriff auf die eigenen Charts, „Star“ kostet schon einen Hunderter im Jahr, aber dafür kann man sich frei alle Titel wünschen – und kriegt sie, wenn sie denn nur jemand spielt. Und es gibt viele Webradios da draußen, und sie spielen allerlei. ZEEZEE hat auch eine Musikredaktion, sie stellt Informationen zu Künstlern und Alben zur Verfügung. Tatsächlich behauptet die Site sogar, das Redaktionelle sei es, wofür man eigentlich bezahlt (klar, denn für die Musik dürfen sie kein Geld nehmen, das kommt den Interpreten ja nicht zugute) – aber das mutet eher wie ein Deckmäntelchen an, die Artikel zu Frank Sinatra und Hans Zimmer waren einfach aus der Wikipedia rüberkopiert.

Fazit: Das ist der richtige Dienst für jemand, der sich eine gewisse Ladung Musik auf die Platte schaufeln will, dabei legal bleiben, aber nicht arm werden will. Wer „alles aber sofort“ will, ist hier nicht richtig, denn warten muß man schon können.