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Ein aufstrebender Stadtteil, oder einer, der zur Bronx wird?

Wir in Rath: Wir sind Nikolaus

Die alte „Leistungsgemeinschaft Rath“ der Einzelhändler ist wohl schon ein Vierteljahrhundert alt, und außer ein paar Aufklebern an alteingesessenen Geschäften haben wir Rather nicht mehr so viel von ihr bemerkt. Als „Wir in Rath“ versuchen sich die Kaufleute jetzt an einem Neustart, der in diesem Jahr schon einiges bewegt hat, ein Sommerfest, und jetzt einen Nikolausmarkt.

Mit Glühweinstand, Reibekuchen, dem Heiligen Mann selbst, Märchenengel und Riesenweckmann präsentierten sich die Geschäftsleute. Sie wollen uns, den Kunden, für unsere Treue danken, und lenken ganz nebenbei unsere Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß es auch attraktive Geschäfte in den weniger besuchten Seitenstraßen gibt.

Gut ankommen tut natürlich die frohe Botschaft, daß die Angebote tatsächlich fast vollständig kostenlos sind, aber auch, daß man den Apotheker, den Blumenhändler, den Banksachbearbeiter und die Friseurin, die Gesichter der Straße also, persönlich an den kleinen Ständen sieht.

„Wer bist du denn?“ Daß St. Nikolaus sich in Rath traditionell als heiliger Mann im Ornat des Bischofs präsentiert, löst bei einigen Kindern, die nur Schokofiguren kennen, gewisse Unsicherheit aus. Wenn der stadtbekannte Karnevalist dann aber eben einen solchen Schokomann aus seinem Sack holt, leuchten die Kinderaugen und alles ist wieder gut.

Das Wetter, klirrende Kälte mit Sonnenschein, machte die Sache „rund“ und so paßte alles am kleinen, aber netten Hülsmeyerplatz.

Und wer weiß, nicht gerade am Nikolaus, aber vielleicht zu einem anderen Anlaß kommen womöglich die nicht weniger umtriebigen ausländischen Unternehmer auch noch mit ins Rund. Warum sollen wir nicht zusammen auf dem Hülsmeyerplatz auch einmal das Zuckerfest feiern? Es würde doch zu Rath passen!

Neulich auf der 12

Die Straßenbahn 712 fährt jetzt, wie schon berichtet, ja in Doppeltraktion mit den ganz neuen Wagen. Neulich stieg ich in den hinteren Wagen ein, er war ganz leer. Nur eine alte Dame kam mir ganz aufgelöst direkt an der Tür entgegen: „Endlich kommt jemand! Ich bin hier ganz allein! Hier ist gar kein Fahrer drin!“ Sie blickte auf die hintere Kabine, und war ganz erleichtert, als ich sie darauf aufmerksam machte, daß dies doch hinten sei. „Ja, aber ich dachte, wenn doch hier die Fahrerkabine ist“ – die normalen Straßenbahnwagen haben hinten keine Fahrerkabine – „dann muß der Fahrer wohl rückwärts fahren…“

712 rollt wieder

Pünktlich und wie versprochen fährt seit heute die 712 wieder auf eigener Schiene Richtung Ratingen, wohl zunächst bis Hubertushain, wo der zwote Bauabschnitt läuft. Wie oben zu sehen, fährt auch tatsächlich der neue U-Bahn-Wagen in Doppeltraktion (nur der kann ohne Wendeschleife am Hubertushain umkehren), genau dafür hatte man ja die Bahnsteige ins Unermeßliche verlängert.

Man hatte dann gleich noch die gesamte Oberleitung und handgestoppte 97% der Schienen erneuert – warum man ein etwa 500m kurzes Stück in einer Richtung bestehen ließ („die waren doch noch gut!“), bleibt dem Laien unergründlich. Ansonsten hatte der Laie (und sein vierjähriger Sohn) viel Baustelle zu gucken in den letzten Wochen, spannende Maschinen wie z. B. eine per Lasernivellier automatisch höhengesteuerte Planierraupe, und gestern eine Testfahrt mit einer Straßenbahn, aus deren offenen Türen nach James-Bond-Manier Bauingenieure in ihren leuchtenden Warnjacken hingen.

Noch immer nicht glücklich dürften die Autofahrer sein, denn es liegt noch viel Gerät und die eine oder andere Schiene längs der Baustrecke, an zweispurigen Autoverkehr ist noch nicht zu denken. Und einige Stationen der Straßenbahn sind nicht fertig gepflastert und haben noch keine Haltestellenhäuschen; für ältere Mitmenschen wird das Fahren noch nicht lustig (aber das waren die Ersatzverkehre für sie auch nicht).

Es ist nur eine kleine Strophe des Lieds, das wir im Moment singen: „…wir haben in Düsseldorf // die längste Baustelle der Welt!“ Und das fast ganz ohne Proteste und Demonstrationen.

So nah

Gerade mal einen Kilometer Luftlinie entfernt, ungefähr da, wo wir früher wohnten, liegt der Rather Kirchplatz mit der St.-Joseph-Kirche. Und gerade mal ein paar Tage her, am 8. Juli, es war gerade klar geworden, daß wir nicht Weltmeister werden sollten, rasten abends Feuerwehren um unsere Häuserecke. Viele Feuerwehren.

Es ist nicht das erste Mal, daß es am Kirchplatz brannte, vor ein paar Jahren war es das Haus links der Kirche. Diesmal rechts. Ein hübsch renoviertes gründerzeitliches Mehrfamilienhaus hat jetzt kein Dach mehr. Und eine Familie mit Kleinkind keine Wohnung.

Gottseidank sind alle, auch der Vater, der leichte Verbrennungen erlitt, auch die zweijährige Tochter, auch die zwei Katzen, den Umständen nach wohlauf. Aber es fehlt ihnen in diesen ersten Tagen an allem.

Und weil die Mutter unter dem Aliasnamen „Melody“ in der Internetcommunity seit BBS-Tagen fest vernetzt ist, gibt es einen Hilfsaufruf. „Abgebrannt! Wir helfen.“

Also, denn man ran. Es geht wirklich um einen guten Zweck, und unmittelbarer, nicht-abstrakter geht es nicht mehr.

neu: Penny Oberrath

Wir entnehmen der allzeit gut informierten Presse, daß Oberrath eine Penny-Filiale erhalten soll. Das ist natürlich löblich, die Oberrather haben keine eigene Nahversorgung, und für ältere Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, ist der Einkauf in der südlichen Westfalenstraße schon ein ganz schöner Marsch.

Oberrather Str. 8, das kann entweder das alte Ricoh-Gebäude sein oder der Parkplatz gegenüber

Wir würden es auch schön finden, denn wenn wir in der Penny-Werbung einen interessanten Artikel finden, müssen wir heute entweder nach Ratingen oder nach Flingern fahren. – Ob es sich aber auch für Penny lohnt, das macht mir Sorgen. Haben doch in den letzten Jahren etliche kleine Märkte versucht, Oberrath als Standort zu sichern. Sie mußten alle verhungern und aufgeben. Aber gut, Penny hat Marktmacht, vielleicht haben sie den längeren Atem.

Jet Benzin für 9 Cent

Großer Volkslauflauf an der Jet Rather Broich: In einer Fonic-Werbeaktion gibt es dort Benzin für 9 Cent!

Benzin für 9 Cent

Und alle so: yeaaah! Und ich so: isch ‚abe überhaupt kein Auto!

Es gibt einen Riesen-Andrang mit Polizeiabsperrung und vielen Fähnchen und Hostessen. Wetten, in einer Stunde ist der Spuk vorbei…

Nachbarschaft, wie ich sie mag :-/

Heute morgen habe ich mir zusammen mit meiner Mutter den Vorgarten vorgenommen. OK, ich gebe sofort zu, es war höchste Zeit. Aber noch vor zwei Wochen konnte man draußen nicht viel tun, weil das Wetter schlecht war, und letzte Woche war ich im Garten.

Diesmal waren es nicht die Nachbarn aus dem 1. Stock, die eine freundliche Bemerkung für mich übrig hatten, sondern ein vorbeigehender Knackerdistinguierter älterer Herr, der meinen Guten-Morgen-Gruß beantwortete mit „das wurde auch höchste Zeit. Die alte Frau M. hätte es nicht so weit kommen lassen. Aber die jungen Leute von heute interessiert das ja nicht.“

Ich freue mich ja wirklich, wenn die halbe Straße Anteil an meiner Gartenpflege hat und auch eine Meinung dazu zum Besten gibt. Aber daß man mich ins Gesicht in der dritten Person anspricht (denn „die jungen Leute“ war nicht etwa über mich zu meiner Mutter gesagt), schätze ich nun gar nicht.

Großeinsatz in Rath: Kind gerät unter Straßenbahn

Wenn ich meinen Kindern sensationelle Blaulichteinsätze zeigen will, muß ich oftmals gar nicht weit gehen. Doch was für einen knapp Dreijährigen einfach nur spannend ist, war für einen 14jährigen Schüler des Goethe-Gymnasium tödlich: er geriet an der Haltestelle Rather Broich unter die Straßenbahn 712 und konnte trotz des Großeinsatzes nicht mehr gerettet werden (bei RP-Online).

Mit hydraulischem Hebezeug hob die Feuerwehr den Straßenbahnwagen an. In diesem Augenblick wußte ich noch nicht, daß es sich um einen tödlichen Unfall handelt, doch es war klar, daß dies keine Kleinigkeit ist: der Rather Broich war von der St.-Franziskus-Straße bis zum Mörsenbroicher Weg gesperrt, der Berufsverkehr kam fast völlig zum Erliegen.

Jet-Tankstelle Rather Broich entsteht neu

Ein gutes halbes Jahr ist es her, daß der Shop unserer Jet-Tankstelle komplett ausbrannte. Anscheinend dauert es einfach so lange, bis etwas Neues entstehen kann: Versicherungen ermitteln, Behelfsbürocontainer überbrücken den Übergang, ausgebrannte Gebäude müssen niedergerissen und neue Fundamente errichtet werden.

Das alles geschah hinter einem „Schleier“, einem Bauzaun, während vorn das Leben weiterging – nur eben leider ohne Brötchen, und Benzin brauch‘ ich keines.

Preistheorie ist nicht meine Stärke, deshalb weiß ich auch nicht, warum montags das Benzin am billigsten ist, aber daß es so ist, weiß ich. Jeden Montag nach Feierabend schlängeln sich Schlangen von Berufsverkehrsstillstandsteilnehmern, um sich billiges Benzin zu holen, erst recht gestern, wo es den niedrigsten Preis seit vielen Jahren hatte. Das wollte man gestern wohl unbedingt abpassen, ehe es heute so aussah:

Ein riesiger Telekran hob riesige Container, sie standen die ganze Straße entlang auf Trucks bereit, und fügte sie zu einem neuen Gebäude zusammen. Innert Stunden entstand ein schlüsselfertiger neuer Shop, abends wurden die Fenster eingepaßt, und in den nächsten Tagen kann man wahrscheinlich schon Regale einräumen.