Schlagwort-Archive: Reisen

Schweden, Niederlande, Fahrrad usw.

Mit Chor und Karl Jenkins in der Carnegie Hall New York

Mit dem Chor der Nachbargemeinde Thomas-Kirche unter Kantorin Irina Schneider habe ich schon ein paar tolle Stücke gesungen, als unsere eigene Gemeinde noch keinen Chor hatte. Diese Nachbarschaft führte auch im letzten Jahr zum Requiem von Karl Jenkins – und ein paar Youtube-Ausschnitte daraus machten uns so bekannt, dass die Konzertagentur DCINY uns anfragte, ob wir nicht an einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall mitwirken wollten. Das wollten wir natürlich, denn so etwas macht man nur einmal im Leben.

Jetzt muss man mal kurz einschränken: Es handelt sich hierbei um eine Art Vanity-Projekt, wir werden nicht etwa bezahlt (das werden Chorsänger sowieso fast nie) sondern müssen im Gegenteil unsere eigenen Kosten selbst tragen, und die Agentur lebt genau davon, dass Chorsänger sich in ihrer Eitelkeit getroffen fühlen. Und sowieso ist Chorgesang kein Erfolg einzelner Menschen, sondern der Erfolg von Menschen, die Teil einer Gruppe sind. Ich bin also sicher nicht plötzlich berühmt. Aber dennoch:

Wir reisten nach New York, um in der voll gebuchten Carnegie Hall aufzutreten, unser Requiem zu singen unter einem Spitzendirigenten Jonathan Griffith, in Gegenwart des Komponisten, des Walisers Sir Karl Jenkins. Es war die Nordamerika-Premiere von dessen Stück „Cantata Memoria“. So etwas ist schon beeindruckend. Es ist schon mehr als ein Adventskonzert in der eigenen Kirche, so schön auch das ist, wenn es die Zuhörer erfreut.

Dabei war das „Drumherum“ natürlich nicht weniger einmalig. Ich war noch niemals in New York – ein Lied weniger zu singen jetzt – und auch ein paar Proben unter einem Spitzendirigenten toppen unsere eigenen Kantorinnen doch noch etwas. Anwesenheit des Komponisten, das hatten wir schon (Susumu Ueda reiste aus Japan zu uns, um sein Requiem in unserer Kirche zu hören), aber Sir Karl Jenkins ist auch nicht irgendwer.

Es hat schon etwas mit Vanity zu tun, so etwas gemacht zu haben.

Wenn das Leben der Kuh am seidenen Faden hängt

Schon in der ersten Woche der Skiferien, bei meiner ersten roten Talabfahrt, wurde ich mit dem Rettungshelikopter der REGA konfrontiert. Ich spüre eine große Unsicherheit, in einen Hang einzufahren, in dem noch jemand anderes mit Unsicherheiten ist, ein Kind, ein gestürzter Skifahrer, ein Snowboardfahrer, der am Boden absitzt. Ich weiß inzwischen, dass ich solchen Hindernissen ausweichen kann, will aber instinktiv immer abwarten, bis sie ganz sicher weg sind. Ist der Snowboardfahrer dann endlich abgefahren, ist sicher ein weiteres Kind gekommen, und so zögere ich an steileren Stellen manchmal unglaublich lange. Hier nun aber war wirklich ein Unfall passiert, der Verunglückte wurde abseits der Piste von Bergrettern versorgt, und während ich noch abwartete, landete tatsächlich der Hubschrauber auf einem seitlichen Abschnitt der Piste und nahm den Patienten auf. Für einmal wartete ich also zu Recht…

Den Helikopter sollte ich noch öfter sehen, allein über die Silvestertage flog die REGA über 130 Einsätze, und man gewöhnt sich dann doch daran. Als ich einmal mit meinem Skilehrer im Lift saß und das Klappern der Flugmaschine wieder ganz in der Nähe zu hören war, kam unser Gespräch darauf, dass auch wir, obwohl nur Gäste, eine REGA-Gönnerschaft halten. Als Segler kenne ich von Kind auf die Arbeit der DGzRS und weiß, dass diese Organisationen, auf die man im Ernstfall angewiesen sein kann, sich nur durch Spenden finanzieren, und dass man ihre Arbeit deshalb gleich unterstützen sollte, und nicht erst, wenn man sie wirklich braucht. Tja, der Skilehrer war denn auch ein Gönner, was mich nicht überraschte, wohl aber der Grund: Seine Familien-Gönnerschaft decke auch die Rinder auf der Alp mit ab…

Kuh am HelikopterWie bitte? Ich hörte es mit Staunen und habe es seither überprüft: Es stimmt, die REGA transportiert auch Kühe aus Bergnot, und für die Abrechnung dieses Diensts werden die Rindviecher sogar tatsächlich wie Familienangehörige behandelt. Auf meine Frage, ob das die Tiere denn nicht völlig verstöre, beruhigte er mich, sie würden das ganz gut überstehen. Beruhigungsmittel würde man ihnen dafür nicht geben. Tja, aber die Idee vom sorglosen Leben der glücklichen Kühe auf der Alp bekommt dabei zumindest einen zusätzlichen Blickwinkel… „Holy cow, Batman!“

Ein Wochenende im Tessin

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. Und wenn einer in diesem Sommer eigentlich keine Reise tut, weil ihm ein Urlaub aus technischen Gründen nicht vergönnt ist, dann tut es vielleicht ein verlängertes Wochenende. Zu diesem luden Nonna und Nonno uns ein. Klar, dass es da Schönes zu berichten gibt, und drüben bei Picasa auch Fotos.

Zunächst reisten wir. Lufthansa bis und Europcar ab Milano Malpensa machten die Reise insgesamt höchst angenehm, auch wenn das Bodenpersonal dieser Airline das Boarding verbummelte und uns damit eine halbe Stunde kostete, so lange dauert es, bis man hier in DUS den nächsten Slot kriegt (dafür rettete der Purser des Rückflugs den Tag mit seiner launigen Sicherheitseinweisung „ziehen Sie die Stewardess heran und pressen Sie sie auf Mund und Nase“ – ungelogen). Europcar guckte erstaunt, ob wir den Panda (den man nur über Opodo buchen kann) wirklich wollten, aber wir reisen ja eh‘ nur mit Handgepäck, Hauptsache vier Räder und vier Sitze. Und das Autochen ist gar nicht schlecht! Das Nokia macht tapfer das Navi, es wird nur verblüffend heiß.

Die Großeltern haben Schönes für uns: der Nonno führt seinen neuen Grill vor, den Koenig. Der Pool ist eingelassen, und der Lido am Lago di Lugano obendrein. Da haben alle Spaß, auch die Kinder. Schade, wenn man so schnell schon wieder zurück muss!

Skifahren Saas-Fee

[Trigami-Review]

Ich bin als in die Schweiz eingeheiratetes Nordlicht ja inzwischen schon in ein paar Schweizer Skigebieten gewesen, Grächen im Wallis, Adelboden im Berner Oberland, Airolo im Tessin, und habe ein paar Skilehrer „verschlissen“, und dank deren Hilfe so langsam wirklich Spaß am Skilaufen gewonnen. Aber jetzt Skifahren Saas-Fee, das ist schon noch etwas Besonderes. Eine Kulisse von Gletschern und Viereinhalbtausendern, ein Drehrestaurant und eine Abfahrt auf Dreitausendfünfhundert, Schneegarantie, ein autofreies Dorf, da wird dem staunenden Flachländer etwas geboten. Und während man dort leicht mal glaubt, von den „Schönen und Reichen“ umgeben zu sein, liegt direkt nebenan in Saas-Almagell, nicht mehr als zwölf Postautominuten entfernt, ein preiswertes Familienskigebiet, auch attraktiv.

Eben dort in Saas-Almagell fanden wir unser Hotel, das „Kristall„, ein solides Dreistern mit drei Zimmerkategorien, von denen zwei gerade erst modernisiert und wirklich ein Genuß sind, mit geschmackvoller Kaminbar, Sauna und Whirlwannen und einer sehr guten Küche.

Angeschlossen ist auch ein Appartementhaus für die Familien, die den Rahmen eines Hotelzimmers sprengen oder lieber etwas für sich sein wollen, auf Wunsch aber trotzdem den Hotelservice und die Halbpension in Anspruch nehmen wollen. Die Familie Anthamatten hat dort seit mehreren Generationen das Ruder fest in der Hand, und Familien sind auch die Hauptzielgruppe.

Bleibt man in diesem Skigebiet, findet man dort immerhin eine Skischule, Lifte und rote Pisten bis 2.400m und alle nötige Infrastruktur vor (und wer am richtigen Ort sucht, findet im Schnee meine Videokamera, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andernmal erzählt werden). Der Hotelskibus fährt den Gast direkt dorthin, und der Skipaß kostet kaum zwei Drittel von dem von Saas-Fee. In der Nebensaison bietet Saas-Almagell ein Schmankerl-Angebot an, vor dem man den Hut ziehen muß: Familie mit zwei Kindern bis 9 Jahre im Appartement, Skipässe, Kinder-Skischule und -Skimiete für unter tausend Schweizer Franken die Woche!

Mit dem Postauto ist man unter einer Viertelstunde in Saas-Fee, dort sollte man den Rechenschieber aber zu Hause lassen, der Skipaß fürs gesamte Saastal kostet über 70 Stutz am Tag (andere Posten wie Skischule oder Restaurantmenüs sind dafür sogar preiswerter als anderswo). Dafür beginnt jetzt ernsthaft der Spaß: Mit dem Alpinexpress und der „Metro“, der höchsten unterirdischen Standseilbahn der Welt, geht es auf den Allalin rauf auf 3.500m, und vom dortigen Drehrestaurant ist der Ausblick wirklich phänomenal, während man sich eine „Stange“ (ein kleines Bier) lang dreht. Unter strahlend blauem Himmel reiht sich Gipfel an Gipfel, blickt man dazwischen durch, sieht man auf die nächste Gipfelkette. Eine abwechslungsreiche Überraschung steht hier noch bereit: im „Eispavillon“, einer Gletschergrotte, kann man Märchenhaftes genießen, tief im ewigen Eis, 6-10m unter der Oberfläche. Sogar eine Kapelle hat es dort. Dann die Skier angeschnallt – die Abfahrt ist rot, die Holde verspricht: „die roten Pisten von Saas-Fee sind wie die blauen von Adelboden“ – und tatsächlich, der mutige Ski-Eleve kommt unbeschadet 700 Höhenmeter herab bis zur Mittelstation und fühlt sich unbeschreiblich cool. Selbst mir blieb sogar Zeit und Muße, den feinen Pulverschnee, den Ausblick und den Sonnenschein zu genießen. Wer mehr Ski läuft als ich, findet in Saas-Fee Freeriden, Freestyle & Funparks, wer weniger auf den Brettern steht, interessiert sich vielleicht für Winterwandern, Schneeschuhlaufen oder Nacht-Schlittenfahren.

Der direkte Sonnenschein ist unterhalb der Mittelstation aber erst mal weg. Schattig ist es dort, die Sonne kratzt an des Allalingipfels rechtem Rand und suggeriert, daß es hier ab Februar sonnig sein dürfte, nicht aber in den Weihnachtsferien. Macht nix, das Restaurant serviert auch im Schatten ein gutes Mittagessen.

Im Tal machen wir noch ein wenig Après Ski. Saas-Fee ist ein schönes Dorf, es bietet eine eigentümliche Kulisse, trendige Pistenbars reihen sich an Walliser Heuschober aus uralt verwittertem Holz, gebaut auf einer ganz eigenen Steinkonstruktion aus Pfosten und Platten, die den Ratten das Hinaufklettern unmöglich machen sollen. Weil statt Autos nur ein paar Elektrokarren herumkurven – wie überhaupt das ganze Saastal erst 1950 an die Autostraßen angeschlossen wurde – ist es gemütlich und wieder familienfreundlich.

Nach zwei Tagen Scouten für die Saison 2011 ziehen wir ein Fazit: Saas-Fee ist eine Reise wert, ein toller Ort, der mehr hat, als man vermuten würde, ohne daß man Angst haben muß, er könne einem „zu groß“ sein. Jetzt Ski-Urlaub buchen!

Weihnachtsexpress, so far

Ich freu mich, dass einiges, was ich mir unschaffbar vorgestellt hatte, doch ganz gut gelungen ist. Rückwärts:

Wir sind in Adelboden und fahren Ski. Den Kindern macht es Spass, und dem Papi obendrein (darüber war ich mir ein Jahr nach meinen ersten Erfahrungen gar nicht mehr sicher). Das Chalet ist recht OK, wenn es auch ein paar sehr gewöhnungsbedürftige Details hat.

Wir haben ein schönes Weihnachtsfest bei Michi, dem Cousin der Holden und Patenonkel von Christian, verbracht. Michi und Manu haben sich wirklich riesig Mühe gegeben, dass es mehr wurde als nur eine „Durchreisestation“ und auch Lisas Esswünsche usw. geduldig ertragen (die beiden haben keine Kinder, und wir wollen nicht schuld sein, wenn das auch so bleibt). Auch dass die Geschenke nun mal nicht alle mitreisen können, haben die Kurzen recht tapfer ertragen.

Wir sind am 23. inmitten des Grossen Chaos™ mit der Bahn in die Schweiz gereist, ohne allzu grosse Verluste hinnehmen zu müssen (eine einstündige Verspätung ist ohne Umsteigen und ein proppevoller Zug mit reservierten Plätzen jeweils recht leicht zu ertragen).

Nicht alles ist gelungen, so hat DHL sich wohl grosse Mühe gegeben, die Weihnachtspost bis Weihnachten auszufahren, das reichte für uns aber eben nicht, und so kamen ein Amazon- und ein eBaypaket mit je 6 Tagen Vorlauf nicht mehr an. Anderes ist erfreulich: Neben dem Skikurs stehen im Urlaub auch noch 2 Trigami-Reviews an, auf die ich mich freue, und Zuhause schippt der arme Herr Sch. tapfer unseren Schnee – es ist wohl einiger.

Fliegen, Melcherson, Kino

Von den inzwischen hinter uns liegenden zwei Wochen war relativ wenig vom Ferien-Unglücksraben Melcherson zu berichten. Vielmehr haben wir es rundherum genossen.

Melcherson hatte dann seinen Auftritt vorgestern abend, als wir während des Heimradelns pitschnaß geregnet wurden. Um uns wäre das immer noch nicht schlimm gewesen, aber zu Hause hingen zwei Schlafsäcke zum Auslüften über dem Baum… Der Wäschetrockner des Bauern rettete uns.

Fliegen sind einer separaten Erwähnung wert. Nicht nur einfach weil sie da sind, das ist auf einem Bauernhof mit angeblich bis zu 9.000 Schweinen nicht ungewöhnlich. Auch nicht unbedingt weil es viele sind. Sondern weil es Augenblicke gibt, wo sie einem doch etwas die Ruhe rauben. Die Holde entwickelt regelrechte Mordlust und schlägt mit alten Zeitungen um sich: „Und dann im Abendrot // hau ich die Fliegen tot // auf unserm Segelboot…“

Heute nun waren wir im Kino, in einem kindgerechten Nachmittagsfilm. Das Bemerkenswerte war, daß wir uns hinterher klarmachten, daß wir und die Kinder damit ungefähr gleich oft im Kino waren in den letzten sechs Jahren…

Schöne Ferien auf dem Kolauerhof

Nachdem ich noch ein weiteres Mal den Melcherson spielen mußte, als am nächsten Morgen der Reifen des Anhängers geplättet war, renkt sich jetzt so langsam alles ein. Jetzt waren wir am Strand, haben es genossen, waren Ponyreiten und hatten Spaß dabei, haben immer noch Superwetter, wenn auch für morgen ein Regentag vorhergesagt ist, jetzt hat mir die Omi ihre Kamera geliehen, und jetzt sitze ich mit einem Bier auf unserer Terrasse und bin unentschieden, wer zum Surfen langsamer ist, das hier vorhandene WLAHM oder das EDGE mit meinem UMTS-Handy. Wer solche Sorgen hat… schließlich bin ich nicht zum Surfen hier.

Es ist wirklich ein Genuß hier.

Saltkrokan-Ferien: Letzte Bilder meiner Kamera?

Wer Astrid Lindgrens „Ferien auf Saltkrokan“ kennt, denkt sofort an Melcherson, den Schriftsteller, dem so allerlei mißlingt bei seinem Ferienhausurlaub. Und das als Überschrift zu wählen, ist denn auch sicherlich übertrieben.

Wir haben es hier nämlich eigentlich sehr schön getroffen auf dem Kolauerhof in Grömitz-Cismar gleich an der Ostsee. Als wir keins der wunderschönen kleinen Ferienhäuschen mehr abbekamen und entschieden, dann statt dessen auf demselben Hof Camping zu machen, hatten wir wohl ein gutes Händchen. Denn nicht nur der Hof ist schön und sehr kindgerecht ausgerüstet (z. B. mit Riesentrampolin, Klettergerüst, Swimmingpool, Tieren und vielen anderen Kindern), auch unser „Camping“ bietet Standards wie persönliche Küche, Bad, Terrasse und kleinen Aufenthaltsraum, die man nicht unbedingt beim Campen antrifft.

Wir haben bestes Wetter, ein Schaf, das zum Frühstück zum Streicheln an den Tisch kommt, überall Kaninchen und sind heute auch mit dem Fahrrad an den Strand gefahren.

Daß ich kurz vor dem Losfahren einen Platten am Rad hatte, war eins der Mißgeschicke, die zu einem Herrn Melcherson gepaßt hätten, freilich nur ein kleines, Flickzeug und Pumpe immer dabei, kostet es kaum 10 Minuten, aber immerhin hatte ich keinen Platten seit wohl ca. 4.000 km mehr. Was mich in dieser Sekunde aber mehr ärgert, ist der Ausstieg meiner Kamera. Die machte heute morgen plötzlich nicht mehr auf, Ärger mit der Objektivmechanik. Die Bilder, die ich zum Frühstück schoß, könnten leicht die letzten gewesen sein, denn wer repariert heute Knipsen von 200-300 € Wert?

Aber das allein verhagelt uns noch keinen Urlaub. Wir genießen es!