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Schweden, Niederlande, Fahrrad usw.

Alessándria bis Déiva Marina

Weiter soll es nach Genua gehen. Wir befinden, daß die Strade Statale, die gebührenfreien „Bundesstraßen“ Italiens, häufig gebaut entlang alter Römerstraßen, uns auch voranbringen, und oft malerischer. So sehen wir schöne Täler – bei herrlichem Wetter übrigens, gemäßigt zwar, aber sonnig – und trudeln gemütlich an Genua heran. Schwerer Fehler. Statt uns von dieser Straße bis ins Herz einer recht verkehrsreichen italienischen Stadt in ihrer Mittagspause, ungefähr genauso gereizt wie eine Katze bei derselben, tragen zu lassen, hätten wir hier besser ein oder zwei Euro in die Autobahn investiert. Ob Genua schön ist, kann ich rückblickend nur schwer einschätzen, nach deutlich mehr als einer Stunde in ihrem Herzen und ihren Außenbezirken, nach Straßen, die in einer kommentarlosen Baustelle im Nichts enden und Staufahrten, die uns die italienische Lebensart in vollen Zügen kosten lassen, wollte ich nur noch raus. Da uns das gelang, erreichten wir ein kleines, für uns namenloses Dorf (Bogliasco, rekonstruierte ich viel später), fast noch ein Vorort von Genua. Wunderschön. Drei bis vier Straßen, ein kleiner Strand, ein kleiner Bootshafen mit ein paar Fischerbooten. Leider nicht einmal ein Hotel oder Albergo, wie ein kurzes Abklappern aller Straßen ergibt. Ich wäre sonst gern geblieben, so muß ein bißchen Füße-ins-Meer-Tunken reichen.

Bogliasco, Via Colombo Cristoforo
Bogliasco, Via Colombo Cristoforo

Wir entscheiden, einen etwas weniger erschlossenen Bereich der Küste aufzusuchen – auf unserer Karte nur eine gestrichelte Linie, dort liegt Moneglia. Die Linie entpuppt sich als Kette von Tunneln, einspurig, ampelgesteuert, eine Viertelstunde gegen uns, Wartezeit im Mondlicht, dann mit uns. Italienische Mitmenschen hinter uns machen immer etwas Druck, also Gas gegeben, und mit 80 durch einen drei Meter breiten Tunnel gebrettert. Wie in einem Computerspiel. Plötzlich rechts eine Abfahrt zu einem Campeggio, die „Kreuzung“ ist so groß wie ein Wohnzimmer. Dann Moneglia, es ist uns zu touristisch, sicher geht es noch weiter, nach fünf Minuten sind wir draußen. Das reicht, um die nächste Tunnelkettenampel zu versäumen, sie sind wohl abgestimmt. Dann Déiva Marina. Auch touristisch, aber einige sehr nette Hotels, leider sind sie hier tatsächlich alle ausgebucht, trotz der Nachsaison. Also soll es weitergehen, inzwischen wird es dunkel. Nach ein paar Kilometern eine Straßenkreuzung, nicht viel mehr als eine Kirche und zwei Häuser, eines davon ein Bed and Breakfast. Breakfast ist gut, denken wir, das italienische Frühstück besteht bisher nur aus Kaffee, Zwieback, Marmelade und gefüllten Croissants. Sehr spärlich. Aber wir halten dennoch, und es lohnt sich. Die Zimmer sind sehr komfortabel, das Bad eines Vier-Sterne-Hotels würdig. Zum Abendessen gibt es eine gute Pizza zurück in Déiva, das Frühstück, naja, siehe oben.

Villa Luganese bis Alessándria

Jetzt soll sie losgehen, die Hochzeitsreise. Aber zunächst sitzen Martin und ich im Büro und unternehmen einen letzten Versuch, Martins altes Notebook ins Internet zu bringen, wieder vergebens. Dann noch schnell die schon vorliegenden Bilder der Digitalkamera auf eine CD gebrannt – es ist schon nachmittag -, und los geht es.

Zunächst nur bis zum „Fox-Town“, einem Factory Outlet bei der schweizerisch-italienischen Grenze. Dort verbummeln wir etwas Zeit. Wir haben ja jetzt Zeit, ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl. Hoppla, man schließt, es ist früher Abend! Jetzt aber schnell, es muß ja nicht mehr die Toskana werden, aber in Italien wollten wir schon übernachten.

Ab der Grenze begleitet uns ein Gewitter über die Autobahn Richtung Genua, es zeigt uns, was wir schon wußten, daß nämlich dieser Sommer nicht von der gleichen Art war wie andere. Unsere Hochzeitsfeier im Sonnenstübchen des Tessin war ja auch schon von einzelnen Regenschauern begleitet („sposa bagnata, sposa fortunata“), und Andrea, Barbaras Trauzeugin, war gerade von drei Wochen Toskana zurückgekehrt ohne einen einzigen Tag ganz ohne Regen. Auch unser Nachbar hatte schon berichtet, seinen Urlaub dort abgebrochen zu haben. Wir kommentierten das mit „wenn es wirklich nichts gibt, fahren wir zum nächsten Flughafen und nehmen einen Last-Minute-Flieger.“

Alessándria entpuppt sich als unspektakuläre Kleinstadt ohne jeden interessanten Aspekt. Keinen Reiseführer zu haben, rächt sich, das könnte noch öfter so kommen. Schließlich findet sich ein innenstädtisches Zwei-Sterne-Hotel, das uns akzeptabel, aber eben unspektakulär beherbergt. Erinnerungen an Cork, unsere erste Übernachtung in Irland, kommen auf. Auch Cork ist nicht eben der Traum eines Irlandreisenden.

Bogno bis Villa Luganese

Hier in den Bergen über Lugano haben wir die Hochzeitsfeier begangen, in der Locanda San Lucio von Marcello. Es war eine phantastische Feier, die wir wirklich nicht so schnell vergessen werden. War es der schönste Tag unseres Lebens? fragte uns Luisa später – Barbara antwortete „sicher der anstrengendste“, ich meinte, „der Tag, an dem wir uns kennenlernten, war auch nicht ohne.“

Eigentlich sollte noch am Sonntag die Hochzeitsreise beginnen, denn so gehört es sich ja, daß die Brautleute ohne innezuhalten die Flucht vor der Familie ergreifen. Wir wissen jetzt auch warum – aber dennoch sind wir zu müde. Die Feier ging bis nach vier Uhr morgens, und wir mögen nicht mehr. Barbaras Eltern sind rücksichtsvoll und tun so, als sähen sie nicht, daß wir eine weitere Nacht bei ihnen schlafen.

Villa Luganese bis Bogno

Es soll eine Hochzeitsreise geben, eine Hochzeitsreise, wie die Welt sie noch nicht erlebt hat. Barbara & Thomas, die Helden unseres kleinen Reiseberichts, haben geheiratet, und planen nun auszuziehen, die Welt zu erobern. Genauer: die Toskana. Noch genauer: weather permitting…

Wir sind tatsächlich verheiratet! Noch können wir es kaum fassen. Eigentlich doch, denn eigentlich sind wir schon seit dem 28. August in Düsseldorf verheiratet. Standesamtlich. Nun aber haben wir das mit dem Ja-Wort auch in der evangelischen Kirche von Lugano glattgemacht. Ganz ohne das Wort „Ja“ auch nur auszusprechen übrigens, denn gemäß dem Wunsch von Pfarrer Breitenstein hatten wir nicht einfach nur zu nicken, sondern uns das Trauversprechen wirklich gegenseitig abzugeben. Barbara mir auf italienisch, ich ihr auf deutsch.