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Schweizreise: Ringgenberg (6 km)

Es sollte fahrradtechnisch nur ein kleiner Ausflug werden: Mit der Cousine hatten wir uns in Ringgenberg verabredet, wo eine mittelalterliche Burgkirche nach Restaurierung mit einem „Mittelalterlich Spectaculum“ eröffnet werden sollte. Strecke: Nur wenige Kilometer, aber ein paar Höhenmeter.

Auf diesem Weg – aber nur auf diesem – rächte es sich, keine kleinmaßstabige Karte zu haben. Denn was hier harmlos aussah, einmal über die alte Eisenbahnbrücke und dann oberhalb der Eisenbahnlinie einen kleinen Berg überwinden, nennt sich lokal „Katzenpfad“, und anderen als Katzen, die immer wieder auf ihre Pfoten fallen, ist der Gebrauch auch nicht angeraten.

Die ca. 80 (!) Höhenmeter hinter der Brücke verbrachte ich überwiegend schiebend, fast möchte ich sagen tragend; auf einem extrem schmalen Schotterpfad neben dem Abgrund war meine größte Sorge, daß der Hänger mir seitlich wegrutschen möge, an Fahren war ohnehin nicht zu denken. Mit Grauen dachte ich an das womöglich gleiche Herunter auf der anderen Seite, doch dort wartete glücklicherweise eine schmale Asphaltstraße auf uns. Völlig abgekämpft kamen wir im Mittelalter an.

Blide

Das Fest war dann erfreulicherweise eine reiche Entschädigung für den strapaziösen Weg. Wer schon immer einmal bei strahlendem Sonnenschein sehen wollte, wie eine Blide echte Steine auf die echte Burgmauer schleudert, oder eine Burgführung mit einem kostümierten Archäologieprofessor genießen, zum Mittagessen den Kopf eines Spanferkels essen (weil der Koch dem Chronisten versicherte, das sei das beste Stück – und es könnte stimmen), der war hier richtig.

Und der Rückweg, längs der Straße, war nur um ein Kurzes länger, aber erheblich entspannender!

Schweizreise: Interlaken

Interlaken-Ost

Der Tag beginnt mit einem herrlichen, sonnigen Frühstück auf der Wiese direkt vor unserem Zelt. Gegen Mittag gehen wir zu Fuß ins Stadtzentrum, es sind ja nur ein, zwei Kilometer. Vor dem Bahnhof Interlaken-Ost ist ein Brunnen, groß wie ein Fußballfeld und nur wenige Zentimeter flach. Die Kinder tollen, spritzen, genießen es – und sind ratz-fatz pitschnaß. Muß Papi eben zurück und die Kutsche und Ersatzklamotten holen…

Als nächster Programmpunkt nach dem Mittagessen ist dann der Besuch der Dampf-Überholungswerkstätten geplant. Das Thema hätte Christian interessieren mögen, doch leider brauchen kleine Würmer noch Mittagsschlaf… in der Kutsche versäumt er es, wie Papi mit dem betagten Restaurator plaudert, der für eine Lok-Generalüberholung schon zehn Jahre ansetzt. Gottseidank hat er einen Nachfolger, den er ausbildet, denn das wird sicher seine letzte Lok gewesen sein.

Draußen sehen wir dann noch mehr Kutschen: Das „Bödeli-Tram“ ist der Touristen-Pferdeverkehr, und vor dem Coop steht ein alter Burley Cub, Baureihe deutlich vor unserer eigenen anzusetzen.

Schweizreise: Thun – Interlaken (30 km)

Gelingt der Zeltabbau noch trocken, gibt es dann Regen. Die Auffahrt nach Spiez bietet die erste Steigung von 70 Höhenmetern. Kaum kommen wir oben am Bahnhof an und wollen im Migros noch schnell etwas Proviant fassen, ergießt sich ein Gewitter. Unter dem Vordach des Güterbahnhofs wettern wir dieses ab. Danach klart es rasch wieder auf, aber die steile Abfahrt wieder herunter auf Seeniveau nach Faulensee müssen wir auf nasser Fahrbahn absolvieren. Mit dem Gespann im Nacken kriegt Papi ganz schön Bammel – als es gerade richtig rund geht, auch noch ein lautes „Peng – klacklacklack“ von hinten. Etwas war offensichtlich in die Speichen geraten, ratterte eine Weile und flog dann weg. Auf einer Hofeinfahrt komme ich zum schlitternden Halt und höre auch schon von hinten: „Papi! Deine Fahne ist weg!“ Aha. Ein schweizerischer Autofensterwimpel, im Nachgang der EM waren sie zu verschenken, hatte sich als Danaergeschenk und Wurfgeschoß erwiesen. Zum Glück war außer dem Ding selbst nichts beschädigt.

Faulensee

Zum Mittagessen pausieren wir in Faulensee. Am Seeufer thront ein brandneu eingerichteter Dorfbegegnungs- und Spielplatz. Wunderbare Geräte, Tische und Bänke, öffentliche Toiletten. Blick auf den See und die Anlegestelle des Dampfschiffs „Bluemlisalp“. Schönes Wetter, wenn auch etwas unsicher, den Regen müssen wir zuerst noch von den Spielgeräten abwischen, um pitschnasse Kinderhosen zu vermeiden. Erst am kommenden Samstag, so erfahren wir beiläufig, soll die Anlage eingeweiht werden. Ein paar Sicherheitstechniker kommen, anscheinend zur Abnahme, dann auch die ersten Dorfkinder.

Schlaf-im-Stroh

Spätnachmittags kommen wir in Interlaken an. Die ersten Campingplätze liegen schon im Westen am Thunersee, sie lassen wir aber unbesehen links liegen und fahren durch das touristisch voll erschlossene Stadtzentrum nach Osten, an den Brienzersee. Auch dort ein TCS-Camping, dies inspizieren wir, aber wir wollen etwas anderes: ein „Schlaf-im-Stroh„. Im Stroh schlafen überlassen wir zwar anderen, aber diese Bauernhöfe lassen auch Gäste campieren und die Infrastruktur mit nutzen. Als einziges Zelt stehen wir so bei Familie Balmer auf der Wiese, direkt neben dem komfortablen Aufenthalts- und Frühstücksraum und nahe bei den Duschen, der ganze Hof liegt ca. 1 km vom Bahnhof Interlaken Ost entfernt (und keine 100m von einer Eisenbahnbrücke, die Bahn fährt also fast über uns). Für nur 20 CHF dürfen wir bei Marlies Balmer neben dem Camping auch noch gleichalte Kinder, Katzen und Kaninchen genießen.

Abends Regen. Muß wohl sein, aber wenn es weiter nichts ist.

Schweizreise: Bern – Thun (35,9 km)

so gefällt's

Sonnig, aber nicht zu heiß, geht das Radfahren längs der Aare und in der Ebene hinter Bern gut von der Hand. Den Kindern gefällt’s, und noch müssen wir nicht zu sehr schwitzen.

Zwischen Kiesen und Heimberg gibt es eine Gefahrstelle, neben Bahngleisen geht es plötzlich auf wenigen Metern auf Schotter steil auf die Aare zu, dann scharf um die Kurve. Barbara versucht abzusteigen, doch der Anhänger schiebt, und das Gespann stürzt. Es gibt nur ein paar Ratscher, aber Barbara sagt mir, sie hätte den Hänger schon in der Aare versinken sehen…

Insgesamt aber ist unsere erste Fahrt auf der Route 8 des Schweizer Radwegenetzes eine erfreuliche Erfahrung. Die Beschilderung ist sehr gut, die Karte (der Führer „Veloland Schweiz 8 Aare-Route„) trotzdem empfehlenswert, um den Überblick zu wahren. Die Wege verlaufen entweder auf kleinen, nicht immer asphaltierten Wegen, oder an wenig befahrenen Straßen entlang. Die Steigungen sind meist beherrschbar, und in der Karte klar zu erkennen.

Abendbrot am Brunnen

Bei Thun verlassen wir den Weg, weil wir dort zur Nacht campieren wollen, im Camping Gwatt. Das ist ein TCS-Camping, also überwiegend Wohnwagen und -mobile. Das Camping ist OK, kann sich aber mit dem letzten nicht messen. 26 CHF zahlen wir hier, um direkt am Thuner See zu zelten, Duschen diesmal inbegriffen. Der Aufenthaltsraum aber hat den Charme einer Garage.

Abends gehen wir noch über den See. Das kann nicht nur Jesus, hier kann es jeder, denn über viele hundert Meter ist das Wasser nur knietief. An einem schönen Brunnen essen wir zu Abend. Nachts wieder ein Gewitter, über dem See ein eindrücklicher Anblick.

Schweizreise: Bern (5,7 km)

Morgens dürfen wir endlich unsere Räder abholen. Natürlich sind wir etwas verärgert, als wir sie unverpackt vorfinden, hatten wir die obligatorische Verpackung doch gleich zweimal bezahlen müssen. Mein Rad hat denn auch einen kleinen Schaden davongetragen – ein kleiner Bruch am Schutzblech, eine Bagatelle, die ich normalerweise nicht moniert hätte, aber verpackt wäre das eben nicht passiert, und deshalb schreibe ich eine Schadensmeldung, um sie später der DB und Hermes präsentieren zu können.

Bern

Mit den Rädern fahren wir aber zunächst nur zurück zum Camping, denn für den Nachmittag sind wir mit der Cousine und deren Kindern verabredet. Es geht ein wenig zum Tierpark Dählhölzli und an der Aare entlang, wo auch die Kinder herrlich an einem Bach spielen können.

Für abends ist „Bräteln“, also improvisiertes Grillen angesagt, doch wieder wird das schöne Wetter von einem einzelnen Guß abgeschwächt, und es wird statt dessen in der Pfanne unter dem Vordach des Campings gebrutzelt. Das macht nicht weniger Spaß.

Schweizreise: Bern

Der erste Tag präsentiert sich mit wunderbarem Wetter, auch wenn es am Nachmittag abermals einen einzelnen Gewitterguß gibt – aber da sind wir in einem Kaufhaus.

Am Morgen besuchen wir die Urgroßmutter in ihrem Altersheim. Dann kann Barbara endlich neue Teva-Sandalen kaufen.

Der Besuch des Bahnhofs bringt die erfreuliche Nachricht, daß die Fahrräder angekommen sind – die gestrige Einschätzung war also doch sehr pessimistisch gewesen. Wir beschließen aber, sie erst am nächsten Morgen mitzunehmen.

Schweizreise: Düsseldorf – Bern

Das war eine schöne Zugfahrt. Mit dem Eurocity bis nach Basel, dann mit dem Schweizer IC bis nach Bern. Natürlich war der Radtransport ausgeblendet, denn die Fahrzeuge wurden ja aufgegeben. So konnten wir mit den Kindern entspannt das Bahnfahren genießen.

Bei Koblenz wurden wir Zeugen eines riesigen Fahrrad-Events, für viele Kilometer war die Rheinuferstraße für Autos gesperrt, es gab Erfrischungsstationen und alles Pi-Pa-Po („Tal Total„, wie ich hinterher erfuhr). Kein Wunder, daß man keine Fahrradplätze im Zug mehr hatte buchen können…

Ab Basel, die Kinder hatten bis jetzt schon beeindruckend durchgehalten, führte der Schweizer IC den berühmten Kinderspielwagen mit, in dem die Kleinen sich noch eine Stunde austoben konnten.

Auf dem Bahnhof Bern erhielten wir dann unseren Kinderanhänger samt dem restlichen Gepäck, den die Schwiegereltern vorausgebracht hatten, von der Cousine ausgehändigt. Diesen Service wünschen wir jedem… Die aufgegebenen Räder waren dagegen natürlich noch nicht da – bis Mittwoch könne es dauern, so die entmutigende Auskunft der Gepäckausgabestelle. Aber den Campingplatz konnten wir auch mit der Straßenbahn erreichen, das war ausgeguckt und klappte auch gut.

Camping Eichholz

Wir campierten im Camping Eichholz in Wabern, direkt am Ufer der Aare. Ein städtischer Campingplatz, pieksauber und zeltfreundlich, d. h. die Hauptwiese ist autofrei, die Wohnmobile und -wagen sind in eine einzelne Ecke verbannt. Die modernen Sanitäranlagen und eine überdachte Sitz- und Kochecke sind einladend, der Preis mit 22 CHF plus Duschmünzen sehr preiswert.

Ein eigens bereitgestelltes Festzelt diente der Übertragung der EM, beim heutigen Finale gab es denn ja leider keinen Sieg…

Abends mochten die Kinder noch nicht recht einschlafen, weil sie das Zelt ja noch nicht wieder gewohnt waren… wir setzten sie also für eine Spazierfahrt in die Kutsche und fuhren ein wenig an der Aare entlang, als wir von einem Sturzregen durchnäßt wurden.