Schlagwort-Archive: Spökes

Alles was sonst nirgendwo hin paßte, Daily Rants usw.

Nachbarschaft, wie ich sie mag :-/

Heute morgen habe ich mir zusammen mit meiner Mutter den Vorgarten vorgenommen. OK, ich gebe sofort zu, es war höchste Zeit. Aber noch vor zwei Wochen konnte man draußen nicht viel tun, weil das Wetter schlecht war, und letzte Woche war ich im Garten.

Diesmal waren es nicht die Nachbarn aus dem 1. Stock, die eine freundliche Bemerkung für mich übrig hatten, sondern ein vorbeigehender Knackerdistinguierter älterer Herr, der meinen Guten-Morgen-Gruß beantwortete mit „das wurde auch höchste Zeit. Die alte Frau M. hätte es nicht so weit kommen lassen. Aber die jungen Leute von heute interessiert das ja nicht.“

Ich freue mich ja wirklich, wenn die halbe Straße Anteil an meiner Gartenpflege hat und auch eine Meinung dazu zum Besten gibt. Aber daß man mich ins Gesicht in der dritten Person anspricht (denn „die jungen Leute“ war nicht etwa über mich zu meiner Mutter gesagt), schätze ich nun gar nicht.

Neulich, in einer Parallelgesellschaft

Hätte es nicht als Einschub oben auf der Titelseite meiner Zeitung gestanden, hätte ich es nicht bemerkt, daß mitten in der Krise eine weitere offene Stelle wegfällt: Deutschland sucht, zumindest diese Woche, nicht mehr den Superstar, sondern wähnt sich, ihn gefunden zu haben. Anders als bei Alexander Klaws (oder war das schon der vorletzte? Vor-vorletzte?) hatte ich bei diesem noch nicht einmal den Namen je gehört, und habe ihn auch schon wieder vergessen. Ja nee, und in einer anderen Parallelgesellschaft läuft vermutlich auch Big Brother, oder?

Hm, ob es Paralleluniversen gibt, in denen die z. B. Muppet-Show oder TOS noch fortgesetzt wird? Weil, in so einem tät‘ ich wohnen möchten…

Die weißen Vans rollen wieder

Sie scheinen aus amerikanischen Agententhrillern zu kommen: alle zwei bis drei Wochen fahren wieder unmarkierte weiße Vans durch das Viertel, längs und quer und hin und her.

weißer Van

Anders als in amerikanischen Agententhrillern sind diese Vans allerdings ziemlich abgenudelt, und haben Landeskennzeichen, die überwiegend, wenn auch nicht alle, aus kürzlich neu hinzugekommenen EU-Ländern stammen, kurz gesagt – es ist Sperrmüll. Es sind unsere östlichen Nachbarn, die für uns die Sekundärrohstofftrennung durchführen und der Awista damit viel Arbeit abnehmen, auch wenn diese das eher nicht schätzen dürfte.

Schon in meiner Kindheit fand ich es spannend, Sperrmüll zu durchwühlen, und es ist für mich keine Frage der eigenen Vermögensverhältnisse, den Kopf darüber zu schütteln, was andere so wegwerfen. Für die Fahrer der weißen Vans vermutlich schon. Ich stelle mir vor, wie sie, Nomaden gleich, dem Sperrmüll nachziehen und, wenn der Wagen voll ist, den weiten Weg zurück in die Heimat antreten, oder einfach zum nächsten Schrotthändler (Altmetall ist ja zuletzt wieder gewaltig im Wert gefallen…).

Verstehen sie das? Ich erkläre es ihnen mal

Als wandelnde Rechtschreibkontrolle darf man sich heute ja outen, weil „Zwiebelfisch“ Bastian Sick gesellschaftsfähig gemacht hat, was mich schon lange vorher umtrieb: Spitzfindigkeit. Wer am Inhalt seines Gegenübers wirklich nur die Form zu monieren hat, hier also die Rechtschreibung, der ist argumentativ in der Defensive. Wer aber umgekehrt glaubt, Form sei nichts, der kann bekanntlich schreiben wie er will – nur ob er dann gern gelesen wird, ist zweifelhaft.

Mein Aufreger der Woche ist die Anrede-Großschreibung. Auf den Aufstellern vor Würstchenbuden, Friseursalons oder Handyläden ist man ja einiges gewohnt, aber als ich das Interview im Feuilleton der Welt am Sonntag las, und die Fragen der Journalistin dort reihenweise mit kleinen „sie’s“ geschrieben fand, war ich schon enttäuscht.

Eher schmunzeln mußte ich, als ich eine Werbemail meines Lottoanbieters erhielt: „Eine Tippgemeinschaft hat 2,1 Millionen Euro auf Ihrem Tippschein gewonnen!“ hieß es da. Das paßt zum schon fast klassischen „Eltern haften für Ihre Kinder“, und in beiden Fällen frage ich mich, ob ich den Rechtsanspruch auf Gewinn oder Haftung wohl einklagen könnte – bei der Tippgemeinschaft oder irgendwelchen Eltern, oder eher bei der Lottogesellschaft oder dem Baustellenbetreiber. Es paßt auch zum Interview mit Olaf Scholz im Vorwärts, es eröffnet mit der Zeile „Herr Minister, Millionen Deutsche sorgen sich angesichts der Weltwirtschaftskrise um Ihren Job.“ Tja, ein Ministersessel steht tatsächlich wackelig in diesen Tagen, aber ob es wirklich das war, was die parteitreue Zeitung sagen wollte?

Auch die Elternbriefe unseres Kindergartens weisen eine Unregelmäßigkeit aus, und zwar eine regelmäßige: Dort wird „Sie“ stets groß geschrieben, das dazugehörige „ihnen“ aber stets klein. Vertipper scheinen ausgeschlossen, das meint jemand wirklich so.

Statische Animateure bei der RP

Schon seit langem, wiederholt und beharrlich gefällt sich unsere Zeitung in ihren Bildunterschriften darin, computergenerierte Grafiken als „Animationen“ oder „Computeranimationen“ zu bezeichnen. Bevorzugt handelt es sich dabei um Architektenentwürfe von noch nicht bestehenden Bauten, Balken- und Tortendiagramme zu Wahl- und Kriminalitätsstatistik werden dagegen meist schlichter als „Grafik“ bezeichnet. Das, worauf es im Wort Animation ankommt, die Frage nämlich, ob sich etwas bewegt (was strikt gesprochen bei einer Zeitung ja gar nicht geht, doch würde ich eine Grafik, die einen Ablauf schrittweise verdeutlicht, ja fast noch gelten lassen), ist den Journalisten egal.

Faßt man den Blick weiter, fällt diese Beobachtung mit einer anderen zusammen: Es will generell scheinen, daß Überschriften und Bildunterschriften bei dieser Zeitung vom Volontär oder gar Druckereilehrling erstellt werden, oder von einem eigens dafür angestellten Analphabeten (der vielleicht das Aufbauseminar „reißerische Aufmacher ohne Sachzusammenhang“ besucht hat), jedenfalls nicht von dem Redakteur, der den Artikel geschrieben hat, und der weiß, worum es darin geht. Denn es ist die Regel, nicht die Ausnahme, daß eine Bildunterschrift dem Hauptartikel ganz widerspricht, neue, im Artikel nicht belegte Behauptungen aufstellt oder zumindest einen Namen falsch schreibt (die seltene Ausnahme zu dieser Regel ist allenfalls, daß ein im Artikel falsch geschriebener Name in der Bildunterschrift richtig geschrieben wird). Die Überschrift wiederum behauptet gern das Ende der Welt herbei, damit man den Artikel nur ja lese, und sei es, um festzustellen, daß das besagte Ende auf unbestimmte Zeit verschoben ist.

Lotto im Internet – wie Lotto, nur ohne Lotto

Zwar nicht seit es Lotto gibt, aber doch seit einiger Zeit konnte man Lotto im Internet spielen. Dann wurde der Glücksspiel-Staatsvertrag überarbeitet, und, wie man sagt, zur Vermeidung von Spielsucht, kann man nicht mehr im Internet Lotto spielen.

Jedenfalls fast nicht mehr.

Ganz Gallien…? Oh nein, ein Unternehmen, das eine merkwürdige Lizenz hält, die man ihm nicht rechtzeitig weggenommen hat, bietet weiterhin Lotto im Internet an. Die Presse berichtet allerlei über Tipp24.com, und die Firma selbst sagt, es sei alles nicht wahr. Sie stellt in ausführlichen FAQ alles klar. Liest man die, überkommt einen ein merkwürdiges Gefühl – was diese Firma anbietet, ist wirklich Glücksspiel. Man spielt nämlich Lotto – ohne Lotto, also ohne die deutsche Lotterie.

Man spielt bei einer in England angesiedelten Gesellschaft, die „die Gewinnauschüttung des deutschen Lottoblocks exakt abbildet“, die also gar keine eigene Ziehung veranstaltet, denn sie muß ja dieselben Gewinnzahlen verwenden, und die dann die Tips ihrer Kunden nicht anhand einer eigenen Quote, also einem Verhältnis von Einzahlungen zu Gewinnen, auszahlt, sondern anhand der Quote des deutschen Lottoblocks.

Da bekanntlich beim Glücksspiel auf lange Sicht nur einer gewinnt, nämlich die Bank, ist das eine Gewinnerstrategie („eine sichere Bank“ sagte man bis vor kurzem zu einer solchen Strategie, aber der Satz hat einen schalen Beigeschmack bekommen, und es sind nicht Spielbanken, die dafür verantwortlich sind). Der Satz enthält aber eine Nebenbedingung: auf lange Sicht. Im Einzelfall bleibt es dagegen ein Glücksspiel, und es kann der Gesellschaft passieren, daß sie viel schlechtere Quoten bedienen muß als der Lottoblock selbst.

Einfach deutlich wird das am Extremfall: Der Jackpot vor wenigen Wochen war bis auf 35 Millionen angestiegen. Woche um Woche häufte sich beim deutschen Lottoblock Millionenbetrag auf Millionenbetrag, weil eben keiner die erforderlichen Gewinnzahlen zog. Jetzt hätte aber bei Tipp24 Woche für Woche ein Spieler die richtigen Zahlen tippen können, dann hätten sie den Jackpot auszahlen müssen – und er wäre trotzdem weiter angestiegen. Aber auch bei den kleinen Zahlen sieht es ähnlich riskant aus: Nehmen wir an, daß Tipp24 erheblich kleiner ist als der deutsche Lottoblock, also erheblich geringere Einnahmen hat. Dann kann es schon schmerzlich für die Bilanz sein, überdurchschnittlich viele Dreier mit Zusatzzahl (meist so um und bei 60-70 Euro) auszahlen zu müssen. Klar, das Pendel kann immer auch andersherum ausschlagen, vermutlich mußte der Lottoblock und nicht Tipp24 den 35-Millionen-Jackpot auszahlen, vermutlich geht die Rechnung auf, aber es bleibt eben Glücksspiel. Irgendwie möchte ich nicht Manager bei Tipp24 sein, und auch nicht Chefstatistiker.

Jacko-Meter endet

Ein gutes Vierteljahr lang hatte ich jetzt in der Sidebar das „Jacko-Meter“, mit dem ich den aktuellen Lotto-Jackpot beobachtet hatte. Mir war aufgefallen, daß gefühlt viel öfter als früher ein Jackpot anstand, und das wollte ich einmal beobachten. Jetzt werte ich das Ergebnis aus, und stelle die Beobachtung ein.

Zunächst wurde mir klar, daß es logisch ist, daß ein Jackpot öfter da ist, seit die „Super 6“ eingeführt wurde, denn sie verringert die Chance auf einen Gewinn in der Klasse 1 auf 10% der früheren. Die Folge ist aber drastisch: keinen Jackpot gibt es praktisch nur noch in der Ziehung, nachdem der letzte geknackt wurde. Im Schnitt sind in jeder Ziehung 5,3 Millionen € im Jackpot; nur ein einziges Mal im Beobachtungszeitraum gab es zwei aufeinanderfolgende Ziehungen ohne Jackpot. Sonst sind immer mindestens 4 Millionen € im Angebot, zur zweiten Ziehung dann durchschnittlich 5,9 Millionen, 8 zur dritten. Natürlich wird er dann doch irgendwann geknackt, so daß längere Laufzeiten entsprechend seltener sind, der längste Jackpot im Beobachtungszeitraum lief gerade 6 Ziehungen und erreichte 14 Millionen €, im Schnitt läuft ein Topf 3,2 Ziehungen.

Angesichts dieser Häufung macht das von den Lottogesellschaften angebotene „Jackpot-Abo“ nur halb Sinn, es ist tatsächlich fast ein Dauerabo und damit ein kleiner Schritt in Richtung auf die drohend aufgebaute „Glücksspielsucht“. Ob ein Lottospieler wirklich einfach so spielsüchtig werden kann, wie es seit dem jüngsten Staatsvertrag angedeutet wird, mag ich bezweifeln. Hier stimme ich dem Massenlottorattenfänger Norman Faber zu, daß dies künstlich aufgebauscht wurde, um Lotterieeinnehmer aus dem Markt zu drängen – was ich in seinem Fall freilich persönlich für eine feine Sache halte…

Ab 2009 kann man dann nicht mehr im Internet Lotto spielen.

Und kost‘ Benzin auch zwei Mark zehn…

Jet
Benzin für zwei Mark zehn

„…scheißegal, es wird schon geh’n!“ Es waren die Achtziger, es war die Neue Deutsche Welle, er war Markus und wollte Spaß. Und die Idee, Benzin könne mehr kosten als, na, aus der Erinnerung, 1,30 DM, war eine wilde Fiktion.

Lange nicht mehr. Im Gegenteil, lange hat’s gedauert, bis ich dieses Posting schreiben konnte, bis sich der Benzinpreis von oben wieder an die legendäre Marke angenähert hat. Hier nun also, bei unserer Jet, Benzin für 1,05 €.

Und „Ich will Spaß!“ ist inzwischen ein Musical…