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Lotto im Internet – wie Lotto, nur ohne Lotto

Zwar nicht seit es Lotto gibt, aber doch seit einiger Zeit konnte man Lotto im Internet spielen. Dann wurde der Glücksspiel-Staatsvertrag überarbeitet, und, wie man sagt, zur Vermeidung von Spielsucht, kann man nicht mehr im Internet Lotto spielen.

Jedenfalls fast nicht mehr.

Ganz Gallien…? Oh nein, ein Unternehmen, das eine merkwürdige Lizenz hält, die man ihm nicht rechtzeitig weggenommen hat, bietet weiterhin Lotto im Internet an. Die Presse berichtet allerlei über Tipp24.com, und die Firma selbst sagt, es sei alles nicht wahr. Sie stellt in ausführlichen FAQ alles klar. Liest man die, überkommt einen ein merkwürdiges Gefühl – was diese Firma anbietet, ist wirklich Glücksspiel. Man spielt nämlich Lotto – ohne Lotto, also ohne die deutsche Lotterie.

Man spielt bei einer in England angesiedelten Gesellschaft, die „die Gewinnauschüttung des deutschen Lottoblocks exakt abbildet“, die also gar keine eigene Ziehung veranstaltet, denn sie muß ja dieselben Gewinnzahlen verwenden, und die dann die Tips ihrer Kunden nicht anhand einer eigenen Quote, also einem Verhältnis von Einzahlungen zu Gewinnen, auszahlt, sondern anhand der Quote des deutschen Lottoblocks.

Da bekanntlich beim Glücksspiel auf lange Sicht nur einer gewinnt, nämlich die Bank, ist das eine Gewinnerstrategie („eine sichere Bank“ sagte man bis vor kurzem zu einer solchen Strategie, aber der Satz hat einen schalen Beigeschmack bekommen, und es sind nicht Spielbanken, die dafür verantwortlich sind). Der Satz enthält aber eine Nebenbedingung: auf lange Sicht. Im Einzelfall bleibt es dagegen ein Glücksspiel, und es kann der Gesellschaft passieren, daß sie viel schlechtere Quoten bedienen muß als der Lottoblock selbst.

Einfach deutlich wird das am Extremfall: Der Jackpot vor wenigen Wochen war bis auf 35 Millionen angestiegen. Woche um Woche häufte sich beim deutschen Lottoblock Millionenbetrag auf Millionenbetrag, weil eben keiner die erforderlichen Gewinnzahlen zog. Jetzt hätte aber bei Tipp24 Woche für Woche ein Spieler die richtigen Zahlen tippen können, dann hätten sie den Jackpot auszahlen müssen – und er wäre trotzdem weiter angestiegen. Aber auch bei den kleinen Zahlen sieht es ähnlich riskant aus: Nehmen wir an, daß Tipp24 erheblich kleiner ist als der deutsche Lottoblock, also erheblich geringere Einnahmen hat. Dann kann es schon schmerzlich für die Bilanz sein, überdurchschnittlich viele Dreier mit Zusatzzahl (meist so um und bei 60-70 Euro) auszahlen zu müssen. Klar, das Pendel kann immer auch andersherum ausschlagen, vermutlich mußte der Lottoblock und nicht Tipp24 den 35-Millionen-Jackpot auszahlen, vermutlich geht die Rechnung auf, aber es bleibt eben Glücksspiel. Irgendwie möchte ich nicht Manager bei Tipp24 sein, und auch nicht Chefstatistiker.

Jacko-Meter endet

Ein gutes Vierteljahr lang hatte ich jetzt in der Sidebar das „Jacko-Meter“, mit dem ich den aktuellen Lotto-Jackpot beobachtet hatte. Mir war aufgefallen, daß gefühlt viel öfter als früher ein Jackpot anstand, und das wollte ich einmal beobachten. Jetzt werte ich das Ergebnis aus, und stelle die Beobachtung ein.

Zunächst wurde mir klar, daß es logisch ist, daß ein Jackpot öfter da ist, seit die „Super 6“ eingeführt wurde, denn sie verringert die Chance auf einen Gewinn in der Klasse 1 auf 10% der früheren. Die Folge ist aber drastisch: keinen Jackpot gibt es praktisch nur noch in der Ziehung, nachdem der letzte geknackt wurde. Im Schnitt sind in jeder Ziehung 5,3 Millionen € im Jackpot; nur ein einziges Mal im Beobachtungszeitraum gab es zwei aufeinanderfolgende Ziehungen ohne Jackpot. Sonst sind immer mindestens 4 Millionen € im Angebot, zur zweiten Ziehung dann durchschnittlich 5,9 Millionen, 8 zur dritten. Natürlich wird er dann doch irgendwann geknackt, so daß längere Laufzeiten entsprechend seltener sind, der längste Jackpot im Beobachtungszeitraum lief gerade 6 Ziehungen und erreichte 14 Millionen €, im Schnitt läuft ein Topf 3,2 Ziehungen.

Angesichts dieser Häufung macht das von den Lottogesellschaften angebotene „Jackpot-Abo“ nur halb Sinn, es ist tatsächlich fast ein Dauerabo und damit ein kleiner Schritt in Richtung auf die drohend aufgebaute „Glücksspielsucht“. Ob ein Lottospieler wirklich einfach so spielsüchtig werden kann, wie es seit dem jüngsten Staatsvertrag angedeutet wird, mag ich bezweifeln. Hier stimme ich dem Massenlottorattenfänger Norman Faber zu, daß dies künstlich aufgebauscht wurde, um Lotterieeinnehmer aus dem Markt zu drängen – was ich in seinem Fall freilich persönlich für eine feine Sache halte…

Ab 2009 kann man dann nicht mehr im Internet Lotto spielen.